Po­li­ti­ker-Ma­lus

Das Ur­teil ge­gen den Salz­bur­ger Bür­ger­meis­ter ist zu hart. Bei Po­li­ti­kern kennt die Jus­tiz kei­ne Gna­de.

Kurier - - POLITIK - MAR­TI­NA SA­LO­MON mar­ti­na.sa­lo­mon@ku­ri­er.at

Seit ein paar Jah­ren lau­fen Po­li­ti­ker Ge­fahr, für ei­ne fal­sche Ent­schei­dung hin­ter Git­ter zu lan­den. Auch dann, wenn klar ist, dass sie sich nicht per­sön­lich be­rei­chert ha­ben. Dass der Salz­bur­ger Bür­ger­meis­ter Scha­den am Frei­tag nach 18 er­folg­rei­chen Jah­ren Amts­zeit we­gen Bei­hil­fe zur Un­treue zu drei Jah­ren Haft, da­von ein Jahr un­be­dingt (nicht rechts­kräf­tig) ver­ur­teilt wor­den ist, ist nicht nach­voll­zieh­bar. Es ging ja nicht um ei­nen kri­mi­nel­len Vor­satz, son­dern um Fi­nanz­pro­duk­te für das Stadt-Bud­get, die da­mals von Linz über Nie­der­ös­ter­reich bis Wi­en (Stichwort Fran­ken-Kre­di­te) als lu­kra­tiv gal­ten, aber von nie­man­dem durch­schaut wur­den.

Dass Scha­den die fi­nan­zi­el­le Schief­la­ge vor dem Ge­mein­de­rat ge­heim hielt und die „gif­ti­gen“Pa­pie­re 2007 ans Land wei­ter­reich­te (auch weil man glaub­te, dass es dort ein tol­les Ma­nage­ment für De­ri­va­te gab), war ein po­li­ti­scher Feh­ler. Da­für müss­te er zu­rück­tre­ten oder ab­ge­wählt wer­den – aber ein Jahr Ge­fäng­nis?

Auch Po­li­ti­ker an­de­rer Cou­leurs er­hiel­ten ähn­lich har­te Ur­tei­le: Kärn­tens ÖVP-Chef Mar­tinz wur­de zu vier­ein­halb Jah­ren Haft ver­ur­teilt, weil er Geld aus dem Hy­po-Ver­kauf in die ÖVP (aber nie in die ei­ge­ne Ta­sche) um­lenk­te. Ex-FPÖ­ler Pe­ter Wes­tentha­ler wur­de als ehe­ma­li­ger Vor­stand der Fuß­bal­lbun­des­li­ga heu­er (nicht rechts­kräf­tig) zu zwei­ein­halb Jah­ren teil­be­ding­ter Haft ver­ur­teilt, weil er die fi­nan­zi­el­le Schief­la­ge der Bun­des­li­ga re­pa­rie­ren woll­te und ei­ne Bun­des-Sub­ven­ti­on falsch (als Nach­wuchs­för­de­rung) de­kla­rier­te. Das war üb­ri­gens im Jahr 2004, 13 Jah­re spä­ter ist die Sa­che noch im­mer nicht ju­ris­tisch ab­ge­schlos­sen.

Bei De­lik­ten ge­gen Leib und Leben ist man hin­ge­gen oft bass er­staunt, wel­che Straf­mil­de­rungs­grün­de da aus dem rich­ter­li­chen Ta­lar ge­schüt­telt wer­den. Wer­den in zehn Jah­ren Po­li­ti­ker zu un­be­ding­ter Haft ver­ur­teilt, weil sie jetzt ein Die­sel-Fahr­zeug als Di­enst­au­to ha­ben?

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