108 PIZ­ZA TRIFFT BUR­GER

Kurier_Diabetes - - INHALT - WER­NER STURMBERGER

Was Dia­be­ti­ker noch es­sen dür­fen

Was darf ich als Dia­be­ti­ker noch es­sen? Die Ant­wort ist ein­fach: ge­sund, aus­ge­wo­gen und ab­wechs­lungs­reich. ge­nau wie men­schen oh­ne Dia­be­tes, auch wenn es ei­ni­ge De­tails zu be­ach­ten gilt.

Es kommt dar­auf an, von wel­chem Dia­be­ti­ker-typ man spricht“, ant­wor­tet die Diä­to­lo­gin Eli­sa­beth pail auf die fra­ge, ob Dia­be­ti­ker und Dia­be­ti­ke­rin­nen ei­ne spe­zi­el­le Er­näh­rungs­wei­se ein­hal­ten müss­ten. typ-1-dia­be­ti­ker wür­den in der re­gel in recht jun­gem Al­ter er­kran­ken und sei­en in der re­gel schlank.

Bei typ-2-dia­be­ti­kern sei häu­fig schlech­te Er­näh­rung, Be­we­gungs­man­gel und dar­aus re­sul­tie­ren­des Über­ge­wicht die ur­sa­che der Er­kran­kung. in sol­chen fäl­len ist be­son­ders auf die Er­näh­rung zu ach­ten, um et­wa ei­ne emp­foh­le­ne ge­wichts­re­duk­ti­on zu er­zie­len. ge­ne­rell gilt aber: „so et­was wie ei­ne »

Dia­be­ti­ker-di­ät gibt es nicht. Für Dia­be­ti­ker gel­ten die­sel­ben Er­näh­rungs­emp­feh­lun­gen wie auch für Men­schen, die nicht von der Krank­heit be­trof­fen sind.“

NICHT JE­DER ZU­CKER IST GLEICH.

Wenn­gleich prin­zi­pi­ell al­le Nah­rungs­mit­tel er­laubt sind, soll­ten Dia­be­ti­ker aber ei­ni­ge Din­ge be­ach­ten. Ma­xi­mal zehn Pro­zent der täg­li­chen Ka­lo­ri­en­men­ge soll­ten als Zu­cker und die­ser wie­der­um nicht in iso­lier­ter Form zu­ge­führt wer­den, um zu ho­he Blut­zu­cker­spie­gel zu ver­mei­den.

Von spe­zi­el­len Nah­rungs­mit­teln für Dia­be­ti­ker rät sie aber ab. Oft ent­hal­ten die Pro­duk­te grö­ße­re Men­gen Fett und da­her mehr Ka­lo­ri­en, mehr künst­li­che Aro­men und häu­fig auch Fruk­to­se. Die­ser lässt den Blut­zu­cker­spie­gel lang­sa­mer und we­ni­ger stark an­stei­gen als et­wa Kris­tal­lo­der Trau­ben­zu­cker. Um den Frucht­zu­cker ab­zu­bau­en, brau­chen in­su­lin­pflich­ti­ge Dia­be­ti­ker da­her we­ni­ger In­su­lin. Un­ter­su­chun­gen zei­gen aber, dass Fruk­to­se als Sü­ßungs­mit­tel (et­wa in Fer­tig­pro­duk­ten, Soft­drinks und Le­bens­mit­teln für Dia­be­ti­ker) stär­ker als an­de­re Zu­cker die Ge­wichts­zu­nah­me be­güns­tigt. Der welt­wei­te An­stieg des Fruk­to­se-ver­zehrs gilt ne­ben ho­her Fett­zu­fuhr und Ab­nah­me der kör­per­li­chen Ak­ti­vi­tät als wahr­schein­lichs­te Ur­sa­che für Adi­po­si­tas und das me­ta­bo­li­sche Syn­drom (ge­mein­sa­mes Auf­tre­ten von Über­ge­wicht, Fett­stoff­wech­sel­stö­run­gen, Blut­hoch­druck und In­su­lin­re­sis­tenz).

