Was Har­vey Wein­stein mit Do­nald Trump zu tun hat

Be­läs­ti­gungs­skan­dal. Me­di­en wuss­ten lan­ge über die Vor­wür­fe ge­gen den Film­mo­gul und De­mo­kra­ten-Un­ter­stüt­zer Wein­stein Be­scheid. Das freut jetzt das rech­te Ame­ri­ka.

Kurier - - INTERNATIONAL - VON EVE­LYN PETERNEL

Macht. Und Angst.

Mit die­sen bei­den Wor­ten lässt sich die Af­fä­re um Har­vey Wein­stein, die aus­ge­hend von Hol­ly­wood die USA um­treibt, wohl am bes­ten be­schrei­ben: Seit Ta­gen pop­pen im­mer neue De­tails über den Me­di­en­mo­gul auf, der – ein­fluss­reich wie kaum ein Zwei­ter – jah­re­lang die Le­gen­de von der Be­set­zungs­couch in der Rea­li­tät aus­leb­te. Zu den Stern­chen und Stars, die ihm vor­wer­fen, se­xu­ell be­läs­tigt und mit Ab­fin­dun­gen zum Schwei­gen ge­bracht wor­den zu sein, zäh­len klin­gen­de Na­men wie An­ge­li­na Jo­lie oder Gwy­neth Paltrow.

Das best­ge­hü­te­te, of­fe­ne Ge­heim­nis

Das ist aber nur ein Teil der Ge­schich­te. Dass Wein­stein über­haupt so lan­ge so gro­ße Ver­fü­gungs­ge­walt über Frau­en ha­ben konn­te, hat auch viel da­mit zu tun, wie da­mit um­ge­gan­gen wur­de: Vie­le Me­di­en und auch Be­hör­den wuss­ten seit Jah­ren von den An­schul­di­gun­gen. Al­lein: Ver­öf­fent­licht hat das Gan­ze nie­mand – und auch kei­ne Be­hör­de er­hob An­kla­ge, ob­wohl es be­las­ten­des Ma­te­ri­al gab.

Die Jour­na­lis­tin Sha­ron Wax­man et­wa hat­te Wein­steins Dos­sier schon 2004 zu­sam­men­ge­tra­gen und der New York Ti­mes, der gro­ßen al­ten Da­me der Wahr­heits­fin­dung, an­ge­bo­ten. Pu­bli­ziert hat die es aber da­mals nicht – weil Wein­stein den Ab­druck mit ei­nem Auf- tritt im News­room ver­hin­dert ha­ben soll, so Wax­man; er sei halt ein „gro­ßer An­zei­gen­kun­de“ge­we­sen. Ähn­li­ches be­rich­tet Ro­n­an Far­row, der die­sen Som­mer dem Sen­der NBC Zeu­gen­be­rich­te meh­re­rer Op­fer an­ge­bo­ten hat­te, da­zu ein kom­pro­mit­tie­ren­des Ton­band, in dem Wein­stein das Mo­del Am­bra Bat­ti­la­na Gu­tier­rez in sein Ho­tel­zim­mer lockt. Auch er er­hielt ein Nein – na­he­lie­gend, dass auch das da­mit zu tun hat­te, dass Wein­stein mit der NBC- Mut­ter im Ge­schäft ist.

„Un­heim­lich ver­lo­gen“

Dass hier viel­sa­gend ge­schwie­gen wur­de, ist je­den­falls ein ge­fun­de­nes Fres­sen für je­ne, die Hol­ly­wood, De­mo­kra­ten und li­be­ra­le Me­di­en schon im­mer im Ver­schwö­rungs­sumpf wähn­ten. Wein­stein hat stets groß­zü­gig die De­mo­kra­ten un­ter­stützt; dass ge­ra­de die New York Ti­mes sich nun da­für fei­ern lässt, den Fall ins Rol­len ge­bracht zu ha­ben, ob­wohl sie seit Jah- ren da­von wuss­te, sei dar­um „un­heim­lich ver­lo­gen“, so der Ob­ser­ver – er steht im Ei­gen­tum von Trumps Schwie­ger­sohn Ja­red Kush­ner. Bei Breit­bart, dem Sprach­rohr der rechts­ex­tre­men Alt-Right-Be­we­gung, hört sich das noch fei­xen­der an: Der Skan­dal sei so ei­ne Fall­stu­die der Selbst­ge­rech­ten; dass Hil­la­ry Cl­in­ton das „dre­cki­ge Geld“Wein­steins (für den Wahl­kampf) be­hal­te, sei Be­weis für ih­re ei­ge­ne Kor­rupt­heit.

Frei­lich: Ge­ra­de je­ne Me­di­en, die nun am lau­tes­ten schimp­fen, wa­ren bei Do­nald Trumps Pus­sy-Gr­ab-Sa­ger und den Vor­wür­fen, auch er ha­be Frau­en be­läs­tigt, am lei­ses­ten.

Har­vey Wein­stein soll jah­re­lang die Le­gen­de von der „Be­set­zungs­couch“ex­zes­siv aus­ge­lebt ha­ben

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