34 IMP­FUNG GE­GEN DIA­BE­TES

Kurier_Diabetes - - INHALT - CHRIS­TO­PHER FER­NER

So will die Me­di­zin die Krank­heit be­sie­gen

Die Blut­zu­cker-mes­sung oh­ne Ste­chen kommt in we­ni­gen Wo­chen, die künst­li­che Bauch­spei­chel­drü­se in zwei Jah­ren. An ei­ner In­su­lin-imp­fung ge­gen

Dia­be­tes Typ-1 wird in­ten­siv ge­forscht.

Herz-kreis­lauf-er­kran­kun­gen ge­hö­ren für Per­so­nen mit ei­nem Typ-2-dia­be­tes zu den ge­fürch­te­ten Lang­zeit­kom­pli­ka­tio­nen. Ei­ne Stu­die der Eu­ro­pean As­so­cia­ti­on for the Stu­dy of Dia­be­tes gab da­her Grund zur Freu­de: Das Me­di­ka­ment Em­paglif­lo­zin schützt dem­nach ne­ben der blut­zu­cker­sen­ken­den Wir­kung auch vor Her­zK­reis­lauf-er­kran­kun­gen, weil der Blut­druck ge­senkt wird. Zu­dem ent­steht ein Ka­lo­ri­en­ver­lust, was ei­ne Ge­wichts­ab­nah­me für den Pa­ti­en­ten be­deu­tet.

Die Er­geb­nis­se der Stu­die sei­en laut der Deut­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft ei­ne „maß­geb­li­chen Än­de­rung“in der Be­hand­lung des Typ-2Dia­be­tes. Dar­über hin­aus sind der­zeit über 200 Me­di­ka­men­te in der For rschungs­pha­se.

KÜNST­LI­CHE BAUCH­SPEI­CHEL­DRÜ­SE.

„Ein sehr gro­ßer Fort­schritt, der mei­ner Mei­nung nach in ab­seh­ba­rer Zeit kom­men wird, ist die künst­li­che Bauch­spei­chel­drü­se in Form ei­ner selbst­re­gu­lie­ren­den Pum­pe“, sagt Dirk Mül­ler-wie­land, Vi­ze­prä­si­dent der Deut­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft. Da­bei wür­de der Glu­ko­se­ge­halt au­to­ma­tisch und kon­ti­nu­ier­lich ge­mes­sen. Die­se In­for­ma­tio­nen wür­den dann über die ent­spre­chen­de Tech­no­lo­gie an die Pum­pe ge­kop­pelt wer­den, wel­che die In­su­lin­do­sis von al­lei­ne an­pas­sen wür­de. Da­mit hät­te man zum ers­ten Mal ein fast ge­schlos­se­nes Sys­tem. Der­zeit wird noch ge­tes­tet, wie si­cher das Sys­tem ist und ob es tat­säch­lich auch bes­ser funk­tio­niert als die ei­gen­hän­di­geg g In­su­linab­ga­be.g „ Die For­schung ist da al­ler­dings schon sehr weit und die Er­geb­nis­se schei­nen viel­ver­spre­chend zu sein. Ich den­ke, dass die­ses Sys­tem in den nächs­ten zwei Jah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen könn­te“, so Mül­lerWie­land.

Was es schon gibt, sind CGMGe­rä­te, die den Glu­ko­se­wert über ei­nen Sen­sor im Un­ter­haut­fett­ge­we­be am Arm oder am Bauch stän­dig mes­sen kön­nen. Doch sie gel­ten eher als Er­gän­zung zur her­kömm­li­chen Blut­zu­cker­mes­sung, da die Mes­sung nicht in Echt­zeit pas­siert. Auch In­su­lin­pum­pen, die an ein Cgm-ge­rät ge­kop­pelt sind, sind be­reits er­hält­lich. Markt­füh­rer in Ös­ter­reich ist da­bei Med­t­ro­nic. Die neu­es­te Pum­pe des Un­ter­neh­mens ( Mi­ni­med 640g) kann ei­ne hal­be St­un­de im Vor­aus be­rech­nen, wann der Blut­zu­cker zu fal­len droht und die In­su­linab­ga­be dar­auf hin au­to­ma­tisch an­hal­ten. Auch könn­ten in­ha­la­ti­ve In­su­li­ne Dia­be­ti­kern das Le­ben zu­künf­tig er­leich­tern.

