Im Ge­spräch

Hans Niessl, Lan­des­haupt­mann des Bur­gen­lan­des

KURIER_BURGENLAND - - Editorial - -STE­PHAN SCOPPETTA

War das Bur­gen­land frü­her ei­ne Pro­blem­re­gi­on in Ös­ter­reich, so ist das kleins­te Bun­des­land zu ei­nem ech­ten Vor­zei­ge­bun­des­land ge­wor­den. Lan­des­haupt­mann Hans Niessl gibt im In­ter­view ei­nen Ein­blick in sei­ne Plä­ne.

Lan­ge Zeit war das Bur­gen­land Schluss­licht in der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung in Ös­ter­reich. Doch seit ei­ni­gen Jah­ren füh­ren Sie das Bun­des­län­der­ran­king beim Wirt­schafts­wachs­tum an. Was ist das Ge­heim­nis des Er­fol­ges? Hans Niessl:

Es stimmt, beim Wirt­schafts­wachs­tum, aber auch bei den Be­schäf­ti­gungs­quo­ten lie­gen wir seit Jah­ren im Spitzenfeld im Bun­des­län­der­ran­king. Fai­rer­wei­se muss man aber da­zu­sa­gen, dass das Bur­gen­land von ei­nem nied­ri­gen Ni­veau aus ge­star­tet ist, aber wir sind auf das bis­her Er­reich­te stolz. Das Re­zept ist ei­gent­lich ein­fach: Har­te Ar­beit und ei­ne kon­se­quen­te Fo­kus­sie­rung auf un­se­re Zie­le. Zu­dem ha­ben wir die EU-För­de­run­gen sehr treff­si­cher ein­ge­setzt.

Ihr Bun­des­land hat heu­te den höchs­ten Be­schäf­ti­gungs­stand der Ge­schich­te. Wo­her rührt die ho­he Be­schäf­ti­gungs­quo­te?

Im April 2016 hat­ten wir 102.000 Be­schäf­tig­te und nicht zu­letzt rührt der flo­rie­ren­de Ar­beits­markt aus un­se­rer to­po­gra­fi­schen La­ge. War der rund 400 Ki­lo­me­ter lan­ge Ei­ser­ne Vor­hang ein ech­tes Pro­blem für un­ser Bun­des­land, so ist mit dem Zer­fall des Ost­blo­ckes das Bur­gen­land ins Herz Eu­ro­pas ge­rückt und das gibt un­se­rer Wirt­schaft An­trieb. Auch un­se­re Ex­por­te ha­ben in den letz­ten Jah­ren deut­lich zu­ge­nom­men. Ins­ge­samt ha­ben wir beim Ex­port die Zwei-Mil­li­ar­denG­ren­ze über­schrit­ten. Das schafft auch vie­le neue Ar­beits­plät­ze.

Wo­mit punk­tet das öst­lichs­te Bun­des­land bei den Un­ter­neh­men?

Wir ha­ben die Lan­des wirt­schafts­för­de­rungs ge­sell­schaft, die WiBuG, ge­grün­det, die qua­si ein One-Stop-Shop für Un­ter­neh­men ist. Die WiBuG kann Grund­stü­cke von Kitt­see bis Hei­li­gen­kreuz an­bie­ten, sie be­rät im Be­reich För­de­run­gen und be­glei­tet die Un­ter­neh­men bei den Ge­neh­mi­gungs­ver­fah­ren. Ins­ge­samt ver­su­chen wir, die Pro­zes­se für die Un­ter­neh­men so un­bü­ro­kra­tisch und ef­fi­zi­ent wie nur mög­lich zu gestal­ten, und das kommt gut an.

Ne­ben dem in­dus­tri­el­len Sek­tor voll­zieht sich auch im Tou­ris­mus ein gro­ßer Wan­del. Wo­hin ent­wi­ckelt sich hier das Bur­gen­land?

Wir sind aus­ge­zeich­net ins Jahr 2016 ge­star­tet. Im ers­ten Quar­tal ha­ben wir ein Näch­ti­gungs­plus von rund 17 Pro­zent ver­zeich­net. Ent­schei­dend ist, dass im Bur­gen­land der Tou­ris­mus nicht mehr gro­ßen­sai­so­na­len Schwan­kun­gen un­ter­liegt. Vor al­lem die Ther­men St. Mar­tins Lodge, Lutz­manns­burg, Bad Tatz­manns­dorf und Ste­gers­bach be­för­dern den Ganz­jah­res­tou­ris­mus. Gleich­zei­tig ist auch der Qua­li­täts­tou­ris­mus ex­trem an­ge­stie­gen und wir ver­zeich­nen die höchs­ten Wachs­tums­ra­ten im 4- und 5-Ster­ne Seg­ment. Der Tou­ris­mus bringt ei­nen Um­satz von ei­ner Mil­li­ar­de und ei­ne Wert­schöp­fung von über 700 Mil­lio­nen Eu­ro ins Land.

Tou­ris­mus und Wein sind im Bur­gen­land eng mit­ein­an­der ver­bun­den. Stei­gen auch die Ex­por­te des bur­gen­län­di­schen Weins?

Haupt­säch­lich wird un­ser Wein­no­chin Ös­ter­reich ver­kauft, aber die Ex­port­quo­te nimmt deut­lich zu. Wei­ne der bei­den größ­ten Wein­bau­ge­mein­den Gols und Lan­gen­lois wer­den be­reits in 70 Län­der der Welt ex­por­tiert. Heu­te fin­den sich bur­gen­län­di­sche Wei­ne selbst auf den Wein­kar­ten der ge­ho­be­nen Gas­tro­no­mie in Frank­reich. Das schafft man nur, wenn man wirk­lich im welt­wei­ten Spitzenfeld mit­spielt.

Wo lie­gen Ih­re Ar­beits­schwer­punk­te für die nächs­ten Jah­re?

2016 ha­ben wir zum Jahr der Bil­dung ge­macht. Wir ha­ben im Ele­men­tar­päd­ago­gik-Be­reich ei­ni­ges Neu­es vor. Zu­dem wer­den wir ganz­tä­gi­ge Bil­dungs­ein­rich­tun­gen wei­ter aus­bau­en. Dar­über hin­aus wird es in den Fach­hoch­schu­len wei­te­re For­schungs Schwer­punk­te ge­ben. Un­ser Schul­we­sen wol­len wir be­son­ders in den tech­ni­schen Be­ru­fen for­cie­ren, denn den Tech­ni­kern ge­hört die Zu­kunft.

Hans Niessl, Lan­des­haupt­mann des Bur­gen­lan­des, über die ho­he Wachs­tums­ra­te sei­nes Bun­des­lan­des, den höchs­ten Be­schäf­ti­gungs­stand in der Ge­schich­te, den Wan­del im Tou­ris­mus und die neue Bil­dungs­of­fen­si­ve.

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