Der Rhyth­mus, wo man mit­muss

Blas­mu­sik und Trach­ten­tanz im Bur­gen­land

KURIER_BURGENLAND - - Editorial - -BAR­BA­RA STIE­GER

Länd­li­che Kul­tur ist für vie­le un­trenn­bar mit zwei Sa­chen ver­bun­den: Mu­sik und Tanz. Kein Kir­tag oh­ne schmet­tern­de Trom­pe­ten und kein Volks­fest oh­ne im Tak­te der Mu­sik flie­gen­de Trach­ten­rö­cke.

Um­ta­ta – Uum­ta­ta – Uum­ta­ta­ta­ta­ta – Ta­ta. Im Gleich­schritt mar­schie­ren die Mu­si­ker in blan­ken Uni­for­men und mit noch blan­ker po­lier­ten In­stru­men­ten an den Schau­lus­ti­gen vor­bei. Auf­wach­sen auf dem Land, das heißt in den meis­ten Fäl­len auch Auf­wach­sen mit der Blas­mu­sik. Wenn schon nicht ak­tiv, dann we­nigs­tens als Zu­hö­rer. Die Ge­le­gen­hei­ten da­für sind man­nig­fal­tig – und so be­glei­tet der Rhyth­mus von Trom­meln und Trom­pe­ten die ver­schie­dens­ten Fei­er­lich­kei­ten. Von freu­di­gen Er­eig­nis­sen, über an­däch­ti­ge Fei­ern bis hin zu

trau­ri­gen An­läs­sen wie Be­gräb­nis­sen. Und so kam es, dass der da­mals sie­ben­jäh­ri­ge Alois Lo­idl ei­nes mor­gens im bur­gen­län­di­schen Neu­feld am En­de des vom ört­li­chen Blas­mu­sik­ver­eins ge­spiel­ten Trau­er­mar­sches, der den Sarg von der Kir­che auf den Fried­hof be­glei­te­te, den Mu­si­kern laut­stark Bei­fall klatsch­te. So eng lie­gen manch­mal Freud und Leid bei­ein­an­der.

Er­wei­ter­te Fa­mi­lie. Die Freu­de ist dem heu­ti­gen Ob­mann des Blas­mu­sik­ver­ban­des des Bur­gen­lan­des im­mer ge­blie­ben. „Blas­mu­sik war im­mer mein Le­ben. Es ist nicht nur die Mu­sik, son­dern auch die Freund­schaft und Ka­me­rad­schaft, die ver­bin­det. Wie ei­ne er­wei­ter­te Fa­mi­lie.“so Lo­idl. Ent­ge­gen den Wün­schen sei­ner Mut­ter, griff er im Al­ter von neun Jah­ren nicht in die Tas­ten, son­dern ver­such­te sich an der klei­nen Trom­mel, wech­sel­te schon bald zur Trom­pe­te und trat mit elf der ers­ten Blas­mu­sik­ka­pel­le bei. Spä­ter stu­dier­te er In­stru­men­tal- und Ge­s­angs­päd­ago­gi­kin Wi­e­n­und Graz. Lei­te­te Trom­pe­ten­kur­se am Jo­seph Haydn-Kon­ser­va­to­ri­um in Ei­sen­stadt. Im Blas­mu­sik­we­sen ar­bei­tet er schon seit 1975. Als Lan­des­ka­pell­meis­ter und seit 2000 als Ob­mann des Blas­mu­sik­ver­ban­des Bur­gen­land. Die Trom­pe­te leg­te er den­noch nie aus der Hand. Ak­tiv mu­si­ziert er zur­zeit

den „Buch­grablern“, ei­ner rei­nen Volks­mu­sik-For­ma­ti­on. Sein gro­ßes Vor­bild kommt al­ler­dings aus ei­ner ganz an­de­ren Mu­sik­rich­tung. Die Tö­ne, die Lou­is Arm­strong sei­ner Trom­pe­te ent­lock­te, gin­gen ihm schon als jun­ger Bub mit­ten ins Herz. Zum Jazz ist er trotz­dem nie ge­kom­men, muss­te er auch nicht. „Mit Blas­mu­sik kann man al­les spie­len. Des­halb ist auch der Ju­gend­zu­spruch groß“, meint er. Ein Trend, der sich schon lan­ge ab­ge­zeich­net hat, und das ge­sam­te Bur­gen­land er­fasst. Wur­de der bur­gen­län­di­sche Blas­mu­sik­ver­band 1965 mit 49 Mu­sik­ka­pel­len ge­grün­det, um­fasst er heu­te ins­ge­samt 92 Ka­pel­len mit 4105 Mu­si­kern. Da­von sind 70 Pro­zent un­ter 30 Jah­ren mit ei­nem Frau­en­an­teil von rund drei­ßig Pro­zent. Durch den re­gen Zu­spruch und auch durch die fi­nan­zi­el­len För­de­run­gen des Lan­des und der ein­zel­nen Ge­mein­den geht es dem bur­gen­län­di­schen Blas­mu­sik­we­sen heu­te präch­tig. Es hat­sich zu ei­nem nich­tun­be­trächt­li­chen Wirt­schafts­fak­tor hoch­ge­spielt, des­sen Wert­schöp­fung nicht un­er­heb­lich ist. Im­mer­hin liegt sie laut Jah­res­be­richt bei rund 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro. Da­mit das auch so bleibt, ist man be­müht, für den Zustrom der nächs­ten Ge­ne­ra­tio­nen zu sor­gen. Des­halb ge­hen die Mit­glie­der der Ka­pel­len in den ein­zel­nen Dör­fern auch in die Schu­len, um sich vor­zu­stel­len. Hier kön­nen sich be­reits die Klei­nen die un­ter­schied­li­chen In­stru­men­ten aus­pro­bie­ren, hier wird so man­cher Grund­stein für ei­ne spä­te­re mu­si­ka­li­sche Kar­rie­re ge­legt. Für Lo­idl ein wich­ti­ger Punkt. Er ist der Mei­nung, dass das Spie­len ei­nes In­stru­men­tes je­den vor­an­bringt. „Ein Ju­gend­li­cher, der sein In­stru­ment be­herrscht, be­herrscht sein Le­ben bes­ser“, sagt er. Die Auf­fas­sung ei­nes lei­den­schaft­li­chen Mu­si­kers. Fest steht, dass das Spie­len ei­nes In­stru­men­tes sich po­si­tiv auf die Ent­wick­lung der Ko­or­di­na­ti­ons­fä­hig­keit, Fin­ger­fer­tig­keit und auch der Emo­tio­na­li­tät aus­wirkt. Letz­te­res, weil Mu­sik­stü­cke „emo­tio­nal“sind und man sich in die­se hin­ein­ver­set­zen muss. In ers­ter Li­nie soll­te es Spaß ma­che. Das gilt auch fürs Tan­zen. „Es gibt

