100 DIE MYSUGR APP

Kurier_Diabetes - - INHALT - MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Ei­ne App aus Ös­ter­reich er­leich­tert Dia­be­ti­kern das Le­ben

Vor drei Jah­ren hat Frank Wes­ter­mann ge­mein­sam mit drei Mit­strei­tern die App „Mysugr“er­fun­den, mit der sich das

Le­ben mit Dia­be­tes per Smart­pho­ne per­fekt steu­ern lässt.

Wir woll­ten mit un­se­rem Dia­be­tes bes­ser klar­kom­men und ha­ben das App so­zu­sa­gen aus Ei­gen­an­trieb ge­grün­det“, er­zählt Frank Wes­ter­mann von den An­fän­gen von Mysugr, die mitt­ler­wei­le er­folg­reichs­te Dia­be­ti­ker-app. Die Han­dy-an­wen­dung mit dem lus­ti­gen Mas­kott­chen soll Pa­ti­en­ten hel­fen, sich spie­le­risch mit ih­rer Er­kran­kung zu ar­ran­gie­ren. Das ul­ti­ma­ti­ve Ziel ist es, am En­de des Ta­ges das ei­ge­ne „Dia­be­tes-mons­ter“zu zäh­men.

Wäh­rend es zu Be­ginn noch jähr­lich 1000 Nut­zer wa­ren, über­wa­chen jetzt schon täg­lich 1000 Dia­be­ti­ker ih­ren Blut­zu­cker mit dem DiabetesMonster. Mehr als die Hälf­te da­von in den USA. „Das Ziel bis zum Jah­res­en­de sind ei­ne hal­be Mil­li­on User und im nächs­ten Jahr ei­ne Mil­li­on“, zeigt sich Wes­ter­mann op­ti­mis­tisch. Da­zu hat er al­len Grund, denn das Markt­po­ten­zi­al für das Un­ter­neh­men ist groß: 387 Mil­lio­nen Dia­be­ti­ker gibt es welt­weit – Ten­denz stei­gend. Das Grün­dungs­team aus Frank Wes­ter­mann, Fre­de­ric De­bong, Ge­rald Stangl und Micha­el Fo­risch hat sich seit dem Jahr 2012 auf mitt­ler­wei­le 20 Mit­ar­bei­ter er­wei­tert. Die Hälf­te lebt selbst mit Dia­be­tes und bringt ih­re Er­fah­run­gen in die Pro­dukt­ent­wick­lung ein. So zum Bei­spiel Lukas Schuster, der seit sechs Jah­ren Dia­be­tes Typ-1 hat und bei Mysugr als Soft­ware-ent­wick­ler ar­bei­tet: „Für mich ist Dia­be­tes vie­les, es be­glei­tet mich an je­dem Tag und ist oft ei­ne Be­las­tung. Al­lem vor­an al­ler­dings et­was, das mich da­zu zwingt, das zu leis­ten, was ich kann, und über mich selbst hin­aus zu wach­sen!“

ELEK­TRO­NI­SCHES TA­GE­BUCH. In dem vir­tu­el­len Ta­ge­buch kann man sei­nen Blut­zu­cker, ei­ne Es­sens­be­schrei­bung mit der Men­ge an Koh­len­hy­dra­ten, ei­nem Foto und der Lo­ka­li­tät ein­ge­ben und auch, wie vie­le In­su­lin­ein­hei­ten man spritzt. Es hilft da­bei, rück­wir­kend nach­ver­fol­gen zu kön­nen, wie sich be­stimm­tes Es­sen auf den Glu­ko­sehaus­halt aus­ge­wirkt hat. Mit ei­ner Analyse las­sen sich Mus­ter im Blut­zu­cker­ver­lauf er­ken­nen. Gra­fi­sche Aus­wer­tun­gen hel­fen da­bei, klei­nen und gro­ßen The­ra­pie­schwä­chen auf die Sch­li­che zu kom­men und zu kor­ri­gie­ren. Mysugr lässt sich mit dem Blut­zu­cker­mess­ge­rät ver­bin­den, so­dass die Da­ten au­to­ma­tisch über­tra­gen wer­den. Das funk­tio­niert auch schon mit den ers­ten kon­ti­nu­ier­li­chen Glu­ko­se­mess­ge­rä­ten. Mit der Im­por­ter-app las­sen sich Da­ten in Se­kun­den nach­tra­gen, ganz oh­ne Ka­bel oder Blue­tooth. Man hält das Mess­ge­rät vor die Lin­se des Han­dys und die Zah­len wer­den ge­scannt.

„Dia­be­tes ist wie die Er­zie­hung ei­nes Wel­pen. Wenn du dich nicht ge­nü­gend um ihn küm­merst, dann macht er dir in die Bu­de. Dia­be­tes ist ei­ne täg­li­che Her­aus­for­de­rung und er­for­dert stän­di­ge Be­ach­tung, aber mit der heu­ti­gen Tech­nik und ein we­nig Dis­zi­plin kann man gut mit der Krank­heit le­ben“, sagt Ilka Gda­nietz, Dia­be­tes-blog­ge­rin bei Mysugr. Dem Dia­be­tes wird zwar nicht mit ei­nem Wel­pen, da­für aber durch ei­ne ner­vi­ge, aber doch sym­pa­thi­sche Mons­ter-animation ein Ge­sicht ge­ge­ben, wel­che die The­ra­pie mit Mo­ti­va­ti­on und Feed­back un­ter­stützt. Für je­de Ak­ti­on im App be­kommt man Punk­te und Re­ak­tio­nen. Die fal­len, je nach­dem wie hoch der Blut­zu­cker ist, un­ter­schied­lich aus. Die An­wen­dung sei auch für Kin­der ide­al, so Frank Wes­ter­mann, weil man sich als El­tern­teil vom ei­ge­nen Han­dy in den Ac­count des Kin­des ein­log­gen und des­sen Blut­zu­cker­wer­te und In­su­lin­do­sen mit­ver­fol­gen kann. Kos­ten­punkt: 2,99 Eu­ro mo­nat­lich oder 27,99 Eu­ro im Jahr. »

