STAR­KE LEIT­BE­TRIE­BE

KURIER_BURGENLAND - - Wirtschaft -

Für den Öko­nom Her­wig Schnei­der be­steht kein Zwei­fel, wel­cher Wirt­schafts­be­reich in Ös­ter­reich für ei­ne nach­hal­ti­ge Wert­schöp­fung sorgt. „Das sind ein­deu­tig die Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men. Sie schaf­fen Ar­beits­plät­ze und Wert­schöp­fung“, sagt der Lei­ter des In­dus­trie­wis­sen­schaft­li­chen In­sti­tuts (IWI). Speer­spit­ze der hei­mi­schen Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men sind da­bei ein­deu­tig die Leit­be­trie­be. Sie sind dank ih­rer Grö­ße und ih­rer Be­deu­tung für den Ar­beits­markt und für die re­gio­na­le Wirt­schaft die Leucht­tür­me, die ei­nem Bun­des­land erst sei­ne

Un­ger Stahl, Len­zing, Mars oder Neu­dörf­ler Bü­ro­mö­bel – Bur­gen­lands füh­ren­de In­dus­trie­un­ter­neh­men sor­gen für Wert­schöp­fung und Ar­beits­plät­ze im Land.

wirt­schaft­li­che Sta­bi­li­tät ver­lei­hen. An­ders als in den USA oder vie­len Län­dern Eu­ro­pas liegt der In­dus­trie­an­teil in Ös­ter­reich mit 18,3 Pro­zent deut­lich über dem EU-Schnitt von 15,1 Pro­zent.

Vom Agrar- zum Pro­duk­ti­ons­land. Vom star­ken An­teil der In­dus­trie an der hei­mi­schen Wirt­schaft­pro­fi­tiert auch das Bur­gen­land. In den 26 Jah­ren seit der Ost­öff­nung, und vor al­lem in den 20 Jah­ren seit dem EU-Bei­tritt Ös­ter­reichs, hat sich im eins­ti­gen Agrar­land am Ei­ser­nen Vor­hang ei­ne in­ter­na­tio­nal wett­be­werbs­fä­hi­ge In­dus­trie­land­schaft ent­wi­ckelt, de­ren Leit­be­trie­be enor­me Be­deu­tung für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung gan­zer Re­gio­nen ha­ben.

Vor­zei­ge­un­ter­neh­men. Bes­tes Bei­spiel für die ra­san­te wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung, die das Bur­gen­land in den letz­ten Jahr­zehn­ten ge­nom­men hat, ist der in­ter­na­tio­nal tä­ti­ge Stahl­bauKon­zern Un­ger Stahl. Aus ei­nem klei­nen Schlos­se­rei­be­trieb in Ober­wart hat sich ei­ner der größ­ten Stahl­bau­kon­zer­ne der Welt mit Nie­der­las­sun­gen im Na­hen Os­ten ent­wi­ckelt. 1200 Mit­ar­bei­ter er­wirt­schaf­te­ten 2014 ei­nen Um­satz von 203 Mil­lio­nen Eu­ro. Die In­ge­nieu­re von Un­ger Stahl rea­li­sie­ren küh­ne Ar­chi­tek­ten­träu­me, et­wa das be­ein­dru­cken­de Rau­ten­dach am neu­en Wie­ner Haupt­bahn­hof. Mit dem Kunst­fa­ser- und Vis­co­se­her­stel­ler Len­zing in Hei­li­gen­kreuz er­lebt auch das süd­li­che Bur­gen­land ei­nen wirt­schaft­li­chen Auf­schwung. Rund 950.000 Ton­nen Vis­co­se­fa­sern stellt Len­zing jähr­lich her und ist da­mit ei­ner der wich­tigs­ten Lie­fe­ran­ten der in­ter­na­tio­na­len Tex­til­in­dus­trie ge­wor­den. Ins­ge­samt er­wirt­schaf­ten 6500 Mit­ar­bei­ter bei Len­zing rund 1,86 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz. Eben­falls für den in­ter­na­tio­na­len Markt wird bei Mars in Brei­ten­brunn pro­du­ziert. 504 Mit­ar­bei­ter stel­len hier Süß­wa­ren für Mit­tel- und Süd­ost­eu­ro­pa her und er­ziel­ten da­bei im Jahr 2014 ei­nen Jah­res­um­satz von 267 Mil­lio­nen Eu­ro. Die Be­deu­tung des

