DerFor­mel-1-Boss­un­terD­ruck

Kurier - - Sport - AUS LON­DON PHIL­IPP ALBRECHTSBERGER

Al­les ist beim letz­ten Ten­nis­tur­nier der Sai­son ex­klu­si­ver – auch die Trai­nings­part­ner. Fünf St­un­den üb­te Do­mi­nic Thiem vor Ort in Lon­don an den letz­ten bei­den Ta­gen vor den ATP Fi­nals. Zu­erst stand auf­derand­e­renSei­te­des­Net­zesNo­vakDjo­ko­vic, dieNum­mer eins der Welt. Ges­tern prü­gel­te der 25-jäh­ri­ge Nie­der­ös­ter­rei­cher drei St­un­den lang auf die Num­mer fünf, Alex­an­der Zverev, ein.

Thiem bleibt es vor­be­hal­ten, den Show­down der bes­ten acht Pro­fis der Sai­son heu­te, Sonn­tag, ge­gen den Süd­afri­ka­ner Ke­vin An­der­son zu er­öff­nen (15 Uhr MEZ/live Sky Sport). „Wenn die Bes­ten der Bes­ten zu­sam­men­kom­men, willst du dir er­st­recht­kei­neBlöß­e­ge­ben“, sagt Thiem, der 2018 mehr Tur­nie­re (24) als die an­de­ren sie­ben Teil­neh­mer be­strit­ten hat (sie­he Gra­fik un­ten).

Das liegt ei­ner­seits dar­an, dass der 25-Jäh­ri­ge der zweit­jüngs­te im Feld ist nach Zverev (21). Wohl aber auch am er­neut straf­fen Tur­nier­plan sei­nes Trai­ners. Günter Bres­nik hat Sät­ze ge­prägt wie: „Ich ken­ne niemanden, der durch Scho­nung bes­ser ge­wor­de­nist.“Oder:„DasGe­heim­nis un­se­res Er­folgs ist, dass es nicht wirk­lich ei­nes gibt. Al­les ist har­te Ar­beit.“

Die har­te Ar­beit mün­de­te 2018in­der­bes­tenSai­son sei­ner Lauf­bahn. Im KU­RI­ER blickt Do­mi­nic Thiem noch ein­mal­zu­rück– in­fünf­auf­rei­ben­den Spiel­sät­zen.

1. Satz

Wäh­rend in Kitz­bü­hel ab­ge­fah­ren wird, schlägt die Eli­te be­reits­wie­derim­hei­ßenMel­bourne auf. Für Do­mi­nic Thiem en­den die Aus­tra­li­an Open „so­li­de“. Zum sechs­ten Mal in Fol­ge er­reicht er bei ei­nem Grand-Slam-Tur­nier die zwei­te Wo­che (Ach­tel­fi­na­le). Die frü­hen Be­lags­wech­sel en­den mit un­ter­schied­li­chen Re­sul­ta­ten: In Bu­e­nos Ai­res (Sand) ge­winnt er sein ers­tes Tur­nier 2018, zu­rück auf Hart­platz ge­lingt nicht mehr viel.

2. Satz

Der Früh­ling in Eu­ro­pa ge­hört den Sand­platz­spie­lern, un­d­dieTen­nis­welt­war­tetauf Fort­set­zun­gen der Ri­va­li­tät zwi­schen Thiem und Ra­fa­el Na­dal. Der Sand­platz­kö­nig de­mü­tigt sei­nen le­gi­ti­men Thron­fol­ger früh (0:6, 2:6 in Mon­teCar­lo), doch­derÖs­ter­rei­cher schlägt in Ma­drid zu­rück. Im Vier­tel­fi­na­le be­en­det Thiem die Se­rie des Spa­ni­ers nach zu­vor 50 ge­won­ne­nen Sät­zen auf Sand.