Frank Wes­ter­mann ist der Grün­der von Mysugr, ei­ner App, mit der Dia­be­ti­ker

ih­ren Blut­zu­cker über­wa­chen kön­nen

DIA­BE­TES-BLOG. Auf­grund der fir­men­in­ter­nen Ex­per­ti­se kennt MySugr ge­nau die Be­dürf­nis­se der Dia­be­ti­ker und ih­rer Um­ge­bung. Mo­ti­va­ti­on ist ein sprin­gen­der Punkt. Denn: „Manch­mal nervt das Dia­be­tes-mons­ter“, weiß An­ne Keinz, die seit 13 Jah­ren mit Dia­be­tes lebt. Auch für sie war die Dia­gno­se da­mals ein Schock. Doch die Blog­ge­rin will die Er­kran­kung jetzt in et­was Po­si­ti­ves ver­wan­deln: „Der Dia­be­tes ist Teil mei­nes Le­bens. Auf die­se Ver­ant­wor­tung und dass ich sie tra­gen kann, bin ich sehr stolz. Und am En­de des Ta­ges kom­men ich und mein Mons­ter im­mer gut klar.“

Ne­ben dem App be­treibt MySugr auch ei­nen Blog auf der Home­page. Neue Mess­ge­rä­te wer­den vor­ge­stellt, dia­be­ti­k­er­freund­li­che Koch­re­zep­te aus­pro­biert und Tipps für den All­tag ge­ge­ben. An­ne Keinz hat zum Bei­spiel ei­nen Ar­ti­kel dar­über ver­fasst, wor­auf man auf Rei­sen be­son­ders ach­ten muss. Da­für er­stell­te sie ei­ne Pack­lis­te, die sich je­der kos­ten­los down­loa­den kann. Auch Er­fah­rungs­be­rich­te fin­det man im Blog, so­wohl von Typ-1- als auch Typ2-Dia­be­ti­kern. „Dia­be­tes ist ner­vig und ät­zend. Wis­sen wir. Un­ser Ziel ist es da­her, mit un­se­ren Apps und Ser­vices Dia­be­tes in et­was Po­si­ti­ves zu ver­wan­deln und dem All­tag mit Dia­be­tes et­was Spaß und Hu­mor un­ter­zu­ju­beln“, heißt es da in ei­nem Bei­trag von Ilka Gda­nietz. Man sei über­zeugt, dass man auch bei al­ler Ernst­haf­tig­keit über Dia­be­tes la­chen kann. Mit ihm und über ihn. ME­DI­ZIN­PRO­DUKT. „Ei­nes der Pro­ble­me, die wir lö­sen wol­len, ist, dass man als Dia­be­ti­ker nur al­le drei Mo­na­te ei­nen kur­zen ärzt­li­chen Check hat. Aber die ei­gent­li­che The­ra­pie pas­siert in der Zeit da­zwi­schen, wo man auf sich selbst ge­stellt ist. Da ist es wich­tig, dass man gut aus­ge­bil­det und mo­ti­viert ist“, so Wes­ter­mann. Hier hakt Mysugr ein – in Zu­sam­men­ar­beit mit ärzt­li­chen Be­ra­tern, die da­bei hel­fen, die App vom me­di­zi­ni­schen Aspekt her op­ti­mal zu hal­ten. Denn Mysugr ist ein Me­di­zin­pro­dukt und wird des­we­gen stän­dig über­prüft. „Wir sind im Mo­ment ein Me­di­zin­pro­dukt der Ri­si­ko­klas­se 1. Aber es wird bald ei­nen Bo­lus­re­gu­la­tor ge­ben, der be­nö­tig­te In­su­lin­men­gen vor ei­ner Mahl­zeit au­to­ma­ti­siert be­rech­net. Dann ge­hen wir ei­ne Klas­se hö­her zu Klas­se 2B.“MySugr ist die ers­te App, die so ei­ne Zer­ti­fi­zie­rung er­hält. Es wird auch ei­ne Online-schu­lung für Typ-2-dia­be­ti­ker an­ge­bo­ten, de­ren Kos­ten von der So­zi­al­ver­si­che­rung über­nom­men wer­den (sie­he Kas­ten links).

FI­NANZ­SPRIT­ZE. Erst kürz­lich er­hielt das Start-up ei­ne Fi­nanz­sprit­ze in Hö­he von 4,2 Mil­lio­nen Eu­ro. Zu den Geld­ge­bern zähl­ten Alt-in­ves­tor „Xlhe­alth“, „Ro­che Ven­tures“und „ise­ed Ven­tures“. Die In­ves­ti­tio­nen sol­len in die in­ter­na­tio­na­le Ex­pan­si­on ge­steckt wer­den. Die größ­te Wachs­tums­chan­ce rech­net sich Mysugr da­bei in den USA aus. Im­mer­hin gibt es hier die meis­ten Dia­be­ti­ker. -

Mysugr hat ein ei­ge­nes Online

Trai­ning für Dia­be­ti­ker ent­wi­ckelt, das von der

SVA be­zahlt wird

„Zwi­schen den ärzt­li­chen Checks ist man auf sich selbst ge­stellt. Des­we­gen sind Aus­bil­dung und Mo­ti­va­ti­on der Pa­ti­en­tin­nen und Pa­ti­en­ten wich­tig.“

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