Der na­tür­lich in Obst vor­kom­men­de Frucht­zu­cker ist da­ge­gen un­pro­ble­ma­tisch. In Deutsch­land wur­de da­her be­reits 2010 ein Ver­bot der Dia­be­ti­ker-le­bens­mit­tel be­schlos­sen. „Vie­le Dia­be­ti­ker grei­fen im Glau­ben, sich da­mit et­was Gu­tes zu tun, zu die­sen Pro­duk­ten. Es gibt aber kei­nen Grund, sie zu ver­wen­den. Sie sind teu­rer und brin­gen kei­nen Vor­teil“, re­sü­miert Pail.

WAS SOLL ICH ES­SEN. Bei ge­naue­rem Hin­se­hen ent­pup­pen sich man­che Le­bens­mit­tel als re­gel­rech­te Zu­cker-fal­len. Vor al­lem Soft­drinks soll­ten auf­grund des ho­hen Zu­cker­und da­mit auch Ka­lo­ri­en­ge­halts ge­mie­den wer­den. Selbst „Well­nes­sDrinks“, die mit Wohl­be­fin­den und im­pli­zit mit Ge­sund­heit wer­ben, ent­hal­ten ver­gleichs­wei­se ho­he Men­gen an Zu­cker. Ne­ben of­fen­sicht­li­chen Zu­cker­bom­ben wie Sü­ßig­kei­ten wei­sen aber auch vie­le Le­bens­mit­tel, bei de­nen man das nicht so­fort ver­mu­ten wür­den, gro­ße Men­gen an „sü­ßen“Koh­len­hy­dra­ten auf: Müs­liMi­schun­gen, Frucht­jo­ghurt, But­ter­milch- und Mol­ke-pro­duk­te so­wie vie­le Fer­tig­ge­rich­te. Häu­fig wer­de, so Pail, auch der Zu­cker­ge­halt von Obst un­ter­schätzt. Früch­te ent­hal­ten nicht nur vie­le Vit­ami­ne und Mi­ne­ral­stof­fe, son­dern auch ei­nen nicht zu un­ter­schät­zen­den Ge­halt an Zu­cker. Be­son­ders hoch ist die­ser bei Wein­trau­ben, Zwetsch­gen und Ba­na­nen. Bee­ren­früch­te ha­ben hin­ge­gen deut­lich we­ni­ger Zu­cker. Da­her soll­te man ma­xi­mal zwei bis drei Por­tio­nen täg­lich ver­zeh­ren. „Ge­ne­rell emp­fiehlt es sich, Le­bens­mit­tel zu kon­su­mie­ren, die den Blut­zu­cker­spie­gel lang­sa­mer an­stei­gen las­sen. Das heißt: stark zu­cker­hal­ti­ge Le­bens­mit­tel und wei­ßes Mehl zu ver­mei­den oder nur in klei­nen Men­gen zu ver­zeh­ren und eher auf bal­last­stoff­rei­che Nah­rungs­mit­tel zu set­zen“, sagt Pail. Die meis­ten Bal­last­stof­fe sind Viel­fach­zu­cker. Das be­deu­tet, sie sind ent­we­der un­oder nur lang­sam ver­dau­lich. Der Blut­zu­cker­spie­gel steigt und sinkt da­her auch we­ni­ger rasch, wo­durch das Sät­ti­gungs­ge­fühl län­ger an­hält. Viel­fach­zu­cker sind vor al­lem in Voll­korn­pro­duk­ten, Hül­sen­früch­ten und Ge­mü­se ent­hal­ten – Le­bens­mit­tel al­so, die auch reich an Vit­ami­nen und Mi­ne­ral­stof­fen sind.

FAST FOOD. Ei­ne der Zu­cker­fal­len ist mit­un­ter auch in fer­tig pro­du­zier­tem Es­sen ver­steckt: „Das Pro­blem ist un­se­re heu­ti­ge Er­näh­rungs­wei­se mit ei­ner Viel­zahl in­dus­tri­ell er­zeug­ter Le­bens­mit­tel, die ein Über­maß an Zu­cker, Fett und Salz ent­hal­ten – und da­mit zu vie­le Ka­lo­ri­en“, ist Bap­tist Gall­witz, Prä­si­dent der Deut­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft über­zeugt. Der Mas­sen­kon­sum an die­sen hoch­ka­lo­ri­schen Pro­duk­ten wür­de da­zu füh­ren, dass in­zwi­schen über die Hälf­te der Deut­schen über­ge­wich­tig ist, so Gall­witz. Der Ka­lo­ri­en­haus­halt der Men­schen wird al­so im­mer mehr ge­stört. Die Zahl der Adi­po­si­tas-pa­ti­en­ten hat sich in den letz­ten 30 Jah­ren ver­dop­pelt. Schon in der Schwan­ger­schaft

kann sich die Fett­sucht der Mut­ter ne­ga­tiv auf das Ba­by aus­wir­ken und sein Ri­si­ko, spä­ter an Dia­be­tes zu er­kran­ken, er­hö­hen.

