48 ANT­WOR­TEN AUF BAR­NARD

Kurier_Diabetes - - INHALT - Fried­rich Hop­pi­ch­ler, ärzt­li­cher Di­rek­tor des Kran­ken­hau­ses Barm­her­zi­ge Brü­der in Salz­burg und Dia­be­tes-spe­zia­list

Das hal­ten hei­mi­sche Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten von Ne­al Bar­nard

Ne­al Ber­nards The­sen sind in der Fach­welt nicht un­um­strit­ten. Was sie­ben nam­haf­te Me­di­zi­ne­rin­nen und Me­di­zi­ner so­wie Er­näh­rungs­ex­per­tin­nen und -ex­per­ten von der „ve­ga­nen The­ra­pie“bei Dia­be­tes und ei­nem „na­tio­na­len Er­näh­rungs­plan“hal­ten. Und war­um die Schul­me­di­zin trotz­dem un­ver­zicht­bar ist.

„Prin­zi­pi­ell kann man ei­ner pflan­zen­ba­sier­ten Misch­kost viel ab­ge­win­nen, denn voll­wer­tig hält ge­sund und för­dert die Leis­tung. Das heißt nicht, dass kein Fleisch ge­ges­sen wer­den darf, aber in Ma­ßen. Es kann das Ri­si­ko für Dia­be­tes er­hö­hen und es gibt Da­ten da­für, dass zu viel da­von das Ri­si­ko für ge­wis­se Krebs­ar­ten an­stei­gen lässt. Milch­pro­duk­te sind aber wich­tig we­gen des Cal­ci­ums.“

„Wir müs­sen auf­pas­sen, wenn wir Ant­wor­ten nur in der Er­näh­rung su­chen. Der Mensch ist auf je­den Fall ein Al­les­fres­ser. Stu­di­en zei­gen, dass man­che Men­schen mit koh­len­hy­dratrei­cher Kü­che gut ab­neh­men kön­nen, wenn sie sie ka­lo­ri­en­re­du­ziert ge­stal­ten. An­de­re neh­men un­ter der glei­chen Er­näh­rung zu.“

„Ich kann ei­ner rein pflanz­li­chen Er­näh­rung dann et­was ab­ge­win­nen, wenn sie nicht dog­ma­tisch oder gar ei­ne Er­satz­re­li­gi­on ist, son­dern ei­ne be­wuss­te Ent­schei­dung für ge­leb­te Nach­hal­tig­keit. Der wis­sen­schaft­li­che Be­weis, dass ei­ne über­wie­gend oder auch rein pflanz­li­che Er­näh­rung den Men­schen ge­sün­der hiel­te, ist noch nicht er­bracht.“

Bap­tist Gall­witz, Prä­si­dent der Deut­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft

Ale an­dra Kautzk -wil­ler, Fach­ärz­tin für En­do­kri­no­lo­gie und vtoff ech­sel an der Uni er­si­täts­kli­nik für In­ne­re Me­di­zin III Wi­en

„Oft ha­ben Men­schen, die kei­ne tie­ri­schen Pro­duk­te es­sen, ins­ge­samt ein aus­ge­präg­tes Ge­sund­heits­be­wusst­sein. Dass ver­mehr­ter Kon­sum von ro­tem Fleisch mit ei­nem hö­he­ren Ri­si­ko für Typ-2 Dia­be­tes ein­her­geht, ha­ben ei­ni­ge Stu­di­en ge­zeigt. Ich selbst hal­te aber auch nicht viel von ein­sei­ti­ger Er­näh­rung. Für mich ist ei­ne aus­ge­wo­ge­ne Misch­kost nach me­di­ter­ra­nem Vor­bild die ide­al. Da braucht man auch kei­ne Zu­satz­stof­fe, um sich vor Man­gel­er­schei­nun­gen zu schüt­zen. Vor al­lem kommt es aber auf die Ge­samt­ener­gie­zu­fuhr bzw. auf den Ener­gie­ver­brauch an. Wie so oft im Le­ben: Die Do­sis macht das Gift!“

Chris­ti­an Schelks­horn, Lei­ter der I. Me­di­zi­ni­schen Ab­tei­lung im Lan­des­kli­ni­kum Sto­ckerau

„Ein­sei­ti­ge Kost leh­ne ich ab, da sie ganz prag­ma­tisch nur von ei­nem ge­rin­gen Teil der Be­trof­fe­nen nach­hal­tig um­ge­setzt wird. Wir soll­ten in der Be­glei­tung un­se­rer Pa­ti­en­ten all­tags­prak­ti­ka­ble We­ge an­bie­ten. Dia­be­tes ist nicht heil­bar, nur in ganz un­ter­schied­li­chen For­men gut ein­stell­bar. Es ist ei­ne dy­na­mi­sche Er­kran­kung, de­ren Bild sich im­mer wie­der ver­än­dert. Das soll­ten wir un­se­ren Pa­ti­en­ten kom­mu­ni­zie­ren.“

Dirk Mül­ler-wie­land, Vi­ze­prä­si­dent der Deut­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft

„Dass ve­ga­ne Er­näh­rung Bal­last­stoff­reich ist, ist ein güns­ti­ger Fak­tor. Aber zu sa­gen, die­se spe­zi­el­le Er­näh­rungs­form wä­re die Lö­sung des Pro­blems, da­von hal­te ich nichts. Man darf nicht auf die erb­li­che Kom­po­nen­te ver­ges­sen. Bei glei­chen Um­welt­fak­to­ren, wie zum Bei­spiel die Er­näh­rungs­men­ge, kann der ei­ne Dia­be­tes ent­wi­ckeln und der an­de­re nicht.“

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.