92 DIA­BE­TES IM KRAN­KEN­HAUS

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Wie hier Kos­ten ein­ge­spart wer­den könn­ten

Mit ei­nem mo­der­nen Dia­be­tes-ma­nage­ment kann die Be­hand­lungs­zeit im Spi­tal deut­lich ge­senkt wer­den.

Es be­darf ei­ner Team-ar­beit von Ärz­ten, Diä­to­lo­gen und Schu­lungs­per­so­nal. Ide­al wä­re auch ei­ne psy­cho­lo­gi­sche Be­treu­ung und Be­we­gungs-coa­ches“, sagt Alex­an­dra Kautz­ky-wil­ler von der Ab­tei­lung für En­do­kri­no­lo­gie und Stoff­wech­sel der Uni­ver­si­täts­kli­nik für In­ne­re Me­di­zin III der Me­du­ni Wi­en auf die Fra­ge, wie gu­tes Dia­be­tes­ma­nage­ment im Kran­ken­haus aus­se­hen soll­te. Pa­ti­en­ten soll­ten im­mer wie­der mo­ti­viert und ent­spre­chend ih­rer Le­bens­be­din­gun­gen in­for­miert und un­ter­stützt wer­den. Si­cher­lich muss man aber be­den­ken, dass da­für aus­rei­chend Zeit und Per­so­nal wich­tig ist, das ent­spre­chend ho­no­riert wird. Gibt es das in Ös­ter­reich? Nur be­dingt – da sind sich Ex­per­ten ei­nig. „Es fehlt den Ärz­ten lei­der im­mer mehr an Zeit, Men­schen in­di­vi­du­ell und per­sön­lich be­ra­ten zu kön­nen. Man wird im Ge­sund­heits­sys­tem auf Dau­er nicht dar­um her­um­kom­men, ge­zielt mehr Be­we­gungs­be­ra­ter ein­zu­set­zen“, rät et­wa Jo­sef Nie­bau­er, Prä­si­dent der ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Sport­me­di­zin und Prä­ven­ti­on.

ZER­TI­FI­KAT. Neue Un­ter­su­chun­gen zei­gen, dass Dia­be­tes die Lie­ge­zei­ten im Spi­tal um fast zwei Ta­ge ver­län­gert. Die Be­hand­lungs­kos­ten stei­gen laut Stu­di­en, vor­ge­stellt von der Ame­ri­can Dia­be­tes As­so­cia­ti­on, zu­gleich um 17 Pro­zent. Ein Dia­be­tes-ma­nage­ment, wie es in Deutsch­land von Kli­ni­ken mit dem Zer­ti­fi­kat „Kli­nik für Dia­be­te­s­pa­ti­en­ten ge­eig­net“an­ge­bo­ten wird, könn­te nach Ein­schät­zung der Deut­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft (DDG) die Be­hand­lungs­er­geb­nis­se ver­bes­sern und ei­nen Bei­trag zur Wirt­schaft­lich­keit leis­ten. Sie mes­sen bei je­dem Pa­ti­en­ten zu Be­ginn den Blut­zu­cker.

„Pa­ti­en­ten mit Dia­be­tes sind häu­fig gar nicht als sol­che be­kannt. Sie wer­den we­gen ih­rer Dia­be­tes­kom­pli­ka­tio­nen be­han­delt, aber Dia­be­tes wird nicht von An­fang an mit­be­han­delt“, er­klärt Ddg-prä­si­dent Bap­tist Gall­witz. Es be­nö­ti­ge dia­be­tes­qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal auf al­len Sta­tio­nen, um ei­ne schnel­le Blut­zu­cker­nor­ma­li­sie­rung zu er­rei­chen. Ein sol­ches Zer­ti­fi­kat gibt es in Ös­ter­reich nicht. Auf An­fra­ge im Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um wur­de auf das Pro­gramm „The­ra­pie Ak­tiv – Dia­be­tes im Griff “für Typ-2-dia­be­ti­ker hin­ge­wie­sen. Es soll die Qua­li­tät der Be­treu­ung und des Be­hand­lungs­ab­lau­fes bei der Ver­sor­gung vor al­lem im nie­der­ge­las­se­nen Be­reich ver­bes­sern.

SCHU­LUNG. In der Dia­be­tes-schu­lung lernt man, sei­ne Er­kran­kung gut zu ma­na­gen. Das be­inhal­tet ei­ne ge­sun­de Le­bens­füh­rung, re­gel­mä­ßi­ge Stoff­wech­sel­kon­trol­len und den rich­ti­gen Um­gang mit Me­di­ka­men­ten, auch in be­son­de­ren Si­tua­tio­nen wie zum Bei­spiel auf Rei­sen oder bei Krank­heit. Bei Dia­be­tes Typ-1 ist es be­son­ders wich­tig, den Koh­len­hy­drat­an­teil in der Nah­rung sehr ge­nau ab­schät­zen zu kön­nen und die In­su-

lin­do­sen rich­tig an­zu­pas­sen. Bei Dia­be­tes Typ-2 geht es dar­um, Über­ernäh­rung zu ver­mei­den und die Me­di­ka­men­te rich­tig ein­zu­set­zen. Für An­ge­hö­ri­ge emp­fiehlt sich ein Ers­te-hil­fe-kurs, um im Not­fall rich­tig und schnell han­deln zu kön­nen. In den Ers­te-hil­fe-kur­sen des Ro­ten Kreu­zes wird das The­ma Dia­be­tes im Zu­ge der „aku­ten Not­fäl­le“durch­ge­nom­men, so­dass die Teil­neh­mer ei­ne mög­li­che Blut­zu­cke­rent­glei­sung er­ken­nen und über die Ers­te-hil­feMaß­nah­men Be­scheid wis­sen.

Im Kur­s­pro­gramm des Aus­bil­dungs­zen­trums des Wie­ner Ro­ten Kreu­zes wird Be­treu­ungs­ein­rich­tun­gen auch ei­ne acht­stün­di­ge Schu­lung für das Per­so­nal an­ge­bo­ten. „Wir ge­ben dem The­ma Dia­be­tes in der Au­sund Wei­ter­bil­dung ei­nen gro­ßen Stel­len­wert. Wir tra­gen da­mit zur Be­wusst­seins­bil­dung und Prä­ven­ti­on bei. Da ist es uns sehr wich­tig, dass wir im Dia­log mit un­se­ren Kli­en­ten im­mer wie­der dar­auf hin­wei­sen“, so die Lei­te­rin Karin Dau­bek. «

In Ös­ter­reich dau­ern die Spi­tals­auf­ent­hal­te viel zu lan­ge. Bei Dia­be­tes wä­ren sie leicht zu kür­zen

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