Die Städ­te der Zu­kunft

In­tel­li­gen­te Kon­zep­te rund um den Glo­bus be­wei­sen mit , dass Fort­schritt nicht Neu­er­fin­dung be­deu­ten muss. Wie Di­gi­ta­li­sie­rung hilft, un­se­re Städ­te le­bens­wer­ter zu ma­chen.

KURIER_DIGITAL FUTURE - - EDITORIAL - STE­FAN SCHALLERT

Vi­sio­nen für die Mega-Ci­tys der Zu­kunft

Es fing mit un­se­ren Han­dys an und deckt mitt­ler­wei­le den ge­sam­ten mo­der­nen Le­bens­be­reich ab. Was die fünf Let­tern – SMART – je­doch tat­säch­lich be­deu­ten, schwankt je nach Per­spek­ti­ve des Be­trach­ters: In­no­va­tiv muss es sein und ef­fi­zi­ent. Da­bei um­welt­scho­nend oder bes­ser so­gar ganz nach­hal­tig und auf je­den Fall au­to­ma­ti­siert. Denn in je­dem Smart steckt auch ein Sim­pel. Da­zu braucht es sich nicht um glä­ser­ne Wol­ken­krat­zer und tech­no­kra­ti­sche Tem­pel wie bei der Vor­zei­ge-Smart-Ci­ty Song­do in Süd­ko­rea zu han­deln. In Eu­ro­pa er­lebt man den Smart-Ci­ty-Trend als ein Auf­rüs­ten von Alt­be­währ­tem.

VIR­TU­EL­LE IN­FRA­STRUK­TUR. Im Kern geht es bei ei­ner Smart Ci­ty um ein Netz, ein Smart Grid, wel­ches breit­flä­chig Da­ten sam­melt, die­se misst und dem­ent­spre­chend re­agiert. Herz und Hirn der mo­der­nen Stadt ist die Au­to­ma­ti­on, das „In­ter­net of Ever­y­thing“. Ma­schi­nen kom­mu­ni­zie­ren mit Ma­schi­nen zum Woh­le der Men­schen, so die Idee. Durch Tau­sen­de Sen­so­ren in Pflan­zen­töp­fen, Am­peln, Müll­ei­mern, bis hin zu Ka­nal­de­ckeln und Stra­ßen­la­ter­nen ent­steht ein um­fas­sen­des Sys­tem, wel­ches so­fort und ef­fi­zi­ent auf Ve­rän­de­run­gen und Schwan­kun­gen al­ler Art re­agie­ren kann. In Ös­ter­reich gibt es be­reits 32 Smar­tCi­ty-Pro­jek­te, die sich al­le rund um Ener­gie­er­spar­nis und Öko­lo­gie dre­hen. Vor­arl­berg setzt mit der „VLOTTE“auf E-Au­to­mo­bi­le, wäh­rend in Am­stet­ten durch ei­ne „Sa­nie­rungs­of­fen­si­ve“50 Pro­zent der Treib­hau­se­mis­sio­nen bei Bau­stof­fen re­du­ziert wer­den sol­len. Die Vi­si­onder Smart Ci­ty be­schränkt sich je­doch nicht auf ei­nen ef­fi­zi­en­ten und grü­nen Fuß­ab­druck. Auch das so­zia­le Wohl­be­fin­den der Be­woh­ner ist Teil des Smart-Ci­ty-Pa­kets: In Song­do wur­den vir­tu­el­le Räu­me in­ner­halb von Ge­bäu­de­kom­ple­xen ge­schaf­fen, um die So­zia­li­sa­ti­on zwi­schen den Be­woh­nern zu er­leich­tern. An­stel­le des net­ten Plauschs im Haus­flur er­kun­di­gen sich Nach­barn nun per Text- und Vi­deochat nach dem Wohl­be­fin­den der Haus­kat­ze.

DIE SMAR­TE STADT IST GRÜN. Tech­no­kra­ti­sche Bau­kas­ten­städ­te wie Song­do lö­sen ne­ben Be­geis­te­rung auch vie­le Kon­tro­ver­sen aus. Kri­ti­ker se­hen in der Vi­si­on der „Ubi­qui­tous Ci­ty“ein Pa­n­op­ti­kum aus Zwang und Kon­trol­le, fürch­ten Be­dro­hung statt Er­leich­te­rung. Die eu­ro­päi­sche Smart-Stra­te­gie setzt des­halb auf öko­lo­gi­sche Bau­stof­fe, grü­ne Ener­gie und Re­duk­ti­on von Emis­sio­nen. Auch dies wird je­doch oh­ne „Big Da­ta“nicht mög­lich sein, wes­halb da­mit ge­rech­net wird, dass künf­tig sämt­li­che Haus­hal­te mit ver­netz­ten Zäh­lern, so­ge­nann­ten Smart Me­tern, aus­ge­stat­tet wer­den. Auch sonst ist der smar­te Le­bens­stil oh­ne das Sam­meln von Da­ten nicht mög­lich. Im Ge­gen­satz zum tech­no­lo­gie­af­fi­nen asia­ti­schen Kon­ti­nent setzt Eu­ro­pa bei der ge­sell­schaft­li­chen Durch­set­zung je­doch mehr auf So­li­da­ri­tät als auf ei­ne An­samm­lung von Gad­gets. „Smart Ci­ti­zens“sol­len sich an der Da­ten­samm­lung be­tei­li­gen, um ge­mein­sam die Vi­si­on ei­nes bes­se­ren, ur­ba­nen Le­bens­raums mög­lich zu ma­chen. Ob im Zeit­al­ter­von Face­book, Ins­ta­gram, Kun­den­kar­ten und Za­lan­do die Gren­ze zwi­schen ur­ba­nem und pri­va­tem Le­bens­raum beim Zäh­ler­stand ge­zo­gen wer­den kann, ist da­bei ei­ne ganz an­de­re Ge­schich­te. -

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