IN­DI­VI­DU­EL­LE IN­SU­LIN­PUM­PE IST DIE ZU­KUNFT

Kurier_Diabetes - - THERAPIEN -

Interview mit Dirk Mül­ler-wie­land, Vi­ze­prä­si­dent der

Deut­schen Dia­be­tes Ge­sell­schaft.

Wo ent­wi­ckelt sich der­zeit der the­ra­peu­ti­sche An­satz für Typ-2-dia­be­ti­ker hin? Dirk Mül­ler-wie­land: Ein wich­ti­ger An­satz sind die neu­en in­kre­t­in­ba­sier­ten The­ra­pie­stra­te­gi­en. Hor­mo­ne, die der Kör­per sonst sel­ber macht, wer­den si­mu­liert. In­dem man sie spritzt oder ein­nimmt, wird der Ab­bau des ei­ge­nen Hor­mons ver­hin­dert. Wenn der Glu­ko­se­spie­gel im Blut zu nied­rig ist, hört die The­ra­pie au­to­ma­tisch auf zu wir­ken. Des­we­gen sind die­se Sub­stan­zen si­cher. Das ist ein fas­zi­nie­ren­des Sys­tem. Gro­ße Stu­di­en ha­ben ge­zeigt, dass sie kar­dio­vas­ku­lär si­cher sind.

Kar­dio­vas­ku­lä­re Er­kran­kun­gen stel­len ein Ri­si­ko für Typ-2-dia­be­ti­ker dar …

Hier kom­men so­ge­nann­te Sglt2-hem­mer ins Spiel. Sie hem­men die Auf­nah­me von Zu­cker in der Nie­re. Des­we­gen schei­det man Glu­ko­se durch den Harn aus und der Blut­zu­cker sinkt. Beim Eu­ro­päi­schen Dia­be­tes Kon­gress im Sep­tem­ber wur­de da­zu ei­ne re­gel­rech­te Mei­len­stein­stu­die prä­sen­tiert, wel­che die Dia­be­to­lo­gie noch sehr be­ein­flus­sen wird. Sie hat ge­zeigt, dass das Me­di­ka­ment Em­paglif­lo­zin nicht nur kar­dio­vas­ku­lär si­cher ist. Es senkt so­gar das Ri­si­ko hoch­si­gni­fi­kant. Es wirkt sich po­si­tiv auf Blut­druck und Kör­per­ge­wicht aus.

Der nächs­te gro­ße Fort­schritt in der Typ1-Dia­be­tes-the­ra­pie soll die künst­li­che Bauch­spei­chel­drü­se sein. Wie wür­de die funk­tio­nie­ren?

Da­bei wür­de der Glu­ko­se­ge­halt im Un­ter­haut­fett­ge­we­be kon­ti­nu­ier­lich ge­mes­sen. Die­se In­for­ma­tio­nen wür­den dann über ei­nen Al­go­rith­mus und na­tür­lich auch über die ent­spre­chen­de Tech­no­lo­gie an die Pum­pe ge­kop­pelt wer­den. Die passt die In­su­lin­do­sis von al­lei­ne pa­ti­en­ten­ori­en­tiert und ziel­ge­recht an. Da­mit hät­te man zum ers­ten Mal ein fast ge­schlos­se­nes Sys­tem.

In wel­chem Sta­di­um steckt die For­schung da­zu?

Der­zeit be­fin­det sich das Sys­tem noch in der Analyse. Man ist da al­ler­dings schon sehr weit und die Er­geb­nis­se schei­nen viel­ver­spre­chend zu sein. Ich den­ke, dass die­ses Sys­tem in den nächs­ten zwei Jah­ren zur Ver­fü­gung ste­hen könn­te.

Die Kon­trol­le wird da­bei an ei­nen Com­pu­ter ab­ge­ge­ben. Läuft man da­bei nicht Ge­fahr, sich kaum mehr mit der Er­kran­kung aus­ein­an­der­zu­set­zen?

Das Sys­tem soll­te nicht auf Kos­ten der in­ten­si­ven Schu­lung und der Aus­ein­an­der­set­zung des Pa­ti­en­ten mit der Er­kran­kung er­fol­gen. Ge­ra­de wenn Din­ge schief ge­hen, muss der Pa­ti­ent in der La­ge sein, sich sel­ber zu be­han­deln. Je­der Dia­be­tespa­ti­ent ge­hört un­be­dingt in die Hän­de ei­nes spe­zi­ell aus­ge­bil­de­ten und schwer­punkt­mä­ßig ar­bei­ten­den Dia­be­to­lo­gen. «

Pro­fes­sor Dirk Mül­ler-wie­land über

die Zu­kunft der The­ra­pi­en

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