Auf dem Fas­ten­pfad von F.X. Mayr

Bit­ter­salz statt Zu­cker. Die Heil­kur wur­de mo­der­ni­siert, Milch und Sem­meln sind ge­stri­chen

Kurier - - Lebensart - VON ALEXANDRA MAY­ER-ROHRMOSER

Dis­zi­plin setzt die Mayr-Kur vor­aus. Das merkt man schon bei der Vor­be­rei­tung: Be­reits ei­ne Wo­che vor Kur­be­ginn soll­te weit­ge­hend auf das Abend­es­sen ver­zich­tet wer­den– auf Al­ko­hol, Kaf­fee und Zu­cker so­wie­so. Da­für trinkt man täg­lich auf nüch­ter­nen Ma­gen ei­nen Tee­löf­fel Bit­ter­salz, ver­dünnt in ei­nem Glas Was­ser – am bes­ten in klei­nen Schlu­cken. Wenn die Kur dann rich­tig los­geht, kom­men ei­ne Fas­ten-Di­ät und spe­zi­el­le Kör­per­be­hand­lun­gen durch Ärz­te und The­ra­peu­ten da­zu. Das sind die Grund­bau­stei­ne der Kur, die der Ös­ter­rei­cher Franz Xa­ver Mayr vor mehr als 100 Jah­ren ent­wi­ckelt hat.

Aus sei­ner ehe­ma­li­gen Milch- und Sem­mel­di­ät hat sich in­zwi­schen die mo­der­ne so­ge­nann­te Mil­de Ablei­tungs­di­ät ent­wi­ckelt. Ein­tö­nig bleibt der Spei­se­plan trotz­dem: Die Re­zep­te ori­en­tie­ren sich am Trenn­kos­tP­rin­zip mit koh­len­hy­dratre­du­zier­ter Kost. Al­le Spei­sen sol­len leicht ver­dau­lich sein, fett­arm und nicht rei­zen. „Die Mo­no­to­nie wirkt sich auf die Ge­schmacks­sen­so­ren aus, so­dass man wie­der bes­ser schme­cken kann und we­ni­ger Salz und Zu­cker braucht. Al­les schmeckt in­ten­si­ver“, er­klärt Alex Wi­ta­sek, Prä­si­dent der In­ter­na­tio­na­len Ge­sell­schaft der F.X. Mayr Ärz­te. Bis zu vier Li­ter Flüs­sig­keit soll man als Kur­gast täg­lich trin­ken – aus­schließ­lich mil­de Kräu­ter­tees, leich­te Ge­mü­se­brü­he und stil­les Was­ser.

Kur­plan

Der Kur­arzt stellt beim Erst­ge­spräch ei­nen Kur­plan mit Be­hand­lungs­emp­feh­lun­gen aus dem viel­fäl­ti­gen The­ra­pie­an­ge­bot zu­sam­men. Un­ter ver­schie­dens­ten Mas­sa­gen, Fuß­bä­dern, Hö­hen­luft-Trai­nings und Bach­blü­ten­the­ra­pi­en sticht ei­ne Be­hand­lung be­son­ders her­vor: Die Co­lon-Hy­dro-The­ra­pie – ein Dau­er­ein­lauf über 60 Mi­nu­ten mit Was­ser un­ter- schied­li­cher Tem­pe­ra­tu­ren.

Je­der Mor­gen be­ginnt mit ei­nem lo­cke­ren Aus­dau­er­und Kraft­trai­ning, um Kreis­lauf und Mus­ku­la­tur zu un­ter­stüt­zen. Zum Auf­wär­men hüpft man auf großen Gym­nas­tik­bäl­len sit­zend im Takt zu pop­pi­gen Sounds. Da­nach fol­gen sanf­te Bo­den­turn- und Ent­span­nungs­übun­gen. Nach dem Trai­ning greift man zur Kör­per­bürs­te schrubbt al­le Kör­per­tei­le bei den Fü­ßen be­gin­nend in Rich­tung Herz ab, be­vor es in die Wech­sel­du­sche geht. Zum Früh­stück gibt es Kur­we­ckerl aus Buch­wei­zen oder Din­kel, Ge­mü­se­auf­stri­che, Jo­ghurts aus Zie­gen­milch und manch­mal wei­che Eier.

Täg­lich vor dem Mit­tag­es­sen steht ein Le­ber­wi­ckel auf dem Kur­plan. Er soll die Le­ber bei der Ent­gif­tungs­ar­beit un­ter­stüt­zen. Da­bei wird ein war­mes, feuch­tes Hand­tuch auf die rech­te Sei­te knapp über dem Rip­pen­bo­gen plat­ziert und ein hei­ßer Ther­mo­phor dar­auf ge­legt.

Sprech­ver­bot

Mit der Mo­no­to­nie der Mahl­zei­ten muss man sich an­freun­den: Das Mit­tag­es­sen be­steht an­fangs aus pas­sier­ten Ge­mü­se­sup­pen mit Kur­we­ckerln. 40 bis 60 Mal soll­te ein Bis­sen ge­kaut und da­bei gut ein­ge­spei­chelt wer­den. „Im Mund wird al­les vor­ver­daut. Auch gibt es ei­nen wich­ti­gen Darm­keim, der Spei- chel braucht und für die Bil­dung der Darm­schleim­haut zu­stän­dig ist“, er­klärt Wi­ta­sek. Das Abend­es­sen ge­stal­tet sich ma­ger mit nur Sup­pe oder Tee.

Im Lau­fe der Kur ver­än­dert sich die Fas­ten-Kost und die Spei­sen wer­den im­mer viel­fäl­ti­ger. Letzt­lich kom­men auch Fisch und Fleisch da­zu. Zu je­der Mahl­zeit wird ein ge­kühl­tes Känn­chen Lein­öl ser­viert. Das Lein­öl gießt man reich­lich in die Sup­pe oder über den Auf­strich – da­von ver­spricht man sich ei­ne po­si­ti­ve Wir­kung auf den Cho­le­ste­rin­spie­gel und die Darm­wand.

Die letz­te Auf­ga­be im Ku­rall­tag ist ein Bauch­wi­ckel vor dem Schla­fen­ge­hen. Wie beim Le­ber­wi­ckel legt man ein feuch­tes Hand­tuch und den Ther­mo­phor auf den Un­ter­bauch.

Mayr-Ärz­te ra­ten, die Grund­sät­ze der Kur in den All­tag zu in­te­grie­ren. Das be­trifft vor al­lem ru­hi­ges Es­sen, häu­fi­ges Kau­en und re­gel­mä­ßi­ge Be­we­gung. Die Mo­ti­va­ti­on wei­ter­zu­ma­chen, ist bei vie­len hoch, da wäh­rend der F.X.-Mayr-Kur auch oft die Ki­los pur­zeln.

„Die Mayr-Kur hat den Ruf, teu­er zu sein, aber das be­zieht sich nur auf lu­xu­riö­se Kur­häu­ser“, sagt Wi­ta­sek. Die Kos­ten für ei­ne ein­wö­chi­ge sta­tio­nä­re Kur star­ten in klei­ne­ren Häu­sern bei un­ge­fähr 1200 Eu­ro, am­bu­lant mit Arzt ab 500 Eu­ro.

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