Übung ge­lun­gen? Ja. Aber nur von den Se­her­zah­len her

Kurier - - POLITIK - (sie­he Sei­te 4). – P.WILHELMER

For­schung. Me­di­en­wis­sen­schaft­ler Mat­thi­as Kar­ma­sin ist am Te­le­fon hör­bar be­ein­druckt von den Quo­ten der zu­rück­lie­gen­den TV-Du­el­le. „Of­fen­sicht­lich hat man sich auf ei­nem ho­hen Ni­veau sta­bi­li­siert. Es ist so­gar noch leicht ge­stie­gen“, sagt Kar­ma­sin zur Be­rech­nung, dass mehr als 70 Pro­zent al­ler Ös­ter­rei­cher min­des­tens ein TV-Du­ell des ge­se­hen ha­ben

Was aber bringt die Mas­se der Live-TV-Auf­trit­te ei­nem Po­li­ti­ker ei­gent­lich, noch da­zu in ei­ner so ge­ball­ten Zahl? Kar­ma­sin: „Die Spe­zia­li­tät des Fern­se­hens ist: Es bringt die Ein­heit zwi­schen Mi­mik, Ges­tik, Spra­che und ge­sam­ter Ins­ze­nie­rung.“Wo­bei die Be­deu­tung als po­li­ti­sches Leit­me­di­um in­ter­na­tio­nal leicht ab­neh­me. „Fern­se­hen spielt ei­ne re­le­van­te Rol­le bei Wah­l­ent­schei­dun­gen. Aber die Zahl je­ner, bei de­nen TV die Wah­l­ent­schei­dung re­le­vant be­einf lusst, ist im Sin­ken.“In Ös­ter­reich herrsch­ten da­hin­ge­hend aber recht sta­bi­le Ver­hält­nis­se, sagt Kar­ma­sin.

Ist die Übung al­so ge­lun­gen? Ja. Aber nur von den Se­her­zah­len her, sagt der Wis­sen­schaft­ler: „Von po­li­ti­scher Ab­ge­wandt­heit und Po­li­tik­ver­wei­ge­rung ist tat­säch­lich we­nig zu spü­ren.“

In­halt­lich sieht er je­doch noch Luft nach oben. Das Set­ting „Du­ell“und „Kon­fron­ta­ti­on“sei be­reits dar­auf aus­ge­legt, dass es drum ge­he, wer sich hier bes­ser be­haup­te. „Bei al­lem Re­spekt vor Mo­de­ra­to­ren, TV-Sen­dern und Kan­di­da­ten soll­te man nicht aus den Au­gen ver­lie­ren: Es geht nicht um Du­el­le oder Kon­fron­ta­ti­on, son­dern um ei­nen Ide­en­wett­be­werb über die Gestal­tung des Ge­mein­we­sens.“

Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Fritz Haus­jell be­grüßt die TV-Viel­falt. „Nie­mand zwingt mich, vor dem Smart­pho­ne oder dem Fern­se­her zu sit­zen.“Für Kan­di­da­ten, die rhe­to­risch und in­halt­lich ver­siert sind, stel­le die Viel­falt ei­ne Chan­ce dar. „Schlecht ist es für Kan­di­da­ten, die ver­mei­den wol­len, dass zu vie­le The­men dis­ku­tiert wer­den.“

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