56 DAS SAGT DER BE­FUND

Kurier_Diabetes - - INHALT - MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Was die An­ga­ben bei Blut­ana­ly­sen be­deu­ten

wel­che la­bor­wer­te bei ei­ner Blut­un­ter­su­chung für die Dia­be­tes-dia­gno­se wich­tig sind, wo die grenz­wer­te lie­gen und war­um

Ärz­te lie­ber von ziel­be­rei­chen spre­chen.

Der vor­gang ist be­währ­te rou­ti­ne. liegt ein ver­dacht auf Dia­be­tes vor, wird ei­ne Blut­ab­nah­me an­ge­ord­net, um die für die Dia­gno­se wich­ti­gen wer­te zu er­mit­teln. Die sind den pa­ti­en­ten zu Be­ginn oft un­ver­ständ­lich. Die ge­naue in­ter­pre­ta­ti­on liegt selbst­ver­ständ­lich beim be­han­deln­den Arzt. wenn ein ein­zel­ner wert von der norm ab­weicht, muss das nicht gleich et­was schlim­mes be­deu­ten. Die wer­te kön­nen durch ver­schie­de­ne fak­to­ren, wie Al­ter, be­reits be­ste­hen­den Er­kran­kun­gen und me­di­ka­men­ten, be­ein­flusst wer­den. „wir Ärz­te sind be­son­ders ge­for­dert, dass be­reits leicht er­höh­te Blut­zu­cker­wer­te un­se­re Auf­merk­sam­keit be- kom­men“, sagt Chris­ti­an schelks­horn, Dia­be­tes-spe­zia­list und lei­ter der i. me­di­zi­ni­schen Ab­tei­lung im kran­ken­haus sto­ckerau.

WER­TE ER­MIT­TELN. Bei ei­nem er­höh­ten nüch­tern­blut­zu­cker (>100 mg/dl) wird auch ein ora­ler glu­ko­se­to­le­ranz­test durch­ge­führt. Da­zu trinkt man 75 gramm glu­ko­se mit 250-350 ml was­ser, nach zwei st­un­den wird der Blut­wert be­stimmt. so­wohl ein ho­her nüch­tern­wert (>126 mg/dl) als auch ein er­höh­ter 2stun­den-wert (>200 mg/dl) spre­chen für das vor­lie­gen ei­nes Dia­be­tes. Bei wer­den­den müt­tern wird die­ser test eben­falls durch­ge­führt, denn wäh­rend der schwan­ger­schaft kann ein so­ge­nann­ter ge­sta­ti­ons­dia­be­tes auf­tre­ten, der aber meist di­rekt nach der Ent­bin­dung auch wie­der ver­schwin­det.

ZIELBEREICHE FEST­LE­GEN. für Dia­be­ti­ker ist vor al­lem der so­ge­nann­te hba1c-wert wich­tig. je hö­her die Blut­zu­cker­wer­te sind und je län­ger sie er­höht blei­ben, des­to mehr hba1c ent­steht. Die­ser wert wird an den ro­ten Blut­kör­per­chen ge­mes­sen, die kon­ti­nu­ier­lich ab- und wie­der auf­ge­baut wer­den. Die­ser wech­sel pas­siert al­le acht wo­chen. macht man die un­ter­su­chun­gen al­le drei mo­na­te, er­hält man ei­nen re­prä­sen­ta­ti­ven wert, der die ak­tu­el­le si­tua­ti­on wi­der­spie­gelt. „mir ist wich­tig, dass wir von ziel­be­rei­chen spre­chen und nicht von ziel­wer­ten. Der zu­cker ist ei­ne dy­na­mi­sche grö­ße. Ein gu­ter hba1c muss in­di­vi­du­ell vom pa­ti­en­ten mit dem Arzt be­spro­chen wer­den. rea­lis­ti­sche zielbereiche müs­sen ver­ein­bart und an­ge­steu­ert wer­den“, so schelks­horn. Die­se kann man im rah­men der the­ra­pie­ent­wick­lung an­pas­sen.

Bei ei­ner schon be­ste­hen­den krank­heit hel­fen die la­bor­wer­te auch, den ver­lauf und die the­ra­pie der Er­kran­kung zu be­ur­tei­len. typ-2Dia­be­ti­ker be­nö­ti­gen bei ei­nem hba1c un­ter 6,5 kei­ne me­di­ka­men­tö­se in­ter­ven­ti­on, je­doch wird der wert lau­fend eva­lu­iert. steigt er an, müs­sen me­di­ka­men­te ein­ge­setzt wer­den. zu­sätz­lich wer­den Cho­le­ste­rin, nie­re und schild­drü­se im Au­ge be­hal­ten. »

