122 ZEIT FÜR EI­NEN KURS­WECH­SEL

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In fünf Schrit­ten zu ei­nem ge­sün­de­ren Le­ben

spä­tes­tens mit der Dia­gno­se Dia­be­tes bleibt es Be­trof­fe­nen oh­ne­hin nicht er­spart, ih­ren le­bens­stil grund­le­gend zu ver­än­dern. Doch zu die­sem Ernst­fall soll­te man es tun­lichst nicht kom­men las­sen. schon bei den ers­ten warn­zei­chen, die auf ei­ne Dia­be­tes­ge­fähr­dung hin­deu­ten, et­wa nach dem Aus­fül­len des ri­si­ko­tests auf s. 52, lohnt sich das nach­den­ken. Denn für ei­nen neu­start in ein ge­sün­de­res und er­füll­te­res le­ben be­darf es nicht viel.

FÜNF SCHRIT­TE. Ei­gent­lich sind es fünf schrit­te, die je­der in für sich pas­sen­den, un­ter­schied­li­chen län­gen ma­chen muss, um in den ge­nuss von ei­nem deut­li­chen plus an ge­sund ge­leb­ten jah­ren zu kom­men. Das wich­tigs­te: ver­las­sen sie die kom­fort­zo­ne. na­tür­lich ist es auf

der Couch toll und die piz­za hat noch »

Es be­darf nur fünf schrit­te, um sein le­ben dau­er­haft ge­sün­der zu ge­stal­ten. Da­mit ge­winnt man Le­bens­qua­li­tät und beugt Dia­be­tes und an­de­ren zi­vi­li­sa­ti­ons­krank­hei­ten wirk­sam vor.

nie so gut ge­schmeckt. Und wenn aus dem Glas Wein am Abend ein Fla­scherl wird – was soll’s, Haupt­sa­che, es war lus­tig. Und je­der Me­ter, den man nicht mit dem ei­ge­nen Au­to ge­fah­ren ist, ist ein ver­lo­re­ner Me­ter. Wer so denkt, wird sei­ne Le­bens­bi­lanz nicht wirk­lich ver­bes­sern. Denn un­ser Kör­per ist nicht da­zu kon­stru­iert, sit­zend welt­meis­ter­li­che Leis­tun­gen beim Ver­ar­bei­ten von Koh­len­hy­dra­ten zu zei­gen. Her­mann To­plak, In­ter­nist und Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Adi­po­si­tas Ge­sell­schaft: „Die meis­ten Ös­ter­rei­cher ge­hen nur noch 300 bis 800 Me­ter am Tag. Wir sind aber da­für ge­baut, 15 bis 17 Ki­lo­me­ter täg­lich zu Fuß zu ge­hen. Uns muss wie­der be­wusst wer­den, dass Be­we­gung et­was Gu­tes ist.“

MEHR BE­WE­GUNG. Da­bei geht es nicht dar­um, sich im Fit­ness­cen­ter bis zur Be­wusst­lo­sig­keit zu quä­len oder den hal­ben Tag durch Wald und Flur zu jog­gen. Schon ein ein­fa­cher, halb­stün­di­ger Spa­zier­gang am Tag wirkt sich auf die Ge­sund­heits­bi­lanz po­si­tiv aus. Sanf­te Aus­dau­er­sport­ar­ten wie Schwim­men, Nor­dic Wal­king oder Rad­fah­ren sind wah­re Jung­brun­nen für die Kö­per­zel­len. „Bei Über­ge­wicht nimmt man­mehr Ka­lo­ri­en zu sich, als man ver­brennt. Um ab­zu­neh­men hat man zwei Mög­lich­kei­ten: ent­we­der we­ni­ger Ka­lo­ri­en zu sich zu neh­men – aber das scheint nicht zu funk­tio­nie­ren, denn die Hälf­te der Be­völ­ke­rung ist über­ge­wich­tig. Oder aber Sport, weil man da­durch den Ka­lo­ri­en­ver­brauch stei­gert und Mus­kel- zel­len auf baut, die Zu­cker ver­stärkt ver­stoff­wech­seln, so dass er nicht im Blut lan­det“, sagt Jo­sef Nie­bau­er, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Sport­me­di­zin & Prä­ven­ti­on.

