Trump auf Kol­li­si­ons­kurs mit den Mul­lahs

Atom­ab­kom­men. Der US-Prä­si­dent be­zieht Stel­lung ge­gen den De­al mit Te­he­ran. Es dro­hen neue Sank­tio­nen – und neue Pro­ble­me für Eu­ro­pas Ex­por­te in den Öl­staat.

Kurier - - FRONT PAGE - VON

Ein­füh­rung neu­er US-Sank­tio­nen ge­gen den Iran hät­te auch Fol­gen für Eu­ro­pa

Do­nald Trump lässt kei­ne Ge­le­gen­heit aus, um über das Atom­ab­kom­men mit dem Iran her­zu­zie­hen. Den „schlech­tes­ten De­al al­ler Zei­ten“nennt er den über Jah­re auch in Wi­en müh­sam aus­ge­han­del­ten Pakt, der die Nu­kle­ar­in­dus­trie des Mul­lah-Re­gimes auf zi­vi­le Ver­wen­dung be­schrän­ken und den Bau ei­ner Atom­bom­be ver­hin­dern soll. Für heu­te, Frei­tag, wird er­war­tet, dass der Prä­si­dent Te­he­ran die Nicht­ein­hal­tung des Ab­kom­mens at­tes­tiert. Da­mit dro­hen neue USSank­tio­nen ge­gen den Iran. Wel­che Fol­gen hat das für den Nu­kle­ar­pakt und für Eu­ro­pa? Der KU­RI­ER ana­ly­siert. Laut Ur­teil der UN-Atom­be­hör­de IAEO nein. Die hat eben erst be­stä­tigt, dass sich Te­he­ran an die Vor­schrif­ten und Be­schrän­kun­gen für sein Atom­pro­gramm hält. Trump em­pört sich eher über Ent­wick­lun­gen, die nicht in dem Ab­kom­men ent­hal­ten sind, al­so et­wa dass der Iran neue Ra­ke­ten ent­wi­ckelt und die­se tes­tet. Auch wirft er Te­he­ran Un­ter­stüt­zung für Ter­ror­grup­pen vor. Vor­erst nicht, denn Ent­schei­dung liegt beim US-Kon­gress. Der hat 60 Ta­ge Zeit, um­den De­al auf­zu­kün­di­gen und neue Sank­tio­nen zu ver­hän­gen. Die an­de­ren Un­ter­zeich­ner des Ab­kom­mens, al­so Russ­land, Chi­na, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en und Deutsch­land, ha­ben be­reits deut­lich ge­macht, dass sie an dem Ab­kom­men fest­hal­ten wol­len.

Das Mul­lah-Re­gime ver­sucht ei­ner­seits die Eu­ro­pä­er da­von zu über­zeu­gen, am Atom­ab­kom­men fest­zu­hal­ten, an­de­rer­seits droht man den USA mit ei­ner har­ten Li­nie, vor al­lem in der Nah­ost-Re­gi­on, wo man ja in Sy­ri­en oder im Irak ei­ne wich­ti­ge Rol­le spielt. Die Re­vo­lu­ti­ons­gar­den, Irans mäch­ti­ge Eli­te­trup­pe, die Trump zur Ter­ror­grup­pe er­klä­ren will, dro­hen mit Ak­tio­nen ge­gen US-Mi­li­tär­ein­rich­tun­gen in der Re­gi­on. Neu­ver­hand­lun­gen des Atom­ab­kom­mens lehnt ab.

Vor­erst eher nicht, denn auch in den USA will sich nie­mand die neu­en Chan­cen auf Ge­schäf­te im Iran, zu­nich­te ma­chen las­sen. Doch der Prä­si­dent und die re­pu­bli­ka­ni­schen Hard­li­ner im Kon­gress wol­len un­be­dingt zu­min­dest star­ke Ges­ten ge­gen­über Te­he­ran set­zen. So könn­te man er­neut ira­ni­sche Per­sön­lich­kei­ten oder Un­ter­neh­men un­ter Sank­tio­nen stel­len. Lässt sich Te­he­ran da­durch da­zu pro­vo­zie­ren, das Atom­ab­kom­men sei­ner­seits auf­zu­kün­di­gen, könn­te die USSank­ti­ons­spi­ra­le er­neut in Be­we­gung ge­setzt wer­den. Ob­wohl nach der Ei­ni­gung über das Atom­ab- kom­men die meis­ten Sank­tio­nen ge­gen den Iran be­reits auf­ge­ho­ben wur­den, er­ho­len sich die Wirt­schafts­be­zie­hun­gen mit dem Iran nur lang­sam. Vor al­lem die Fi­nan­zie­rung neu­er Pro­jek­te eu­ro­päi­scher Fir­men bleibt müh­sam, da sich gro­ße Ban­ken, die auch in den USA Ge­schäf­te ma­chen, vor neu­en Straf­maß­nah­men fürch­ten. Schließ­lich ha­ben die USA wäh­rend der Sank­ti­ons­zeit Mil­li­ar­den­stra­fen ver­hängt. Soll­te al­so der US-Kon­gress doch har­te Sank­tio­nen ver­hän­gen, wä­ren In­ves­ti­tio­nen, auch ös­ter­rei­chi­scher Fir­men, in Ge­fahr. Noch schlim­mer wä­re, wenn der Iran das Atom­ab­kom­men tat­säch­lich plat­zen lie­ße. Dann wür­den die al­ten har­ten Sank­tio­nen wie­der in Kraft ge­setzt. Um die Si­tua­ti­on zu be­ru­hi­gen plä­die­ren eu­ro­päi­sche Län­der, wie et­wa Groß­bri­tan­ni­en oder Frank­reich, für Ver­hand­lun­gen ab­seits des Atom­ab­kom­mens, al­so et­wa über Irans Auf­rüs­tung.

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