Wahl­tag könn­te Über­ra­schung brin­gen

Letz­te Trends. SPÖ hält sich trotz Sil­ber­stein-Af­fä­re gut, ihr Rück­stand auf die ÖVP schrumpft

Kurier - - POLITIK - VON

Im La­ger der SPÖ schöpft man Hoff­nung. In der letz­ten Sep­tem­ber-Wo­che, nur gut zwei Wo­chen vor der Na­tio­nal­rats­wahl, be­gann sich in den Um­fra­gen end­lich et­was zu be­we­gen. Im­mer mehr Wäh­ler/in­nen ent­schie­den zu die­sem Zeit­punkt, wem sie ih­re Stim­me ge­ben wol­len – und da leg­te die SPÖ in den Roh­da­ten (al­so bei den ent­schlos­se­nen Wäh­lern) deut­lich zu. „Wir stie­gen vom FPÖ-Ni­veau fast auf ÖVPNi­veau an. In den Roh­da­ten trenn­ten uns von der ÖVP nur noch drei Pro­zent­punk­te“, er­zählt ein SPÖ-Po­li­ti­ker.

Dann platz­te die Af­fä­re Sil­ber­stein, und vie­le er­war­te­ten ei­nen SPÖ-Ab­sturz. Doch die Af­fä­re scheint der SPÖ, zu­min­dest in den Um­fra­gen, nichts an­zu­ha­ben. OGM-Chef Wolf­gang may­er er­hob ver­gan­ge­ne Wo­che – al­so mit­ten im Sil­ber­stein-De­sas­ter – 27 Pro­zent für die SPÖ. Mög­lich, dass die­ser Wert bis zum Wahl­tag noch et­was steigt.

Ver­wun­der­lich wä­re das nicht, denn die SPÖ spielt – ei­gent­lich seit ih­rem Bun­des­par­tei­rat An­fang Au­gust – die so­zia­le Kar­te. Das The­ma wur­de je­doch im­mer wie­der durch Plei­ten und Pan­nen im SPÖ-Wahl­kampf über­la­gert.

Da­bei hät­te sich die SPÖ al­le Wahl­kampf-Gu­rus spa­ren kön­nen. Wie es sich jetzt ab­zeich­net, dürf­te ihr der er­prob­te Gas­sen­hau­er „so­zia­le Ge­rech­tig­keit“er­neut ein pas­sa­bles Wah­l­er­geb­nis be­sche­ren. Je­den­falls scheint die SPÖ mit dem Schreck­ge­spenst ei­nes schwarz-blau­en So­zi­al­ab­baus Grün-Wäh­ler an sich zu bin­den. Das könn­te Pe­ter den Ein­zug in den Na­tio­nal­rat kos­ten.

Ver­hal­te­ne Eu­pho­rie in der SPÖ und auf­kei­men­de Ner­vo­si­tät in der ÖVP sech­zig St­un­den vor dem Öff­nen der Wahl­lo­ka­le las­sen den Schluss zu: Der Vor­sprung der ÖVP auf die SPÖ schrumpft.

Letz­te­res hat auch da­mit zu tun, dass die ÖVP in den ver­öf­fent­lich­ten Um­fra­gen mög­li­cher­wei­se et­was zu hoch be­wer­tet war. Bach­may­er er­hob zu­letzt ei­nen ÖVP-Wert von 33 Pro­zent, hat­te sie zu­vor aber auch schon bei nur 31 Pro­zent ge­mes­sen (Um­fra­gen sind kei­ne ex­ak­ten Rech­nun­gen, son­dern Trend­bil­der). Was wür­de ein knap­pes Wah­l­er­geb­nis für die Re­gie­rungs­bil­dung be­deu­ten?

Je nä­her ÖVP und SPÖ bei­sam­men­lie­gen, um­so mehr wird die FPÖ in ih­rer Rol­le als Kanz­ler-Ma­che­rin auf­ge­wer­tet.

Es wür­de an der FPÖ lie­gen, ob sie der SPÖ die Zeit ein­räumt, in ei­ner Ur­ab­stim­mung oder auf ei­nem Par­tei­tag zu klä­ren, ob sie mit der FPÖ ei­ne Re­gie­rung bil­den will. FPÖ-Chef Heinz-Chris- tian Stra­che hat mehr­fach ge­sagt, er star­te mit der SPÖ erst dann Re­gie­rungs­ver­hand­lun­gen, wenn sie ih­ren Par­tei­tags­be­schluss ge­gen Rot­Blau zu­vor auf hebt.

Das braucht aber Zeit. Hin­zu kommt, dass die SPÖ ih­ren Chef Chris­ti­an nicht so ein­fach ab­lö­sen könn­te, wenn die­ser ein pas­sa­bles Wah­l­er­geb­nis nach Hau­se bringt. Kern ist je­doch ge­gen Rot-Blau, „uns tren­nen Wel­ten“, hat er erst kürz­lich dem FPÖ-Chef vor lau­fen­der Ka­me­ra be­schie­den.

An­de­rer­seits: Wenn die SPÖ fast gleich stark wür­de wie die ÖVP – war­um soll­te sie dann in Op­po­si­ti­on ge­hen? In­ner­par­tei­lich wür­den wohl ei­ni­ge Macht­blö­cke – Ge­werk­schaf­ter, Pen­sio­nis­ten, man­che Län­der – für das Re­gie­ren plä­die­ren.

Und sei es nur, um sich an Se­bas­ti­an Kurz zu rä­chen.

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