22 DIA­BE­TES IN DER SCHWAN­GER­SCHAFT

Kurier_Diabetes - - INHALT - MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Wie ei­ne be­trof­fe­ne Ärz­tin mit der Krank­heit um­geht

Neu­ro­lo­gin Ber­na­det­te Ca­la­bak er­zählt, wie sie als Be­trof­fe­ne mit der Dia­gno­se Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes um­ge­gan­gen ist, und gibt an­de­ren Er­krank­ten Hoff­nung.

Der Wie­ner Neu­ro­lo­gin Ber­na­det­te Ca­l­a­bek (38) wur­de im Rah­men der Mut­ter-kin­dPass-un­ter­su­chung Schwan­ger­schafts­dia­be­tes ge­stellt. Mitt­ler­wei­le ist ihr Blut­zu­cker wie­der im Nor­mal­be­reich, der klei­ne Si­mon ist fünf Mo­na­te alt und kern­ge­sund.

Was wa­ren Ih­re ers­ten Ge­dan­ken nach der Dia­gno­se? Ber­na­det­te Ca­l­a­bek: Ich wuss­te zwar, was es ist und was ich da­ge­gen tun kann, aber als ich das Re­sul­tat in der Hand hat­te, war ich trotz­dem rich­tig pa­nisch. Da ist man nicht mehr ra­tio­nal, ich hat­te so­fort Angst um den Klei­nen. Es ging mir gar nicht um mich selbst und um mein ei­ge­nes »

Ri­si­ko spä­ter viel­leicht Typ-2-dia­be­tes zu be­kom­men.

Sie sind selbst Ärz­tin, hat­te das be­son­de­re Aus­wir­kun­gen auf Ih­re Re­ak­ti­on?

Ich glau­be, ich war pa­ni­scher, weil mir gleich al­le er­denk­lich schreck­li­chen Kom­pli­ka­tio­nen durch den Kopf ge­gan­gen sind.

Was wa­ren die nächs­ten Schrit­te? Was hat Sie dann be­ru­higt?

Ich be­kam ei­ne Wo­che spä­ter ei­nen Ter­min zur Ein­schu­lung in die Blut­zu­cker­mes­sung, ein Ul­tra­schall wur­de ge­macht und dann ging es wei­ter zur Er­näh­rungs­be­ra­tung. Da­nach wur­de ich al­le drei Wo­chen in die Dia­be­tes- und Ge­bur­ten­am­bu­lanz im St. Jo­sef Kran­ken­haus ge­be­ten. Das Po­si­ti­ve im Ne­ga­ti­ven ist, dass man sehr eng­ma­schig kon­trol­liert wird. Da wird auch beim Klei­nen ge­mes­sen, wie groß der Bauch- und Kop­f­um­fang ist und ob mit der Nabelschnur al­les in Ord­nung ist. Das hat mich sehr be­ru­higt.

Wie sah Ih­re Er­näh­rung wäh­rend der Schwan­ger­schaft aus?

Sie be­stand aus drei Haupt­mahl­zei­ten und zwei Zwi­schen­mahl­zei­ten. Ge­mü­se stand an obers­ter Stel­le. Wei­zen­mehl soll­te ich weg­las­sen, al­so kei­ne Sem­meln, son­dern eher Voll­korn­pro­duk­te. Bei Wein­trau­ben, Zi­trus­früch­ten, Äp­fel oder Bir­nen im­mer nur ei­ne Hand­voll. Bee­ren wir­ken sich bes­ser auf den Stoff­wech­sel aus. Frucht­jo­ghurt soll­te ich ver­mei­den, auch Oran­gen- und Ap­fel­saft. Man ge­wöhnt sich dar­an und viel Ge­mü­se ist ja oh­ne­hin auch ge­sün­der. (lacht)

Und wenn der Heiß­hun­ger auf Sü­ßes

kam?

Als klei­ne Zwi­schen­mahl­zeit durf­te ich schon ab und zu ei­ne Rip­pe Scho­ko­la­de es­sen –

oder bes­ser ei­ne Por- ti­on Erd­bee­ren. Meist kann man den Heiß­hun­ger aber stil­len, in­dem man viel Was­ser und Kräu­ter­tee trinkt.

Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes ist oft ge­ne­tisch be­dingt. Gibt es Dia­be­ti­ker in Ih­rer Fa­mi­lie?

Ja, ich hat­te si­cher­lich zwei Ri­si­ko­fak­to­ren. Ich war 37 Jah­re alt und mei­ne Groß­mut­ter und mei­ne Mut­ter ha­ben Typ-2-dia­be­tes.

Wel­che Um­stel­lun­gen be­deu­te­te die Dia­gno­se für Sie?

Ich hat­te vor­her durch­aus gu­ten Ap­pe­tit – vor al­lem auf Sü­ßes. Dar­auf soll­te ich nun ver­zich­ten oder zu­min­dest sehr dis­zi­pli­niert sein. Au­ßer­dem muss­te ich vier Mal am Tag Blut­zu­cker mes­sen. Das Mess­ge­rät wur­de zu mei­nem stän­di­gen Be­glei­ter. Das war läs­tig, aber un­be­dingt not­wen­dig.

