98 DIA­BE­TES UND SPORT

Kurier_Diabetes - - INHALT - MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

War­um Be­we­gung in je­der Al­ters­stu­fe hilft

Ge­ra­de bei Dia­be­tes Typ-2 wirkt sich Be­we­gung schon in klei­nem Um­fang po­si­tiv auf den Kör­per aus. Oft reicht schon ein Spa­zier­gang,

um sich bes­ser zu füh­len.

Man muss kei­nen Ma­ra­thon lau­fen, um fit zu sein. Ganz oh­ne die Über­win­dung des in­ne­ren Schwei­ne­hun­des geht es aber nicht. Jo­sef Nie­bau­er, Prä­si­dent der ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Sport­me­di­zin und Prä­ven­ti­on, er­klärt, wie­so Be­we­gung so wich­tig ist. Ab wann gilt man denn als fit? Jo­sef Nie­bau­er: Wenn es mög­lich ist, ei­nen Rad­ausf lug oder ei­ne Wan­de­rung zu ma­chen, oh­ne da­nach völ­lig er­schöpft zu sein. Man kann na­tür­lich sa­gen, ein Watt pro Kör­per­gramm soll­te man auf ei­nem Fahr­rad tre­ten kön­nen. Aber das ist re­la­tiv.

Wie kann man den Ri­si­ko­fak­tor Über­ge­wicht er­folg­reich be­kämp­fen?

Bei Über­ge­wicht nimmt man mehr Ka­lo­ri­en zu sich, als man ver­brennt. Man hat zwei Mög­lich­kei­ten: Ent­we­der man nimmt we­ni­ger Ka­lo­ri­en zu sich – aber das scheint nicht zu funk­tio­nie­ren, denn die Hälf­te der Be­völ­ke­rung ist über­ge­wich­tig. Oder aber man macht Sport, weil man da­durch den Ka­lo­ri­en­ver­brauch stei­gert.

Wie er­klä­ren Sie ei­nem Lai­en den po­si­ti­ven Ef­fekt des Ka­lo­ri­en­ver­brauchs?

Zu­cker geht in die Mus­ku­la­tur und wird dort ver­stoff­wech­selt. Je mehr Mus­keln man hat, des­to mehr kann man auf­neh­men und des­to we­ni­ger Zu­cker ist im Blut. Selbst leich­tes Wan­dern oder Nor­dic Wal­king führt schon qua­li­ta­tiv zu ei­ner bes­se­ren Mus­ku­la­tur. Mit je­dem Schritt ge­winnt man da­zu.

Kommt Sport ei­nem Me­di­ka­ment gleich?

Für Pa­ti­en­ten, die ih­ren Be­we­gungs­plan ernst neh­men, dient Sport als ein wei­te­res The­ra­peu­ti­kum. In­dem man es ver­nünf­tig ein­setzt und stei­gert, kann man oft­mals tat­säch­li­che Me­di­ka­men­te re­du­zie­ren.

Wie viel Be­we­gung ist gut?

Die WHO emp­fiehlt, an drei bis sie­ben Ta­gen in der Wo­che zwi­schen 30 und 60 Mi­nu­ten kör­per­lich ak­tiv zu sein. Das Ziel sind ins­ge­samt 2,5 St­un­den in der Wo­che. Man soll beim Sport zu­min­dest leicht schwitzen und durch­aus kurz­at­mig sein, aber wei­ter­hin re­den kön­nen – et­wa beim Lau­fen.

Wenn man nie Sport ge­macht hat, wo­mit fängt man am bes­ten an?

Es ist wich­tig, ge­müt­lich an­zu­fan­gen, da­mit sich der Kno­chen­bau und das ge­sam­te Herz-kreis­lauf-sys­tem mit der neu­en Be­las­tung mit­ent­wi­ckeln kön­nen. Man geht ein­fach mal wie­der spa­zie­ren und do­siert dann lang­sam die Geh­stre­cken auf. Es ist durch­aus mög­lich, sich ein Fern­ziel zu set­zen. In­dem man zum Bei­spiel sagt, man möch­te in ei­nem Jahr auf ei­nem Berg­gip­fel ste­hen oder bei ei­nem Lauf mit­ma­chen.

Wie sieht ei­ne gu­te Be­ra­tung aus?

Vie­le ha­ben Angst vor der Be­we­gung, aber nicht da­vor, nichts zu tun. Hier muss man auf klä­ren. Es fehlt den Ärz­ten aber lei­der im­mer mehr an Zeit, Men­schen in­di­vi­du­ell und per­sön­lich be­ra­ten zu kön­nen. Man wird im Ge­sund­heits­sys­tem auf Dau­er nicht dar­um her­um­kom­men, ge­zielt mehr Be­we­gungs­be­ra­ter ein­zu­set­zen. Je­mand, der jahr­zehn­te­lang nichts ge­macht hat, wird sei­nen Le­bens­stil nicht plötz­lich von al­lei­ne än­dern kön­nen. Das ist ein har­ter Kampf und da­zu wür­de es die ent­spre­chen­de Be­glei­tung be­nö­ti­gen. Im Ide­al­fall ken­nen Be­we­gungs­be­ra­ter die In­fra­struk­tur vor Ort und kön­nen Tipps für Be­ra­tungs­stel­len, Trai­nings­plan und Aus­rüs­tung ge­ben.

Wo kann man sich ab­seits der Be­we­gungs­be­ra­tung Mo­ti­va­ti­on ho­len?

Neue Tech­no­lo­gi­en kann man si­cher ge­winn­brin­gend nut­zen. Es gibt schon gu­te Han­dy-apps, die neu­en Schwung brin­gen. Zum Bei­spiel kön­nen sie ei­nen dar­an er­in­nern, sich wie­der ein­mal zu be­we­gen. Da­mit wird man aber nicht je­de Al­ters­grup­pe er­rei­chen kön­nen.

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Jo­sef Nie­bau­er, Prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Sport­me­di­zin und Prä­ven­ti­on

„Selbst leich­tes Wan­dern oder Nor­dic Wal­king führt schon qua­li­ta­tiv zu ei­ner bes­se­ren Mus­ku­la­tur. Da­mit kann der Kör­per mehr Zu­cker ver­bren­nen.“

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