Micha­el Lud­wig be­kennt sich zu Rot-Grün

In­ter­view. Wohn­bau­stadt­rat Lud­wig wür­de als Stadt­chef die Ko­ali­ti­on wei­ter­füh­ren

Kurier - - FRONT PAGE - VON ELI­AS NATMESSNIG

Der Wie­ner Wohn­bau­stadt­rat und Fa­vo­rit auf die Nach­fol­ge von Micha­el Häupl im In­ter­view

Micha­el Lud­wig gilt als Fa­vo­rit auf die Nach­fol­ge von Bür­ger­meis­ter Micha­el Häupl. Ihm wer­den gu­te Kon­tak­te zu al­len Par­tei­en nach­ge­sagt, auch zur FPÖ. Den­noch wür­de er mit Rot-Grün wei­ter­ar­bei­ten, soll­te er Bür­ger­meis­ter wer­den. KU­RI­ER: Sie wol­len zum Miet­recht ein Volks­be­geh­ren ein­brin­gen, wenn es wei­ter Blo­cka­den im Bund gibt. Doch was soll das brin­gen, wenn sich der Ko­ali­ti­ons­part­ner stets quer legt? Micha­el Lud­wig: Des­we­gen set­ze ich mich bis zum 15. Ok­to­ber da­für ein, dass die SPÖ so stark im Par­la­ment wird, da­mit wir die In­ter­es­sen der Mie­ter durch­set­zen kön­nen. Und wenn die Wahl für die SPÖ nicht gut aus­geht?

Wenn die SPÖ nicht in der Re­gie­rung ist, braucht man nicht weit zu­rück­bli­cken, um zu se­hen, was das für Mie­ter be­deu­tet. Schwarz-Blau hat im Jahr 2000 so­fort die BUWOG pri­va­ti­siert. Das be­schäf­tigt bis heu­te die Ge­rich­te. Die Grü­nen wol­len ei­ne Miet­zins­ober­gren­ze von 7,50 Eu­ro. Ist das rea­lis­tisch?

Wir ha­ben ja durch das Richt­wert­ge­setz ei­ne Miet­zins­be­schrän­kung. Doch da es vie­le Zu­schlä­ge gibt, die nicht ge­de­ckelt sind, kön­nen die Mie­ten mit­un­ter dop­pelt so hoch sein, als es der Richt­wert vor­sieht. Wir se­hen der­zeit, dass bei den pri­va­ten Mie­ten – und aus­schließ­lich dort – die Prei­se über­pro­por­tio­nal stark an­stei­gen. Wir müs­sen vor al­lem die be­fris­te­ten Miet­ver­trä­ge ein­däm­men. Man kann doch nie­man­dem vor­schrei­ben, wie lan­ge er sei­ne Woh­nung ver­mie­ten soll?

Es wird Si­tua­tio­nen ge­ben, wo ein Ei­gen­tü­mer ei­ne Woh­nung be­fris­tet ver­ge­ben will, et­wa weil er sie spä­ter für sei­ne Kin­der be­nö­tigt. Aber der­zeit wer­den die Be­fris­tun­gen ein­ge­setzt, um die Mie­ten nach En­de je­der Ver­trags­lauf­zeit zu er­hö­hen. Und es gibt ei­nen wei­te­ren Grund: Bei ei­ner Ver­samm­lung von Haus­ei­gen­tü­mern hat ei­ner un­ver­blümt ein­ge­stan­den, dass es der­zeit des­halb so vie­le be­fris­te­te Ver­trä­ge gä­be, weil man war­ten will, bis die SPÖ aus der Re­gie­rung drau­ßen ist. Gut. Sie wol­len al­so die be­fris­te­ten Mie­ten ein­däm­men. Aber wie?

Durch kla­re ge­setz­li­che Be­stim­mun­gen im Miet­recht. Schon jetzt gilt die Re­ge­lung, dass dann 25 Pro­zent Ab­schlag fäl­lig wä­ren. Man müss­te das nur stär­ker exe­ku­tie­ren. ÖVP-Chef Se­bas­ti­an Kurz hat zu­letzt vor­ge­schla­gen, Jun­ge sol­len Ei­gen­tum als Vor­sor­ge ge­gen Al­ters­ar­mut er­wer­ben. Un­ter­stüt­zen Sie das?