Gab es auch Schwie­rig­kei­ten?

Wäh­rend ei­nes Kroa­ti­en-ur­laubs war es nicht im­mer ein­fach, sich an die Re­geln zu hal­ten. Ein we­nig Spa­ghet­ti, und schon steigt der Blut­zu­cker nach oben.

Wel­chen Rat­schlag wür­den Sie be­trof­fe­nen Frau­en mit auf den Weg ge­ben?

Ich ha­be mich von an­de­ren ner­vös ma­chen las­sen. Da ka­men Fra­gen wie: „Hast du die­se und je­ne Un­ter­su­chun­gen ge­macht?“oder „Dein Bauch ist so groß, der soll­te doch nicht so groß sein?“Erst als ich an­de­re Schwan­ge­re bei den Un­ter­su­chun­gen ge­trof­fen ha­be, ha­be ich er­kannt, dass nun mal je­de Frau an­ders ist. Der ei­ne Bauch ist groß, der an­de­re klein. Man soll­te sich nicht ver­un­si­chern las­sen. Wenn man sich sel­ber wohl­fühlt, ist auch meis­tens al­les in Ord­nung.

Mit der Dia­gno­se Dia­be­tes kann man heut­zu­ta­ge trotz al­lem gut le­ben. Wir wer­den in Ös­ter­reich um­fas­send be­treut, wir ha­ben aus­ge­zeich­ne­te Ärz­te und Am­bu­lan­zen.

Hilft der Aus­tausch mit an­de­ren wer­den­den Müt­tern?

Ja. Im Mut­ter­schutz hat­te ich Zeit, die An­ge­bo­te für Schwan­ge­re im Kran­ken­haus zu nut­zen, wie zum Bei­spiel Aku­punk­tur. Letzt­lich hat­ten al­le Frau­en die glei­chen Sor­gen, die man aber oft­mals ganz gut aus der Welt schaf­fen kann. Ich lern­te auch vie­le jün­ge­re und schlan­ke­re Frau­en ken­nen, die auch Schwan­ger­schafts­dia­be­tes hat­ten. Man steht nicht al­lei­ne da.

Wie ge­hen Sie mit dem Wis­sen über das Ri­si­ko um, dass Frau­en mit Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes und auch de­ren Kin­der an­fäl­li­ger für Typ-2-dia­be­tes sind?

Ich den­ke na­tür­lich dar­an. Wäh­rend des Stil­lens ha­be ich im­mer wie­der Heiß­hun­ger auf Sü­ßes. Da ver­su­che ich mich zu­rück­zu­hal­ten, auch für Si­mon. Wenn man vier bis sechs Mo­na­te stillt, mi­ni­miert man au­ßer­dem das Ri­si­ko. Es gibt Stu­di­en, die das be­le­gen. Nach dem Stil­len möch­te ich wie­der mehr Rad fah­ren und Yo­ga ma­chen. Tat­sa­che ist, dass ich mich deut­lich ge­sün­der er­näh­re, wenn ich mehr Sport be­trei­be, was we­gen mei­ner Be­rufs­tä­tig­keit aber nicht im­mer mög­lich war.

Wor­auf wer­den Sie nach der Still­zeit bei der Er­näh­rung von Si­mon ach­ten?

Viel Ge­mü­se und mit dem Zu­cker erst gar nicht an­fan­gen. Pud­ding oder Frucht­zwer­ge wer­den ei­nem als ge­sund ver­kauft, aber das stimmt mei­nes Erach­tens nicht. Im Kin­der­gar­ten oder in der Schu­le kommt er dann oh­ne­hin früh ge­nug da­mit in Kon­takt, das kann ich nicht ver­hin­dern. Mein Freund und ich möch­ten ihm aber durch Er­näh­rung und Sport bei­brin­gen, auf sich selbst zu ach­ten.

Was neh­men Sie län­ger­fris­tig aus die­ser Er­fah­rung mit?

Bei mir muss­te im­mer al­les schnell ge­hen beim Es­sen. Mitt­ler­wei­le ha­be ich ge­lernt, fri­sches Ge­mü­se zu kau­fen und dann gleich im Wok zu­zu­be­rei­ten. Ein biss­chen Reis und Hir­se da­zu und man hat kei­ne Blut­zu­cker­be­las­tung. Egal ob mit oder oh­ne Dia­be­tes – es ist ge­sund und geht auch schnell.

Ganz ehr­lich, was war Ihr ers­tes Es­sen nach der Ent­bin­dung?

Sü­ßig­kei­ten, die mir mein Freund mit­ge­bracht hat, und ei­ne gro­ße Por­ti­on Nu­deln. Das war herr­lich!

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„Das Po­si­ti­ve im Ne­ga­ti­ven ist, dass Mut­ter und Un­ge­bo­re­nes mit Ge­sta­ti­ons­dia­be­tes in Ös­ter­reich sehr eng­ma­schig kon­trol­liert wer­den. Das

hat mich be­ru­higt.“

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