Seit Au­gust ist in Ös­ter­reich ein neu­ar­ti­ges Ge­rät von Ab­bot Dia­be­tes Care auf dem Markt: das Free­style Lib­re Mess­sys­tem. Ein ein­fa­cher Scan ei­nes Sen­sors am Ober­arm mit­tels Le­se­ge­rät er­mög­licht die re­gel­mä­ßi­ge und ge­naue Blut­zu­cker­mes­sung oh­ne Fin­ger­ste­chen. Ne­ben dem ak­tu­el­len Wert zeigt es das Glu­ko­se­pro­fil der letz­ten acht St­un­den und ei­nen Trend­pfeil für die Ent­wick­lung in der nä­he­ren Zu­kunft an. Um das Sys­tem be­nut­zen zu kön­nen, ist ei­ne Ein­schu­lung not­wen­dig. Ein Start­pa­ket mit Le­se­ge­rät und »

zwei Sen­so­ren kos­tet 169,90 Eu­ro. Für ei­ne Re­fi­nan­zie­rung durch die Kran­ken­kas­sen lau­fen aber schon die da­für not­wen­di­gen Ge­sprä­che mit den zu­stän­di­gen Be­hör­den. Der­zeit ver­wen­den rund 700 Pa­ti­en­ten in Ös­ter­reich das Sys­tem.

In den USA sind die­se be­reits zu­ge­las­sen. Ge­ra­de wenn zwi­schen­durch ei­ne zu­sätz­li­che Do­sis In­su­lin ge­braucht wird, könn­te man die In­jek­ti­on mit­tels ei­ner Na­del um­ge­hen.

SMART-IN­SU­LIN. Ein ganz neu­es Kon­zept ist das „Smart-in­su­li­ne“: Da­bei wird ei­ne Do­sis In­su­lin in­ji­ziert, die als De­pot die­nen wür­de. Es wä­re an ei­nen Trä­ger ge­bun­den, aus dem das In­su­lin dann nur Glu­ko­se ab- hän­gig frei­ge­setzt wird. Sprich nur dann, wenn es ge­braucht wird. Gleich­zei­tig wür­de die­ser Trä­ger wie­der ge­bun­den und re­gu­liert wer­den, soll­te der Blut­zu­cker nach un­ten ge­hen. „Smart-in­su­li­ne“steckt al­ler­dings noch in der Ent­wick­lung. Viel­ver­spre­chend scheint die For­schung an ei­nem so­ge­nann­ten Bio-re­ak­tor. An der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Dresden ist es For­schen­den vom Deut­schen Zen­trum für Dia­be­tes­for­schung ge­lun­gen, ei­nen Typ-1Pa­ti­en­ten zehn Mo­na­te lang mit In­su­lin aus ei­nem im­plan­tier­ten Bi­oRe­ak­tor zu ver­sor­gen. In die­ser Kap­sel be­fin­den sich ge­spen­de­te Be­ta­zel­len, die den Kör­per je nach Be­darf au­to­ma­tisch mit In­su­lin ver­sor­gen.

Ei­ne spe­zi­el­le Mem­bran schützt die Zel­len vor An­grif­fen des Im­mun­sys­tems. Ei­ne Fol­ge­stu­die mit mehr Pa­ti­en­ten ist zu­sam­men mit dem King’s Col­le­ge Lon­don ge­plant und soll in Kür­ze star­ten.

IN­SU­LIN-IMP­FUNG. For­scher vom Helm­holtz Zen­trum München und vom Paul-lan­ger­hans-in­sti­tut Dresden ge­mein­sam mit in­ter­na­tio­na­len Ko­ope­ra­ti­ons­part­nern konn­ten durch ora­le Ga­be von In­su­lin ei­ne po­si­ti­ve Aus­wir­kung bei Kin­dern mit er­höh­tem Dia­be­tes­ri­si­ko er­zeu­gen. Das In­su­lin wur­de den Kin­dern pro­phy­lak­tisch als Impf­stoff zu ei­nem Zeit­punkt ver­ab­reicht, an dem sie noch kei­ne Au­to­im­mun­re­ak­ti­on

ent­wi­ckelt hat­ten. Ziel die­ser „In­su­lin-imp­fung“ist, ei­ne Im­mun­to­le­ranz ge­gen kör­per­ei­ge­ne Pro­te­ine zu ent­wi­ckeln. Da­durch soll ei­ne Au­to­im­mun­re­ak­ti­on, die zum Typ-1Dia­be­tes füh­ren kann, ver­hin­dert wer­den. „Die­se Imp­fung wä­re für Kin­der denk­bar, die Vor­be­din­gun­gen, zum Bei­spiel ge­ne­ti­sche Aspek­te, zur Ent­wick­lung ei­nes Typ-1Dia­be­tes er­fül­len“, er­klärt Mar­tin Hr­a­bě de An­ge­lis vom Deut­schen Zen­trum für Dia­be­tes­for­schung. In der Nach­fol­ge­stu­die soll nun ge­tes­tet wer­den, ob sich die­ser Ef­fekt mit ora­lem In­su­lin bei Klein­kin­dern be­stä­ti­gen lässt. Typ-1-dia­be­tes könn­te so dau­er­haft ver­hin­dert wer­den. -

Beim Sys­tem Free Style Lib­re er­setzt ein Sen­sor am Ober­arm das Fin­ger­ste­chen bei der Glu­ko­se­mes­sung. Für Dia­be­ti­ker bringt das Sys­tem ei­ne deut­li­che Er­leich­te­rung

Ei­ne In­su­linImp­fung soll Kin­der künf­tig vor Dia­be­tes Typ-1 schüt­zen

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.