2,5 St­un­den pro Wo­che soll­te man den Kör­per in Be­we­gung set­zen. Das ist nicht ein­mal ei­ne hal­be St­un­de pro Tag. Die­se Zeit geht ei­nem we­der in der Ar­beit noch in der Schu­le wirk­lich ab, denn nach kur­zer Be­we­gung an der fri­schen Luft fällt ei­nem vie­les leich­ter. Nie­bau­er: „Schon nach we­ni­gen Ta­gen er­ken­nen die meis­ten, dass uns Be­we­gung gut tut, und sie die Sport­ein­hei­ten ver­mis­sen, wenn sie ein­mal nicht da­zu kom­men.“

BE­WUSS­TER ES­SEN. Ne­ben Be­we­gung ist die Um­stel­lung der ei­ge­nen Ess­ge­wohn­hei­ten ein wich­ti­ger Schritt in Rich­tung nach­hal­ti­ges und ge­sun­des Le­ben. Das be­deu­tet aber kei­nes­falls Ver­zicht, denn es­sen darf man nach wie vor al­les, wor­auf man Lust hat. Al­ler­dings kommt es auf die Häu­fig­keit und die Men­gen an. Er­näh­rungs- und Ge­sund­heits­wis­sen­schaf­te­rin The­res Rath­man­ner: „Man muss ein­fach mit dem Vor­teil auf­räu­men, dass ge­sund das Ge­gen­teil von gut oder wohl­schme­ckend ist. Das Ge­gen­teil ist der Fall.“Sie rät, sich zu­erst ein­mal in­ten­siv mit der Qua­li­tät und der Her­kunft der bis­her ver­wen­de­ten Le­bens­mit­tel zu be­schäf­ti­gen und sich auch die Men­ge der täg­lich ver­putz­ten Spei­sen vor Au­gen zu füh­ren. Rath­man­ner: „Vie­len ist gar nicht be­wusst, was sie so zwi­schen­durch an Ka­lo­ri­en in Form von Soft­drinks, klei­nen Snacks, aber auch an Obst oder Kek­sen zu sich neh­men.“

Ei­ne Um­stel­lung der Ess­ge­wohn­hei­ten in Rich­tung ge­sün­der ist dann meist ein­fach. Das Wich­tigs­te: Man soll­te sich zum Zu­be­rei­ten der Mahl­zeit und zum Es­sen wie­der Zeit neh­men. Ein­mal am Tag frisch ko­chen hilft dem Kör­per, der Nähr­stof­fe aus Ge­gar­tem we­sent­lich bes­ser auf­nimmt als die kal­te Wurst­sem­mel. Gleich­zei­tig lernt man da­durch vie­le neue Le­bens­mit­tel ken­nen und schät­zen, vor al­lem Sai­so­na­les aus der Re­gi­on. Ge­mü­se soll­te bei je­der Mahl­zeit da­bei sein, Fleisch nicht täg­lich am Spei­se­plan ste­hen (sie­he Er­näh­rungs­py­ra­mi­de auf S. 121). Meh­re­re klei­ne Mahl­zei­ten über den Tag ver­teilt, sind auch bes­ser als ei­ne Haupt­mahl­zeit um Mit­ter­nacht. Wich­tig: Vor al­lem abends soll­te man mög­lichst früh es­sen, da­mit die Zeit oh­ne Nah­rungs­auf­nah­me für den Kör­per mög­lichst län­ger als 12 St­un­den ist.

Der nächs­te Schritt ist das be­wuss­te Strei­chen von sü­ßen Ge­trän­ken, sei­en es Soft­drinks, Ener­gydrinks oder auch un­ver­dünn­te Frucht­säf­te. Sie sind durch die Bank Ka­lo­ri­en­bom­ben und nur be­dingt gu­te Durst­lö­scher. Was­ser, un­ge­süß­ter Tee oder Zi­tro­nen­saft sind hier ein gu­ter Er­satz.

Täg­lich in al­ler Ru­he früh­stü­cken, be­wahrt ei­nen vor meist un­ge­sun­den Fres­s­at­ta­cken wäh­rend des Vor­mit­tags. Der Ver­zicht auf die täg­li­che Süß­spei­se ist eben­falls kein Ver-

lust, denn da­durch wird die Tor­te oder der Do­nut zu et­was Be­son­de­rem, auf das man sich dann so rich­tig freu­en kann.

