Zur Sup­pe

Kurier - - FRONT PAGE - gui­do.tarta­rot­ti@ku­ri­er.at

Es ist schon ei­ne Zeit lang her, da fiel in den Ra­dio­nach­rich­ten der schö­ne Satz: „Nach der Wahl muss der Wäh­ler die Sup­pe al­lei­ne aus­ba­den.“(Auf Wie­ne­risch möch­te man hin­zu­fü­gen: Das muss man wol­len ...)

Das ha­ben Po­li­tik und Re­stau­rants ja ge­mein­sam: Man hat dort Ge­le­gen­heit zu wäh­len (im Un­ter­schied zum Te­le­fo­nie­ren, da wird nicht mehr ge­wählt, son­dern ge­wischt). Doch wäh­rend in der Po­li­tik der Ton rau­er wird, drückt man sich in Re­stau­rants im­mer ... ge­wähl­ter aus. Frü­her frag­te der Ober, wenn er gut auf­ge­legt war, „Schmeckt’s eh?“oder „Passt ois?“. Heu­te hört man in be­son­ders fei­nen Häu­sern manch­mal so­gar: „Kom­men Sie zu­recht mit dem Wein?“(Dan­ke, bis jetzt ha­ben wir ihn ganz gut im Griff, aber falls er frech wird, ru­fen wir Sie um Hil­fe ...)

In der Po­li­tik wird uns hin­ge­gen, nach­dem wir ge­wählt ha­ben, nie­mand fra­gen, ob es passt und ob wir zu­recht­kom­men. Den­noch soll­ten wir aufs Wäh­len nicht ver­zich­ten. De­mo­kra­tie be­deu­tet auch: Ge­schmack und Tem­pe­ra­tur der Sup­pe mit­zu­be­stim­men, die man dann aus­ba­det.

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