DIA­BE­TES TYP-1

Kurier_Diabetes - - WISSEN - MAG­DA­LE­NA MEER­GRAF

Welt­weit lei­den rund 40 Mil­lio­nen Men­schen un­ter Dia­be­tes Typ-1, ei­ner Au­to­im­mun­er­kran­kung, die zu

In­su­lin­man­gel führt. Dia­be­tes Typ-1 be­trifft meist jun­ge Men­schen.

Das Pro­blem bei Dia­be­tes Typ1 liegt dar­in, dass der Kör­per kein In­su­lin mehr her­stellt. Es ist aber das le­bens­wich­ti­ge Schlüs­sel­hor­mon im Zu­cker­stoff­wech­sel. Wie­so? Nah­rung spal­tet sich bei der Ver­dau­ung in Fett, Ei­weiß und Koh­len­hy­dra­te auf – aus Letz­te­ren kommt der meis­te Zu­cker. Gleich­zei­tig wird in der Bauch­spei­chel­drü­se In­su­lin pro­du­ziert. Es öff­net die Tau­sen­den Zel­len für den Zu­cker­bau­stein Glu­ko­se, den wich­tigs­ten Ener­gie­trä­ger im mensch­li­chen Kör­per.

Die Au­to­im­mun­er­kran­kung be­wirkt je­doch, dass kör­per­ei­ge­ne Ab­wehr­stof­fe die in­su­lin­pro­du­zie­ren­den Zel­len der Bauch­spei­chel­drü­se zer­stö­ren. Da­durch ent­steht ein ab­so­lu­ter In­su­lin­man­gel. Kann der Zu­cker nicht von den Zel­len auf­ge­nom­men wer­den, steigt die Zu­cker­kon­zen­tra­ti­on im Blut an. In­su­lin muss da­her von au­ßen zu­ge­führt wer­den.

TRIFFT JUN­GE. Dia­be­tes Typ-1 tritt vor al­lem im Kin­des- und Ju­gend­al­ter auf. Des­we­gen ist es be­son­ders als El­tern­teil wich­tig, auf fol­gen­de Si­gna­le zu ach­ten: Wenn das Kind ei­nen schein­bar un­still­ba­ren Durst und sehr star­ken Harn­drang hat, wenn es stark an Ge­wicht ver­liert und stän­dig mü­de ist, kön­nen dies ers­te An­zei­chen sein. Die kon­kre­ten Grün­de für den An­stieg von Typ-1-dia­be­tes sind noch nicht gänz­lich er­forscht. Me­di­zi­ner ge­hen da­von aus, dass vor al­lem In­fek­tio­nen und Um­welt­ein­flüs­se Schuld dar­an ha­ben.

Je frü­her die Er­kran­kung be­han­delt wird, des­to eher kann man mög­li­chen Spät­fol­gen vor­beu­gen. Der Haus­arzt ist die zen­tra­le Fi­gur in der Dia­be­testhe­ra­pie und zu­stän­dig für de­ren initia­le Ein­lei­tung, Über­wa­chung und re­gel­mä­ßi­ge Kon­trol­le. Dia­be­ti­ker selbst müs­sen ein Ta­ge­buch über ih­re Blut­zu­cker­wer­te und die Men­ge an ge­spritz­tem In­su­lin füh­ren. Da­für gibt es ver­schie­de­ne Mess­in­stru­men­te am Markt. Ne­ben dem klas­si­schen In­su­lin-pen, ei­ner Sprit­ze, grei­fen im­mer mehr Be­trof­fe­ne zur In­su­lin­pum­pe.

BOLUS-THE­RA­PIE. Bei Dia­be­tes Typ1 wird meist die Ba­sis-bolus-the­ra­pie ge­wählt, um die na­tür­li­che In­su­lin­aus­schüt­tung der ge­sun­den Bauch­spei­chel­drü­se nach­zu­ah­men. Da­bei wird mit ei­ner In­jek­ti­on ei­nes lang­wir­ken­den Ana­log­in­su­lins in der Früh der kom­plet­te Ta­ges­be­darf an Ba­sa­l­in­su­lin ab­ge­deckt. Zu den Mahl­zei­ten muss man zu­sätz­lich ein kurz wir­ken­des In­su­lin sprit­zen. Die Do­sis wird an die Men­ge der ge­ges­se­nen Koh­len­hy­dra­te und an den ak­tu­el­len Blut­zu­cker­wert an­ge­passt.

DIS­ZI­PLIN IST WICH­TIG. Auch wenn die Dia­gno­se erst­mal ein Schock ist, es lässt sich gut mit der Er­kran­kun­gen le­ben. So­wohl im All­tag als auch be­ruf­lich sind ei­nem kei­ne Gren­zen ge­setzt. Flo­ri­an Hol­zer wur­de so­gar der be­kann­tes­te Gour­met­kri­ti­ker Ös­ter­reichs, trotz Dia­be­tes Typ-1. Dass man so­gar Pro­fi­sport­ler wer­den kann, be­wei­sen be­rühm­te Bei­spie­le wie Ge­wicht­he­ber Mat­thi­as St­ei­ner. Al­ler­dings ist Dis­zi­plin un­ab­ding­bar. Auch bei Rei­sen ist pe­ni­ble Vor­be­rei­tung wich­tig: Die Mit­nah­me al­ler Me­di­ka­men­te in dop­pel­ter Men­ge, die Be­rück­sich­ti­gung des Kli­ma­wech­sels und der Zeit­ver­schie­bung sind not­wen­dig. «

muss des­we­gen im­mer von au­ßen zu­ge­führt wer­den, sonst kann der Kör­per Zu­cker aus der Nah­rung nicht in Ener­gie um­wan­deln. Ent­we­der man be­nutzt da­zu ei­nen In­su­lin-pen (Sprit­ze) oder ei­ne In­su­lin­pum­pe. Man muss nach­stel­len, was der ge­sun­de Kör­per au­to­ma­tisch macht. Blut­zu­cker mes­sen ge­hört des­we­gen zum All­tag ei­nes Dia­be­ti­kers.