Da­vor warnt Her­mann To­plak, In­ter­nist und Prä­si­dent der eu­ro­päi­schen Adi­po­si­tas Ge­sell­schaft. Auch er ist der Mei­nung, dass das vie­le stark pro­zes­sier­te Fast Food glo­bal un­ter­schätzt wer­de: „Wir es­sen schnel­ler, sü­ßer und fet­ter. Wenn man sich erst zur Ru­he bringt, wenn man nach Hau­se kommt, dann wird man be­wuss­ter es­sen. Durch die Ru­he schal­tet man das Hirn ein“, rät er.

AL­KO­HOL UND ZI­GA­RET­TEN. Zi­ga­ret­ten ha­ben zwar we­der Ka­lo­ri­en noch Koh­len­hy­dra­te, soll­ten aber den­noch von Dia­be­ti­kern ge­mie­den wer­den: „Dia­be­ti­ker ha­ben ein er­höh­tes Ri­si­ko, an Herz-kreis­laufEr­kran­kun­gen zu er­kran­ken. Niko- tin ist ein zu­sätz­li­cher Ri­si­ko­fak­tor“, er­klärt Pail.

Ähn­li­ches gilt für den Kon­sum von Al­ko­hol: Für die­sen gel­ten bei Dia­be­ti­kern die­sel­ben Ge­fah­ren wie für Nicht-dia­be­ti­ker: to­xi­sche Wir­kung auf das zen­tra­le und pe­ri­phe­re Ner­ven­sys­tem, die Le­ber und an­de­re Or­ga­ne, Al­ko­ho­lis­mus und er­höh­tes Krebs­ri­si­ko beim re­gel­mä­ßi­gen Kon­sum grö­ße­rer Men­gen. „Bei in­su­lin­pflich­ti­gen Dia­be­ti­kern kann ein ho­her Al­ko­hol­kon­sum Hy­po­gly­kämie ver­ur­sa­chen. Die Le­ber ist mit dem Ab­bau des Al­ko­hols be­schäf­tigt und kann da­her kei­nen Zu­cker pro­du­zie­ren“, er­ör­tert die Diä­to­lo­gin. Sie emp­fiehlt da­her ei­nen mo­de­ra­ten Um­gang mit Al­ko­hol, lie­ber leich­te Sprit­zer als Wein zu trin­ken, vor dem Schla­fen­ge­hen noch den Blut­zu­cker zu kon­trol­lie­ren und ge­ge­be­nen­falls noch et­was zu es­sen, um ei­ner Un­ter­zu­cke­rung wäh­rend des Schlafs vor­zu­beu­gen. Typ-2-dia­be­ti­ker, die häu­fig mit Über­ge­wicht zu kämp­fen ha­ben, soll­ten auch auf­grund des Ka­lo­ri­en­ge­halts Al­ko­hol nur in Ma­ßen ge­nie­ßen – ein hal­ber Li­ter Bier hat zum Bei­spiel et­wa 220 Ka­lo­ri­en. Auch wenn es im Volks­mund heißt, dass drei Bier auch ei­ne Mahl­zeit sei­en, soll­te man im Sin­ne ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Er­näh­rung lie­ber zu ge­sün­de­ren Al­ter­na­ti­ven grei­fen. -

Manch­mal darf es auch üp­pig sein, wenn sonst re­gel­mä­ßig Ge­mü­se auf den Tisch kommt

Eli­sa­beth Pail, Diä­to­lo­gin an der FH Jo­an­ne­um Graz

„Für Dia­be­ti­ker gel­ten die­sel­ben Er­näh­rungs­emp­feh­lun­gen wie für Men­schen, die nicht von der Krank­heit be­trof­fen sind.“

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