Al­les war­tet auf den Gip­fel bei den French Open. Da­vor schei­tert Thiem in Rom über­ra­schend in Run­de eins („Wennman­be­denkt, wa­sich fürWelt­rang­lis­ten­punk­te ha­be lie­gen las­sen, gibt’s 2019 no­chLuft­nacho­ben.“). Wäh­rend Na­dal trai­niert, spielt Thiem un­mit­tel­bar da­vor in Lyon. Und ge­winnt. In Pa­ris tref­fen die bei­den ein­an­der im End­spiel. Der Spa­nier siegt klar. „Ich war mei­nem ganz gro­ßen Ziel, dem Sieg bei ei­nem Grand-Slam-Tur­nier, so na­he wie noch nie. Das Fi­na­le war okay, kei­ne Topleis­tung“, sagt Thiem, des­sen Spiel im ORF bis zu 600.000 Men­schen se­hen. „Wir ha­ben da­nach ganz of­fen be­spro­chen, was ich ge­gen Na­dal bes­ser ma­chen muss.“Ein Satz, der noch wich­tig wird. In Satz vier.

3. Satz

Im Ten­nis-Som­mer geht’s ins Grü­ne. Doch der hei­li­ge Ra­sen vonWim­ble­don ist kei­ne Rei­se wert. Ver­letzt muss Thiem in Run­de eins auf­ge­ben. Erst­mals seit Ju­li 2016 (Wim­ble­don) er­lebt er bei ei­nem Grand Slam nicht die zwei­te Wo­che. Eben­so mit ei­ner Auf­takt­plei­te en­det der Aus­flug­nach­Kitz­bü­hel. Fort­ge­setzt wird die schwie­rigs­te Pha­se des Jah­res mit Plei­ten (To­ron­to) und Pech (Vi­rus).

4. Satz

Die Er­war­tun­gen sind da­her ge­ring, al­sThie­minNe­wYork an­kommt. Doch dann ist er bei den US Open Teil des auf­se­hen­er­re­gends­ten Ten­nis­matches­de­s­Jah­res. Vier­tel­fi­na­le, Ar­thur-As­he-Sta­di­um, 22.500 Zu­se­her, Night-Ses­si­on. Grö­ßer wird es nicht Der Ame­ri­ka­ner Cha­se Ca­rey ist mas­si­ver Kri­tik aus­ge­setzt. mehr im Ten­nis. Als Thiem ge­genNa­dal nach 4:49 St­un­den und fünf Sät­zen den Smash ins Aus schlägt, ist die Son­ne in Ös­ter­reich ge­ra­de erst auf­ge­gan­gen. Trotz­dem sit­zen120.000Men­schen­vor dem TV.

Thiem hat ver­lo­ren und den­noch ge­won­nen: Sym­pa­thi­en und An­er­ken­nung. „In Pa­ris hat­te ich noch zu viel Re­spekt vor sei­ner Fit­ness. Nun weiß ich, dass ich je­den lan­genBall­wech­sel­mit­ge­hen kann. Es­war ei­ne bit­te­reNie­der­la­ge, aber viel­leicht wird sie in ei­ni­gen Jah­ren ei­ne der wich­tigs­ten in mei­ner Lauf­bahn ge­we­sen sein.“

Das Hoch nimmt er mit in die Hei­mat. Erst­mals ist er der Haupt­dar­stel­ler bei ei­nem gro­ßen Län­der­kampf. In Graz si­chert Thiem ge­gen Aus­tra­li­en den Auf­stieg in die Da­viscup-Welt­grup­pe.

5. Satz

Die Ent­wick­lung zum kom­plet­ten­Spie­ler­setzt sichinSt. Pe­ters­burg fort, wo er erst­mals­in­derHal­le­tri­um­phiert. Der elf­te Tur­nier­sieg ist der zwei­te auf Hart­platz. In der Stadt­hal­le wird er ge­fei­ert. Sein Po­ten­zi­al er­kennt auch die Wirt­schaft. Bank Aus­tria hat­vonDa­vi­dAla­ba­zu­Thiem als Mar­ken­ge­sicht ge­wech­selt. Re­dBull, sein­neu­erPart­ner, be­glei­tet ihn seit Pa­ris für ei­ne Do­ku, die rund um die Fren­chOpen 2019 aus­ge­strahlt­wer­den soll.

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