Bull­s­hit-Bin­go

Kurier - - CHRONIK - SI­MO­NE HOEPKE si­mo­ne.hoepke@ku­ri­er.at

Ab heu­te ist al­les an­ders. Zu­min­dest im Fern­seh­pro­gramm. Kei­ne TV-Du­el­le und Ele­fan­ten­run­den mehr, Bull­s­hit-Bin­go-Run­den müs­sen sich ei­ne neue Abend­be­schäf­ti­gung su­chen.

Wer nie mit­ge­spielt hat: Je­der Spie­ler schreibt fünf Wör­ter auf, die er von den Slim­fit-Män­nern er­war­tet und ruft Bin­go, so­bald all die­se Wör­ter in die Ka­me­ra ge­plärrt wur­den. Gut im Ren­nen la­gen je­ne, die „Sil­ber­stein“und „Bal­kan­rou­te“auf der Lis­te hat­ten. Das Spiel hat Sucht-Fak­tor. Wird an­geb­lich auch gern in Be­spre­chungs­zim­mern ge­spielt. Weil es den Um­gang mit Men­schen er­leich­tert, die für ei­ne un­gu­te Kom­bi­na­ti­on aus un­ter­ir­di­schem IQ, über­ir­di­schem Selbst­be­wusst­sein und aus­ge­präg­tem Sprech­durch­fall be­kannt sind.

Der Nach­teil im Ver­gleich zum Abend­pro­gramm: Man kann die­se Zeit­ge­nos­sen nicht ein­fach weg­drü­cken, wie die Kan­di­da­ten von „Bau­er sucht Frau“oder „Deutsch­land sucht den Su­per­star“. Ob­wohl ich mir da ja oft rich­tig schwer tue. Nicht nur we­gen Die­ter Boh­len, der aus­schaut wie ein Wer­be­schild der Mo­de­mar­ke Camp Da­vid auf zwei Hax’n. Auch we­gen der Kan­di­da­ten. Vie­le hal­ten sich of­fen­bar selbst im Wach­zu­stand für ei­ne Mi­schung aus Ge­or­ge Cloo­ney und Brad Pitt. Bis sie un­ter Boh­lens Kri­tik ver­glü­hen wie ein In­sekt im Strahl ei­nes Flam­men­wer­fers.

Die For­mel „Je at­trak­ti­ver, des­to er­folg­rei­cher“gilt nicht nur im Show­busi­ness, son­dern auch im Nor­ma­loLe­ben. Bei der Part­ner- und Job­su­che. In der ös­ter­rei­chi­schen Po­li­tik ist es zu­dem der­zeit von Vor­teil, jung zu sein, ät­zen Me­di­en. So schreibt die Süd­deut

sche Zei­tung et­was süf­fi­sant, dass in Ös­ter­reich ei­ne 19-jäh­ri­ge Erst­se­mest­ri­ge ins Par­la­ment ein­zie­hen will, die „Freun­de tref­fen, Sport und Jung­schar“als Hob­bys an­gibt.

Wer si­cher ge­hen will, dass er nicht nur we­gen sei­ner Schön­heit und Ju­gend­lich­keit ein­ge­stellt wird, soll­te Phil­har­mo­ni­ker wer­den. Bei Orches­tern darf nicht je­der vor den Vor­hang. Be­wer­ber müs­sen erst­mal hin­ter dem Vor­hang Platz neh­men und spie­len. So kann die Ju­ry nicht von ih­rer Schön­heit ge­blen­det wer­den. Oder von der Fra­ge ge­plagt wer­den, ob wirk­lich ei­ne Frau auf­ge­nom­men wer­den soll. Oder je­mand mit ei­ner an­de­ren Haut­far­be.

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