Stand­or­tes für den welt­weit tä­ti­gen Nah­rungs- und Tier­fut­ter­mit­te­l­er­zeu­ger un­ter­strei­chen die 14 Mil­lio­nen Eu­ro, die man vor zwei Jah­ren in den Aus­bau des Werks ge­steckt hat. In­ves­tiert wur­de vor al­lem in die Au­to­ma­ti­on der Pro­duk­ti­on. Für Man­fred Ger­ger, Prä­si­dent der In­dus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung Bur­gen­land, ist das für den Pro­duk­ti­ons­stand­ort Bur­gen­land es­sen­zi­ell: „In­dus­trie 4. 0ist­die Chan­ce für das Bur­gen­land, um bei der glo­ba­len Preis­po­li­tik und der Wett­be­werbs­fä­hig­keit mit­hal­ten zu kön­nen.“Wie nach­hal­tig Pro­duk­ti­ons­un­ter­neh­men im Bur­gen­land tä­tig sind, zeigt sich am Bei­spiel des Bü­ro­mö­bel­her­stel­lers Neu­dörf­ler. Seit 70 Jah­ren pro­du­ziert die Num­mer 1 am hei­mi­schen Bü­ro­mö­bel-Her­stel­ler­markt in Neu­dörfl hoch­mo­der­ne Of­fice Sys­te­me und ge­die­ge­ne Ein­rich­tung. 2013 er­wirt­schaf­te­te das Un­ter­neh­men mit 250 Mit­ar­bei­tern 40 Mil­lio­nen Um­satz und ist da­mit ei­ne sta­bi­le Grö­ße der bur­gen­län­di­schen Wirt­schaft und ein wich­ti­ger Aus­bil­dungs­be­trieb.

Neue Wirt­schafts­zwei­ge. Die Kon­zen­tra­ti­on der Wirt­schafts­för­de­rung auf Zu­kunfts­be­rei­che wie um­welt­freund­li­che Ener­gie und Elek­tro­nik hat das Bur­gen­land für neue Bran­chen als Stand­ort in­ter­es­sant ge­macht. So be­treibt et­wa die Pü­spök-Group im Nord­bur­gen­land 90 Wind­kraft­an­la­gen, mit de­nen 160.000 Haus­hal­te mit um­welt­freund­lich und nach­hal­tig er­zeug­tem Strom ver­sorgt wer­den. Fir­men­grün­der Lu­kas Pü­spök hat die ers­te An­la­ge be­reits 2001 er­rich­tet. „Ent­schei­dend war ne­ben den idea­len geo­gra­fi­schen Vor­aus­set­zun­gen im Nord­bur­gen­land si­cher­lich auch die po­si­ti­ve Ein­stel­lung von Land und Ge­mein­den zur Wind­kraft“, er­zählt er über die An­fän­ge. Heu­te or­tet er bei der in Eu­ro­pas Ener­gie­ver­sor­gung im­mer wich­ti­ger wer­den­den Wind­ener­gie in Ost­ös­ter­reich ei­nen ent­schei­den­den Vor­sprung ge­gen­über Stand­or­ten im Rest des Lan­des. Pü­spök: „Durch die Prä­senz der Wind­rä­der sind vie­le Vor­ur­tei­le ver­schwun­den. Es ist hier leich­ter, ge­mein­sam mit der Be­völ­ke­rung neue Stand­or­te zu er­schlie­ßen. Da­sist­für­ei­ne Wachs­tums­bran­che wie die Wind­ener­gie wich­tig und ein Wett­be­werbs­vor­teil für das Bur­gen­land.“

Len­zing er­zeugt jähr­lich über 950.000 Ton­nen Vis­co­se­fa­sern

Bü­ro­mö­bel­her­stel­ler Neu­dörf­ler fei­ert heu­er sein 70-jäh­ri­ges Fir­men­ju­bi­lä­um

Man­fred Ger­ger, Prä­si­dent der IV-Bur­gen­land

„In­dus­trie 4.0 ist die Chan­ce für das Bur­gen­land, um bei der glo­ba­len Preis­po­li­tik und der Wett­be­werbs­fä­hig­keit mit­hal­ten zu kön­nen.“

Mars in Brei­ten­brunn er­zeugt Scho­kos­nacks für Mit­tel- und Ost­eu­ro­pa

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