20 DIA­BE­TES IN ÖS­TER­REICH

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Wie vie­le Er­krank­te es gibt, war­um die Zah­len stei­gen

Dia­be­tes ist in Ös­ter­reich zu ei­nem ernst­haf­ten Ge­sund­heits­pro­blem ge­wor­den. Heu­te lei­den rund 30.000 Men­schen an Dia­be­tes Typ-1 und 620.000 an Dia­be­tes Typ-2. Beim Typ-2 stei­gen die Er­kran­kun­gen steil an.

Wenn man von Dia­be­tes spricht, muss man zwi­schen Typ-1 und Typ-2 un­ter­schei­den. Letz­te­re ist die häu­figs­te Form der Stoff­wech­sel­krank­heit und ent­wi­ckelt sich meist im Al­ter von über 40 Jah­ren. Al­ler­dings nimmt die Er­kran­kungs­häu­fig­keit nach dem 6. und 7. Le­bens­jahr­zehnt deut­lich zu. Kin­der wa­ren in der Ver­gan­gen­heit kaum von dem in­su­linab­hän­gi­gen Dia­be­tes be­trof­fen. Das hat sich aber ge­än­dert: Heu­te le­ben in Ös­ter­reich im­mer­hin 100.000 Men­schen un­ter 15 Jah­ren mit Typ-2. Er wird meist aus­ge­löst durch lang­jäh­ri­ge schlech­te Er­näh­rung, kaum Be­we­gung und Über­ge­wicht. Auch ge­ne­ti­sche Prä­dis­po­si­ti­on tut ih­ren Teil. Zu­dem dürf­ten so­zio­gra­fi­sche Merk­ma­le laut Ös­ter­rei­chi­scher Dia­be­tes Ge­sell­schaft (ÖDG) ei­ne Rol­le spie­len. Bei Men­schen mit nied­ri­gem So­zi­al­sta­tus und schlech­ter Bil­dung steigt die Ge­fahr, an Dia­be­tes Typ-2 zu er­kran­ken. Mäd­chen sind im jun­gen Al­ter stär­ker ge­fähr­det als Bur­schen.

TYP-1-DIA­BE­TI­KER. Der Groß­teil der an Dia­be­tes er­krank­ten Kin­der – 95 Pro­zent – ist den­noch von Typ-1 be­trof­fen. Ei­ne Au­to­im­mun­er­kran­kung, wel­che die Zer­stö­rung von in­su­lin­pro­du­zie­ren­den In­sel­zel­len durch den ei­ge­nen Kör­per be­wirkt. „Pro Jahr gibt es in Ös­ter­reich zwi­schen 250 und 300 Neu­er­kran­kun­gen un­ter 15 Jah­ren. Die­se Zahl hat sich in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ver­dop­pelt“, so Alex­an­dra Kautz­ky-wil­ler von der Ab­tei­lung für En­do­kri­no­lo­gie und Stoff­wech­sel der Uni­ver­si­täts­kli­nik für In­ne­re Me­di­zin III der Me­du­ni Wi­en. Die kon­kre­ten Grün­de da­für sind noch un­er­forscht, al­ler­dings schei­nen vor al­lem In­fek­tio­nen und Um­welt­ein­flüs­se, mög­li­cher­wei­se auch ei­ne ver­än­der­te Darm­flo­ra ei­ne gro­ße Rol­le zu spie­len. Ins­ge­samt ha­ben in Ös­ter­reich 30.000 Men­schen Typ-1-dia­be­tes.

430.000 ärzt­lich dia­gnos­ti­zier­te Dia­be­ti­ker gibt es in Ös­ter­reich. Wei­te­re 150.000 bis 200.000 Per­so­nen sind Schät­zun­gen zu­fol­ge be­reits er­krankt, wis­sen aber nichts da­von. Ins­ge­samt le­ben hier al­so rund 650.000 Men­schen mit die­ser Stö­rung des Stoff­wech­sels. „Im Jahr 2030 wer­den es wahr­schein­lich ei­ne Mil­li­on sein“, er­läu­tert Tho­mas Wa­scher, Ödg-prä­si­dent, die Di­men­sio­nen der hei­mi­schen Volks­krank­heit. Ös­ter­reich liegt so­wohl in Eu­ro­pa als auch welt­weit der­zeit im Mit­tel­feld.