Volks­tanz­grup­pen, die kön­nen 100 Tän­ze. Wir kön­nen nur ei­ni­ge, da­für die per­fekt“, so An­ge­lo Haupt­mann. Wir, da­mit ist die Volks­tanz­grup­pe Pött­sching und der Ob­mann des bur­gen­län­di­schen Volks­tanz Ver­ban­des, An­ge­lo Haupt­mann, ge­meint. Im gan­zen Bur­gen­land wird ge­tanzt, auch wenn die Volks­tanz­grup­pen in den ein­zel­nen Ge­mein­den oft aus nur we­ni­gen Pär­chen be­ste­hen. Ge­tanzt wird ty­pisch Bur­gen­län­di­sches – wie der Ni­ckels­dor­fer Schot­tisch, ein be­schwing­ter Tanz, oder der Wolfau­er Wick­ler, ein eher lang­sa­mer und schwie­ri­ger Tanz. Den­no­chist Haupt­mann über­zeugt: „Wenn je­mand fünf oder sechs Mal ei­ne Tanz­stun­de mit­macht, kan­ner­schon­ei­ni­ge Tän­ze­aufs Par­kett­le­gen. “Denn­dieSchritt­fol­gen bei den ein­zel­nen Tän­zen äh­neln ein­an­der und un­ter­schei­den sich oft nur in Ab­fol­ge und Ge­schwin­dig­keit. Un­ter­schie­de gibt es auch bei der Tracht, ob­wohl die oft im De­tail ste­cken. Bei der Pött­schin­ger, ei­ner ty­pisch bur­gen­län­di­schen Tracht, sind et­wa die Sil­ber­knöp­fe bei den Her­ren un­ten in ei­ner Vie­rer-Dop­pel­rei­he. Bei den Da­men ist es oft das „Fi­ata“, das Für­tuch, das ein­mal stren­ger, mit Bü­gel­fal­ten, oder eher „schlam­pig“ge­tra­gen wird. Und dann ist da noch die Far­be des Dirn­del­ro­ckes. Wäh­rend jun­ge Mäd­chen Weiß tra­gen, klei­det Frau­en ein schwar­zer Rock.

Mu­si­ke­rin­nen beim Mu­sik­fest Pött­sching: Die jun­gen Frau­en sind eif­rig bei der Sa­che und ha­ben sicht­lich Spaß dar­an

Der bur­gen­län­di­sche Nach­wus kann sich hö­ren las­sen. Hier beim Spiel des Mu­sik­ver­eins Dörfl in Land­see.

Alois Lo­idl, Ob­mann des Lan­des­mu­sik­ver­ban­des Bur­gen­land

„Mit Blas­mu­sik kann man al­les spie­len. Des­halb ist auch der Ju­gend­zu­spruch groß.“

Volks­mu­sik reins­ter Sor­te: Die „Buch­grabler“wa­ren auch schon bei Franz Posch in der Sen­dung „Mei liabs­te Weis“zu Gast

Mit­ten im Stall geht es beim „Tanz auf dem Bau­ern­hof“zünf­tig und be­schwingt zur Sa­che

An­ge­lo Haupt­mann, Ob­mann des Volks­tanz­ver­ban­des Bur­gen­land

Ha­ben den Dreh her­aus: Die Tän­zer der Volks­tanz­grup­pe Pött­sching beim be­schwing­ten Tanz im Frei­en „Die bur­gen­län­di­schen Volks­tanz­grup­pen be­su­chen sich oft ge­gen­sei­tig und dann wird ge­mein­sam ge­tant­zt.“

Die Volks­tanz­grup­pe aus Deutsch­kreutz hat in ih­rer schö­nen, blau­en Tracht Auf­stel­lung ge­nom­men

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