„Kein Gift in die Haut ste­chen“

Kör­per­kunst. An­de­re Län­der, an­de­re Re­geln bei Tat­too-Tin­te. Das sorgt für Ver­wir­rung

Kurier - - International - VON MA­RIA PRCHAL

UV-Tat­toos, die im Dun­k­len leuch­ten, sind nur ei­ner von vie­len neu­en Tat­too­t­rends. Das Pro­blem: Kei­ner weiß, ob die ver­wen­de­ten Far­ben ge­sund­heits­schäd­lich sind, weil Lang­zeit­stu­di­en feh­len. In man­chen Län­dern sind sie des­we­gen ver­bo­ten, in man­chen al­ler­dings nicht. Es gibt kei­ne ein­heit­li­chen Re­ge­lun­gen. Die EU-Kom­mis­si­on will das än­dern und hat die Eu­ro­päi­sche Che­mi­ka­li­en­agen­tur ECHA en­ga­giert, um Tat­too-Tin­te ge­nau­er un­ter die Lu­pe zu neh­men. ECHA un­ter­sucht die ver­wen­de­ten Sub­stan­zen und schaut, ob sie si­cher sind.

Je­des Land re­gelt das Ge­schäft mit der Kör­per­kunst an­ders. In Deutsch­land brau­chen Tä­to­wie­rer nicht ein­mal ei­nen Ge­wer­be­schein. Es sind auch nicht über­all die glei­chen Far­ben zu­ge­las­sen. Das sorgt für Ver­wir­rung: „Der Kun­de hat kaum ei­ne Chan­ce, sich zu in­for­mie­ren“, meint Tho­mas Raf­fels­ber­ger von Herz Bu­be, dem größ­ten ös­ter­rei­chi­schen An­bie­ter für Tat­too- und Pier­cing-Equip­ment. Die Re­geln sei­en auch nicht im­mer sin­nig: „Die EU lässt ein Pro­zent Zink in den Far­ben zu, Deutsch­land nur ei­nen Bruch­teil. Zink ist aber gar nicht schäd­lich.“

Auch für die Tä­to­wie­rer selbst ist die Ori­en­tie­rung schwer. Es gibt die Emp­feh­lun- gen der EU und die Vor­ga­ben des Lan­des. Die Künst­ler wer­den bei Än­de­run­gen von der Wirt­schafts­kam­mer in­for­miert. „Dann muss ich al­le be­trof­fe­nen Fläsch­chen weg­wer­fen“, er­zählt Iris Li­nin­ger von Eden Tat­toos, ei­nem klei­nen Stu­dio in St. Pöl­ten. Die Far­be, die auf ein­mal nicht mehr zu­ge­las­sen ist, hat sie da­vor aber be­reits ver­wen­det. „Ich will mei­nen Kun­den ja kein Gift in die Haut ste­chen. Aber ich bin auch kei­ne Che­mi­ke- rin.“Sie sei ab­hän­gig von ex­ter­nen In­for­ma­tio­nen.

Des­we­gen wünscht sie sich, wie vie­le ih­rer Be­rufs­kol­le­gen, ein­heit­li­che Stan­dards. „Das wür­de Sinn ma­chen“stimmt ihr Raf­fels­ber­ger zu. Es bräuch­te mehr Un­ter­su­chun­gen zur Wir­kung und schließ­lich auch fi­xe Vor­ga­ben für al­le.

„Blin­des Ver­trau­en“

Die Kun­den selbst fra­gen al­ler­dings sel­ten nach den In- halts­stof­fen: „Mich hat noch nie je­mand von selbst dar­auf an­ge­spro­chen“, er­zählt Li­nin­ger. Meis­tens woll­ten sie nur wis­sen, wie schmerz­haft die Pro­ze­dur sei, wie die Pfle­ge ge­he oder wie lan­ge der Hei­lungs­pro­zess daue­re. „Bei mei­ner ers­ten Tä­to­wie­rung woll­te ich aber auch nichts an­de­res wis­sen“, schmun­zelt die St. Pölt­ne­rin. „Sie set­zen blin­des Ver­trau­en in uns Tä­to­wie­rer. Und wir set­zen blin­des Ver­trau­en in die Far­ben.“

Tä­to­wie­rer dür­fen nur zu­ge­las­se­ne Far­ben ver­wen­den. Die Vor­ga­ben än­dern sich aber stän­dig, aus­sa­ge­kräf­ti­ge Ge­sund­heits­stu­di­en feh­len

Mehr Trans­pa­renz wünscht sich die Tä­to­wie­re­rin Iris Li­nin­ger

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