„Al­le sechs Se­kun­den stirbt auf der Welt ein

Mensch an Dia­be­tes“, sagt Alex­an­dra Kautz­ky-wil­ler. In Ös­ter­reich stirbt al­le 50 Mi­nu­ten je­mand an den Fol­gen der Krank­heit, das sind rund 10.000 Men­schen pro Jahr. Um die Be­treu­ung von Dia­be­ti­ker zu ver­bes­sern, hat die So­zi­al­ver­si­che­rung ein Pro­gramm ins Le­ben ge­ru­fen: „The­ra­pie Ak­tiv – Dia­be­tes im Griff “. Da­bei geht es um rich­ti­ge Be­hand­lung durch Haus­ärz­te, de­ren Wei­ter­bil­dung zum The­ma Dia­be­tes, eng­ma­schi­ge Kon­trol­le der Au­gen und der Fü­ße durch ge­eig­ne­tes Fach­per­so­nal so­wie Pa­ti­en­ten­schu­lun­gen. Sie sol­len da­bei hel­fen, bes­ser mit der Krank­heit um­ge­hen zu kön­nen. Nach ei­ner Stu­die der Me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Graz gab es im Ver­gleich zur Kon­troll­grup­pe 35 Pro­zent we­ni­ger Sterb­lich­keit für je­ne, die am Pro­gramm teil­ge­nom­men ha­ben – so der Haupt­ver­band der So­zi­al­ver­si­che­run­gen, der die Un­ter­su­chung in Auf­trag ge­ge­ben hat. Durch ver­mie­de­ne Fol­ge­er­kran­kun­gen wur­den auch um 24 Pro­zent we­ni­ger Ge­samt­kos­ten ver­ur­sacht.

Die di­rek­ten Kos­ten des Dia­be­tes in Ös­ter­reich wer­den auf 4,8 Mil­li­ar- den Eu­ro pro Jahr ge­schätzt – mit stei­gen­der Ten­denz. Das meis­te Geld wird für die Be­hand­lung der Spät­fol­gen auf­ge­wen­det.

RAT­GE­BER. „Nicht der er­ho­be­ne Zei­ge­fin­ger trägt zur Ge­sund­heit der Men­schen bei, son­dern das ent­spre­chen­de An­ge­bot an Be­we­gungs­mög­lich­kei­ten, ge­sun­der Er­näh­rung, etc. Und zwar nicht nur in aus­rei­chen­der Men­ge und Qua­li­tät, son­dern auch mög­lichst nie­der­schwel­lig ver­füg­bar, so­dass sich ein ge­sun­der Le­bens­stil leicht in den Le­bens­all­tag in­te­grie­ren lässt“, sagt Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin Sa­bi­ne Ober­hau­ser. Nur so kön­ne man in Zu­kunft auch die Zahl der Typ-2-dia­be­ti­ker nach­hal­tig re­du­zie­ren.

An­läss­lich des dies­jäh­ri­gen Welt­dia­be­tes­ta­ges am 14. No­vem­ber wur­de der neue, kos­ten­lo­se Rat­ge­ber des Haupt­ver­ban­des ge­mein­sam mit der Ös­ter­rei­chi­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft prä­sen­tiert – „Zeit­bom­be Zu­cker­krank­heit“. Man wol­le da­mit das The­ma für Be­trof­fe­ne und de­ren An­ge­hö­ri­ge so­wie für die brei­te Öf­fent­lich­keit greif ba­rer ma­chen. «

Grafik: Eber

Qu­el­le: Ös­ter­rei­chi­sche Dia­be­tes Ge­sell­schaft

Alex­an­dra Kautz­ky-wil­ler, Lei­te­rin der Dia­be­te­sam­bu­lanz der Uni­ver­si­täts­kli­nik für In­ne­re Me­di­zin III der Me­du­ni Wi­en

„Al­le 50 Mi­nu­ten stirbt in Ös­ter­reich ein Mensch an den Fol­gen von Dia­be­tes.“ 650.000 Ös­ter­rei­cher lei­den hier­zu­lan­de an ei­ner Form von Dia­be­tes, Ten­denz stei­gend

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