TYP-2-DIA­BE­TES. Bei Typ-2 -Dia­be­tes sieht die Si­tua­ti­on et­was an­ders aus. Durch den Wohl­stand in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten stei­ger­te sich das Ri­si­ko für er­näh­rungs­be­ding­tes Dia­be­tes. Die chro­nisch sü­ße und fett­rei­che Er­näh­rung der Ge­gen­wart, Be­we­gungs­man­gel, Rau­chen und Blut­hoch­druck ha­ben den Typ2-Dia­be­tes zu ei­ner Mas­sen­er­kran­kung ge­macht. Frü­her nann­te man ihn auch „Al­ters­zu­cker“, in­zwi­schen er­kran­ken schon Vor­schul­kin­der. Wie es da­zu kommt: Durch den er­höh­ten Kör­per­fett­an­teil spre­chen die Zel­len im­mer we­ni­ger auf das In­su­lin an und Glu­ko­se staut sich in der Blut­bahn. Die Bauch­spei­chel­drü­se pro­du­ziert dar­auf hin mehr In­su­lin, bis sie er­schöpft. Im Früh­sta­di­um lässt sich der Blut­zu­cker durch ei­nen ge­sun­den Le­bens­stil und Ge­wichts­re­duk­ti­on re­la­tiv ein­fach nor­ma­li­sie­ren. Ist die Er­kran­kung be­reits fort­ge­schrit­ten, wer­den Dia­be­tes-me­di­ka­men­te in Ta­blet­ten­form not­wen­dig und im här­tes­ten Fall auch In­su­lin.

PRO­GNO­SE. Fach­ge­sell­schaf­ten pro­gnos­ti­zie­ren ei­nen An­stieg der Dia­be­tes-fäl­le. Da­bei ist in Mit­tel­eu­ro­pa die Zahl der Dia­be­ti­ker seit 1998 be­reits um 40 Pro­zent ge­stie­gen: 52 Mil­lio­nen sind es jetzt. Schät­zun­gen zu­fol­ge dürf­te die Zahl bis 2035 auf 69 Mil­lio­nen stei­gen. Das hat auch Fol­gen auf das Ge­sund­heits­sys­tem. Die Kos­ten ei­nes Men­schen mit Dia­be­tes lie­gen laut Ös­ter­rei­chi­scher Dia­be­tes Ge­sell­schaft je nach Vor­han­den­sein von Fol­ge­krank­hei­ten um 30 bis 400 Pro­zent über je­nen ei­nes Nicht-dia­be­ti­kers. Das meis­te Geld wird für die Be­hand­lung der Spät­fol­gen auf­ge­wen­det. Prä­ven­ti­on muss da­her in den Fo­kus rü­cken, war­nen Ex­per­ten. Mit der Vor­sor­ge­un­ter­su­chung und dem Ge­sund­heits­pro­gramm der So­zi­al­ver­si­che­rung ge­gen Dia­be­tes Typ-2 („The­ra­pie ak­tiv“) gibt es zwar An­ge­bo­te, doch wer­den sie we­nig ge­nutzt. In der Pra­xis stel­len au­ßer­dem Sprach­bar­rie­ren und kul­tu­rel­le Be­son­der­hei­ten das me­di­zi­ni­sche Fach­per­so­nal vor be­son­de­re Her­aus­for­de­run­gen.

BAR­RIE­REN AB­BAU­EN. „Aus ei­ner im Rah­men des ers­ten Teils des Pro­jekts durch­ge­führ­ten Stu­die geht her­vor, dass Men­schen mit Mi­gra­ti­ons­hin­ter­grund im We­sent­li­chen die glei­chen Ge­sund­heits­pro­ble­me ha­ben wie die Ge­samt­be­völ­ke­rung, das Ge­sund­heits­we­sen im nie­der­ge­las­se­nen Be­reich aber sel­te­ner in An­spruch neh­men. Die zen­tra­le Her­aus­for­de­rung ist so­mit, be­ste­hen­de Bar­rie­ren ab­zu­bau­en“, heißt es aus dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit auf An­fra­ge. Der Mensch müs­se im Mit­tel­punkt steht, ap­pel­liert Her­mann To­plak, In­ter­nist und Vi­ze­prä­si­dent der Ös­ter­rei­chi­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft: „Nur wenn ich den Men­schen mit sei­nen Ge­wohn­hei­ten und Bräu­chen bes­ser ver­ste­he, kann ich ihn auch so be­ra­ten, dass et­was Po­si­ti­ves da­bei raus­kommt.“

BLUT­ZU­CKER­SPIE­GEL: hoch über 120 mg/dl

„Dia­be­tes kos­tet Ös­ter­reichs Ge­sund­heits­sys­tem rund 4,8 Mil­li­ar­den Eu­ro pro Jahr.“

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