Pa­läs­ti­nen­ser-Ei­ni­gung mit ge­fähr­li­chen Fall­stri­cken

Nah­ost. Fa­tah und Ha­mas be­gra­ben das Kriegs­beil. Hoff­nung auf Frie­dens­dia­log mit Is­ra­el keimt zart.

Kurier - - POLITIK - AUS TEL AVIV

Nur we­ni­ge Ta­ge dau­er­ten die Ge­sprä­che in Kai­ro zwi­schen den ver­fein­de­ten pa­läs­ti­nen­si­schen Or­ga­ni­sa­tio­nen Fa­tah und Ha­mas über ei­ne in­ne­re Aus­söh­nung. Schon in der Nacht zum Don­ners­tag kam die Ei­ni­gung. Am Nach­mit­tag wur­de un­ter­zeich­net. Tat­säch­lich war nicht viel zu be­re­den: Seit dem blu­ti­gen Ha­mas-Putsch 2007 mit sei­ner Ab­spal­tung des Ga­za­strei­fens von der pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie-Re­gie­rung (PA) im West­jor­dan­land gab es stän­dig Ver­su­che, den Bru­der­zwist zu schlich­ten. Sie schei­ter­ten nicht an den un­ter­zeich­ne­ten Ver­trä­gen, son­dern an de­ren Um­set­zung.

Dies­mal soll es an­ders wer­den, be­teu­ern bei­de Sei­ten. PA-Prä­si­dent Mahmud Ab­bas ju­belt: „Wir be­glück­wün­schen das pa­läs­ti­nen­si­sche Volk.“Doch könn­te es dies­mal tat­säch­lich ge­lin­gen: Die ra­di­kal­is­la­mi­sche Ha­mas steht un­ter Druck. Strom- und All­tags­ver- sor­gung der Zi­vil­be­völ­ke­rung im Ga­za­strei­fen sind knapper ge­wor­den. So sehr, dass auch Is­ra­els Ge­heim­dienst ei­ne Er­leich­te­rung des über zehn Jah­re an­dau­ern­den Wa­ren-Boy­kotts emp­fahl. Ver­hin­dert wur­de dies dann von der PA, die Is­ra­el an­er­kannt hat. Nur so sah sich die mi­li­tan­te Ha­mas, die je­de An­er­ken­nung Is­ra­els und Frie­den ver­wei­gert, zum Kom­pro­miss mit Ab­bas ge­zwun­gen.

Je­doch nur bei der Auf­tei­lung der Ver­wal­tungs­voll­mach­ten, lenk­te sie ein. Et­wa bei den Zah­lun­gen der Be­am­ten­ge­häl­ter oder der Ver­tei­lung der Steu­ern. Nicht aber bei der Durch­set­zung des Ge­walt-Mo­no­pols: Die Mi­li­zen der Ha­mas blei­ben Ge­wehr bei Fuß. Da­bei hat­te Ab­bas noch vor ei­ner Wo­che be­kräf­tigt: „Wir wol­len kei­ne li­ba­ne­si­schen Zu­stän­de. Es kann nur ei­ne be­waff­ne­te Streit­kraft ge­ben.“Jetzt si­cker­te durch, dass zwar 3000 PA-Po­li­zis­ten die Kon­trol­le der Über­gän­ge zum Ga­za­strei­fen si­chern sol­len. Doch die 25.000 Mi­liz-Kämp­fer der Ha­mas wer­den nicht ent­waff­net.

Ne­tan­ja­hu un­wil­lig

Laut Ha­mas sol­len die Trup­pen so­gar an der Kon­trol­le der Wa­ren-Über­gän­ge be­tei­ligt wer­den. Was aber be­ste­hen­de Ab­kom­men mit Is­ra­el und der EU bre­chen wür­de. Is­ra­els Pre­mier Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu muss sich da­mit nicht ab­fin­den. Ihn ent­rüs­te­ten schon die Ver­söh­nungs­ge­sprä­che mit der Ha­mas: „Es wird kei­ne pa­läs­ti­nen­si­sche Ver­söh­nung auf Kos­ten der Exis­tenz Is­ra­els ge­ben.“Doch lähm­te Druck aus Wa­shing­ton bis­her al­le Ver­su­che im Ka­bi­nett Ne­tan­ja­hu, den in­ner­pa­läs­ti­nen­si­schen Frie­den zu be­hin­dern.

Die Ha­mas braucht die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung der Fa­tah und der von ihr kon­trol­lier­ten PLO, die als Un­ter­händ­le­rin in Ver­hand­lun­gen mit Is­ra­el auf­tritt. Die PLO kann nur mit Dul­dung der Ha­mas al­le Pa­läs­ti­nen­ser ver­tre­ten. Da­bei will die mi­li­tan­te Or­ga­ni­sa­ti­on wei­ter je­de An­er­ken­nung Is­ra­els ver­wei­gern. Al­ler­dings soll ein Ge­walt­ver­zicht im neu­en Re­gie­rungs­pro­gramm ste­hen.

Ab­bas-Nach­fol­ge

In den Ver­hand­lun­gen muss­te Ab­bas auch zäh­ne­knir­schend hin­neh­men, dass die ägyp­ti­schen Ver­mitt­ler mit sei­nem schärfs­ten Her­aus­for­de­rer aus der Fa­tah ko­ope­rier­ten: Der aus Ga­za stam­men­de Mu­ham­mad Dahl­an hat da­mit wie­der bes­te Chan­cen, Ab­bas-Nach­fol­ger zu wer­den.

In­ne­re Op­po­si­ti­on er­schwert auch in der Ha­mas zu­sätz­lich ei­ne Um­set­zung der Ver­ein­ba­run­gen. Ei­ni­ge die­ser Frak­tio­nen sind weit­ge­hend un­ab­hän­gig von der Ha­mas-Füh­rung. So ha­ben sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren Un­ter­grund­zel­len im Ga­za­strei­fen ge­bil­det, die von den Ter­ror­mi­li­zen „Is­la­mi­schen Staat“oder El Kai­da be­ein­flusst sind. „Die Ha­masFüh­rung hat nicht al­le ih­rer Mit­glie­der un­ter Kon­trol­le“, warn­te am Mitt­woch der is­rae­li­sche Ge­ne­ral Yo­av Mor­dach­ai, der die mi­li­tä­ri­schen Kon­tak­te zur PA ko­or­di­niert. Die­se Kräf­te könn­ten Kon­flik­te mit der is­rae­li­schen Ar­mee ge­zielt pro­vo­zie­ren.

Mit dem Aus­söh­nungs­ab­kom­men kön­nen die von der US-Re­gie­rung an­ge­kün­dig­ten Ver­hand­lun­gen zwi­schen PLO und Is­ra­el ein­ge­lei­tet wer­den. Doch die Hür­den auf dem Weg dort­hin sind noch lan­ge nicht al­le ge­räumt.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.