SCHLUSS MIT RAU­CHEN. Ne­ben zahl­rei­chen an­de­ren Ge­sund­heits­ge­fähr­dun­gen er­höht Rau­chen auch die Ge­fahr, an Dia­be­tes zu er­kran­ken. Das be­trifft schon Un­ge­bo­re­ne. Kin­der von Frau­en, die wäh­rend ih­rer Schwan­ger­schaft ge­raucht ha­ben, sind deut­lich ge­fähr­de­ter, an Dia­be­tes zu er­kran­ken als je­ne von Nicht­rau­che­rin­nen. Rau­chen stört die Ent­wick­lung des Kin­des und ver­än­dert des­sen In­sulin­haus­halt. Bei Er­wach­se­nen er­höht Rau­chen das Ri­si- ko, an Dia­be­tes Typ-2 zu er­kran­ken. Es ist im­mer der rich­ti­ge Tag, um mit dem Rau­chen auf­zu­hö­ren. Bei der Rau­cher­ent­wöh­nung gibt es in ganz Ös­ter­reich zahl­rei­che kom­pe­ten­te Ge­sund­heits­zen­tren, die künf­ti­gen Nicht­rau­cher tat­kräf­tig hel­fen, die letz­te Zi­ga­ret­te aus­zu­dämp­fen. (mehr In­fos un­ter www.dont­s­mo­ke.at)

KLEI­NE SCHRIT­TE. Es be­darf auch nicht im­mer dra­ma­ti­scher Schrit­te, um dau­er­haft ein ge­sün­de­res Le­ben zu füh­ren. Oft rei­chen Klei­nig­kei­ten. In­ter­nist To­plak: „Die Men­schen be­nut­zen fast nur mehr Lif­te oder Roll­trep­pen. Da­bei wä­re das Stie­gen­stei­gen schon ein wich­ti­ger Schritt in Rich­tung mehr Ge­sund­heit.“Und es ist ja auch oft schnel­ler, ein oder zwei Stock­wer­ke zu Fuß zu ge­hen, als lan­ge auf den Lift zu war­ten. Ähn­li­ches gilt für die ty­pi­schen Be­sor­gungs­we­ge, et­wa der Gang zum Bä­cker, in den Su­per­markt oder zu ei­nem na­he ge­le­ge­nen Ter­min. Statt mit dem Au­to oder dem Ta­xi soll­te man ru­hig ein­mal zu Fuß ge­hen oder das Rad be­nut­zen.

RE­GEL­MÄS­SIG ZUM ARZT. Die Ge­sund­heits­kom­pe­tenz der Ös­ter­rei­cher ist im Ver­gleich zu den meis­ten an­de­ren Eu-län­dern stark un­ter­ent­wi­ckelt. Da­zu zählt auch der aus­ge­spro­chen la­xe Um­gang mit der Ge­sund­heits­vor­sor­ge. Ein Arzt­be­such mit Ge­sund­heits­un­ter­su­chung jähr­lich, wie er ei­gent­lich von den So­zi­al­ver­si­che­run­gen kos­ten­los vor­ge­se­hen ist, könn­te vie­le Ge­fah­ren für die ei­ge­ne Ge­sund­heit recht­zei­tig auf­de­cken. Ärz­te hät­ten dann die Mög­lich­keit, früh­zei­tig Ge­gen­maß­nah­men ein­zu­lei­ten und je­der Ein­zel­ne kann auf­grund sei­nes Ge­sund­heits­zu­stan­des ent­schei­den, was ihm wirk­lich gut­tut. Ro­bin Rum­ler, Prä­si­dent der Phar­mig: „Lei­der liegt Ös­ter­reich bei al­len in­ter­na­tio­na­len Ver­gleichs­un­ter­su­chun­gen bei der Ge­sund­heits­kom­pe­tenz der Be­völ­ke­rung, ei­ne Art PI­SA-TEST für Ge­sund­heits­wis­sen, ganz schlecht. Wir müs­sen den Men­schen klar ma­chen, dass sich eben vie­les nicht ku­rie­ren, son­dern bes­ten­falls the­ra­pie­ren lässt.“

Las­sen Sie es nicht so weit kom­men und ge­hen Sie re­gel­mä­ßig zur Vor­sor­ge­un­ter­su­chung. Ihr Au­to ge­ben Sie ja auch re­gel­mä­ßig zur In­spek­ti­on. «

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