Nüch­ternglu­ko­se wird bei je­der Ge­sun­den- und Rou­ti­nela­bor­un­ter­su­chung er­ho­ben. Der Wert gibt den Zu­cker­ge­halt im Blut an. Er gilt er­höht, wenn er mehr als 100 mg/dl aus­macht, je­doch we­ni­ger als 125 mg/dl. Ma­ni­fes­ter Dia­be­tes lässt sich bei ei­nem Wert, der an zwei ver­schie­de­nen Ta­gen hö­her als 126 mg/dl ge­mes­sen wird, dia­gnos­ti­zie­ren. Der Hba1c-wert er­laubt ei­nen Rück­schluss auf die Blut­zu­cker­ein­stel­lung der letz­ten drei Mo­na­te. Er ist die pri­mä­re Richt­grö­ße der Stoff­wech­sel­kon­trol­le und der wich­tigs­te Wert für Dia­be­ti­ker. Je län­ger die Blut­zu­cker­wer­te er­höht blei­ben, des­to mehr Hba1c ent­steht. Er soll­te im Re­gel­fall nicht mehr als 6,5 Pro­zent be­tra­gen. Die Ziel­wer­te sind aber mög­lichst in­di­vi­du­ell an den Pa­ti­en­ten an­zu­pas­sen. In­su­lin bringt Zu­cker im Blut in die Kör­per­zel­len. Dies ver­hin­dert ein star­kes An­stei­gen der Blut­zu­cker­wer­te. Der ora­le Glu­ko­se­to­le­ranz­test zeigt, ob die­ser Mecha­nis­mus ge­stört ist. Zwei St­un­den nach dem Trin­ken ei­ner Zu­cker­lö­sung von 75 Gramm Glu­ko­se in 250-350 ml Was­ser soll der Wert nicht hö­her sein als 140 mg/dl. Ein Ver­dacht auf Dia­be­tes be­stä­tigt sich bei ei­nem Wert von mehr als 200 mg/dl. Cho­le­ste­rin er­füllt wich­ti­ge Funk­tio­nen im Kör­per und wird vor al­lem in der Le­ber ge­bil­det. Schäd­lich ist es erst dann, wenn zu viel von der zu den Fet­ten zäh­len­den Sub­stanz im Blut ist. Es er­höht das Ri­si­ko für ei­ne Ar­te­ri­en­ver­kal­kung – und da­mit auch das für Herz-kreis­lauf-krank­hei­ten. Pri­mä­res Ziel wä­re ei­nen Wert un­ter 200 mg/dl zu er­rei­chen, we­ni­ger als 150 mg/dl wä­ren op­ti­mal.

Denn häu­fig kom­men bei Typ-2-dia­be­ti­kern auch Fett­stoff­wech­sel­er­kran­kung und Blut­hoch­druck vor, was sich un­güns­tig auf die gro­ßen Ge­fä­ße aus­wirkt. Die mit Ab­stand häu­figs­ten For­men der Lang­zeit­kom­pli­ka­tio­nen sind Herz­er­kran­kun­gen. Um das Ri­si­ko für sol­che Spät­fol­gen recht­zei­tig er­ken­nen zu kön­nen, ist es wich­tig, re­gel­mä­ßi­ge Blut­bil­der zu er­stel­len. Ver­hin­dern kann man Be­glei­ter­kran­kun­gen nicht im­mer durch ei­ne Ve­rän­de­rung des Le­bens­stils, Be­we­gung und rich­ti­ge Er­näh­rung. Bei man­chen Pa­ti­en­ten ist zu­sätz­lich ei­ne me­di­ka­men­tö­se The­ra­pie not­wen­dig, um die ent­spre­chen­den Wer­te im Rah­men zu hal­ten.

Le­bens­stil­be­ra­tung und Schu­lung hän­gen laut Ös­ter­rei­chi­scher Dia­be­tes Ge­sell­schaft (ÖDG) mit ei­ner Ver­bes­se­rung der Wer­te zu­sam­men. Sie ste­hen des­we­gen am An­fang der The­ra­pie­maß­nah­men für Pa­ti­en­ten mit Typ-2-dia­be­tes.

Die ÖDG hat ge­mein­sam mit Dia­be­to­lo­gen und auf Ba­sis ak­tu­el­ler wis­sen­schaft­li­cher Er­kennt­nis­se ei­ge­ne Leit­li­ni­en fest­ge­legt. Sie sind un­ter www.oedg.org ab­ruf bar. Nach de­ren Vor­la­ge wur­den die Wer­te des Mus­ter­la­bor­be­funds er­klärt.

Blut­ab­nah­me ist der ers­te Schritt der Dia­be­tes-un­ter­su­chung

Ei­ne Blut­un­ter­su­chung ist die Ba­sis der Dia­be­tesDia­gno­se

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