Wenn man Geld hat, ist Ei­gen­tum kei­ne schlech­te Sa­che. Nur die meis­ten Jun­gen kön­nen sich kaum die Mie­te leis­ten und ha­ben kein Ei­gen­ka­pi­tal. Der Vor­schlag scheint mir da­her et­was le­bens­fern zu sein. Im Jän­ner wird in der Wie­ner SPÖ ein neu­er Par­tei­chef ge­wählt. Bür­ger­meis­ter Micha­el Häupl be­ton­te zu­letzt, dass das Wah­l­er­geb­nis vom 15. Ok­to­ber Aus­wir­kun­gen auf sei­ne Nach­fol­ge hat.

Die SPÖ Wi­en hat im­mer ih­ren Zu­kunfts­weg au­to­nom ent­schie­den – un­ab­hän­gig von al­len Rah­men­be­din­gun­gen. Da­mit wi­der­spre­chen Sie Häupl. Bis jetzt sind Sie der ein­zi­ge, der Am­bi­tio­nen auf das Amt an­ge­mel­det hat. Es kur­sie­ren auch Na­men wie Jür­gen Czer­no­hor­sz­ky, Ul­li Si­ma und zu­letzt gar Bri­git­te Ede­rer. Wer ist Ihr größ­ter Mit­be­wer­ber?

Mir ist je­der und je­de recht. Er­war­ten Sie meh­re­re Ge­gen­kan­di­da­ten?

Auch das wird man se­hen. Um­so mehr Aus­wahl die De­le­gier­ten ha­ben, des­to bes­ser. Sie sag­ten, Sie hät­ten die Mehr­heit hin­ter sich. Das wird der Par­tei­tag zei­gen. Es gibt auch Ide­en zur Ämt­er­tren­nung von Par­tei­chef und Bür­ger­meis­ter. Für Sie vor­stell­bar?

Ich hal­te nichts von ei­ner Ämt­er­tren­nung. Wir ste­hen vor gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen in der Stadt und in der Par­tei. Die müs­sen ge­mein­sam, aber von ei­ner Per­son an der Spit­ze ge­löst wer­den. Wann soll die Über­ga­be des Bür­ger­meis­ter­am­tes an den Par­tei­chef er­fol­gen? Häupl sag­te zeit­nah.

Das ist ei­ne gu­te Ein­schät­zung. Was ist für Sie zeit­nah? Drei Mo­na­te?

Der Bür­ger­meis­ter wird Vor­stel­lun­gen ha­ben, was er mit zeit­nah meint. Das wird man da­her zu ge­ge­be­ner Zeit be­spre­chen. Je­der der mich kennt, weiß, dass ich ein har­mo­nie­ori­en­tier­ter Mensch bin. Was be­deu­tet der Wech­sel für Rot-Grün?

Die Men­schen er­war­ten, dass Po­li­tik be­re­chen­bar ist, dass Po­li­ti­ker Ver­ant­wor­tung über­neh­men. Das heißt nicht, dass es nach ei­ner Ge­mein­de­rats­wahl auch an­de­re Ko­ali­tio­nen ge­ben kann. Aber wenn es Ver­ein­ba­run­gen gibt, müs­sen die auch ein­ge­hal­ten wer­den. Das heißt, Rot-Grün soll die vol­le Le­gis­la­tur­pe­ri­ode ar­bei­ten?

Ja. Po­li­ti­ker wer­den da­für ge­wählt, zu ar­bei­ten und nicht stän­dig Wah­len vom Zaun zu bre­chen. Ein Streit­the­ma zwi­schen Rot-Grün ist die Min­dest­si­che­rung. Ihr Par­tei­kol­le­ge Ha­rald Troch hat ge­for­dert, ei­nen Un­ter­schied zwi­schen je­nen zu ma­chen, die lan­ge ins Sys­tem ein­ge­zahlt ha­ben und je­nen, die erst kurz in Wi­en sind.

Ich ha­be bei der Ver­ga­be von Ge­mein­de­woh­nun­gen ei­nen Weg ge­wählt, der je­ne be­vor­zugt, die schon län­ger in der Stadt le­ben, oh­ne Men­schen zu be­nach­tei­li­gen, die erst kurz bei uns sind. Et­was, was Sie als Bür­ger­meis­ter auf die Min­dest­si­che­rung über­tra­gen wür­den?

Ich war nicht in dem Ver­hand­lungs­team da­bei, das die jet­zi­ge Re­ge­lung ver­han­delt hat. Es gibt aber un­ter­schied­li­che Sicht­wei­sen in der So­zi­al­de­mo­kra­tie.

Micha­el Lud­wig will mit den Grü­nen wei­ter­ar­bei­ten

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.