Die Zu­kunft des Ein­kau­fens

KURIER_DIGITAL FUTURE - - EDITORIAL - -MAR­TIN MÜHL/STE­FAN KLUGER

Die Shop­ping­welt wird di­gi­tal

Bis­her fand der Han­del stets im Ge­schäft vor Ort oder on­line statt. Dank Smart­pho­nes be­gin­nen sich die Gren­zen auf­zu­lö­sen. Der hei­mi­sche Han­del steht da­mit vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen.

Seit es Smart­pho­nes gibt, hat sich der Re­cher­che- und Ein­kaufs­pro­zess von Kon­su­men­ten er­heb­lich ver­än­dert. Egal, ob zu Hau­se, un­ter­wegs oder in Ge­schäf­ten – es wird über­wie­gend auf mo­bi­len End­ge­rä­ten nach Pro­duk­ten ge­sucht. Die ak­tu­el­le „Seam­less Re­tail“-Stu­die von Ac­cen­ture hat nicht nur ge­zeigt, dass welt­weit 71 Pro­zent der Käu­fer dar­an in­ter­es­siert sind, mit dem Smart­pho­ne zu zah­len, son­dern gan­ze 78 Pro­zent im Ge­schäft auch Test­be­rich­te und Be­wer­tun­gen ab­ru­fen wol­len. Ak­tu­ell bie­ten nur 14 Pro- zent der Händ­ler QR Co­des oder Di­gi­tal Si­gna­ge (Be­schil­de­rung) an, um Pro­dukt­in­for­ma­tio­nen zur Ver­fü­gung zu stel­len. Rai­ner Will, Ge­schäfts­füh­rer des hei­mi­schen Han­dels­ver­ban­des sieht die hei­mi­schen Händ­ler hier un­ter Druck, da es durch den On­line­han­del und in­ter­na­tio­na­le Kon­kur­renz auch ei­nen Kauf­kraft­ab­fluss ins Aus­land gibt: „Die ös­ter­rei­chi­schen Händ­ler kämp­fen an meh­re­ren Fron­ten. Auf der ei­nen Sei­te steht die in­ter­na­tio­na­le Kon­kur­renz, die vor al­lem on­line ei­nen gro­ßenTeil­des­Ku­chens­aus­de­mLand schafft. Das führt zu ei­nem volks­wirt­schaft­lich schäd­li­chen Kauf­kraft­ab­fluss. Auf der an­de­ren Sei­te müs­sen die Han­dels­un­ter­neh­men mit über­bor­den­der Bü­ro­kra­tie, ho­hen Lohn­ne­ben­kos­ten und wett­be­werbs­hin­dern­den Auf­la­gen und Re­gu­lie­run­gen kämp­fen. Und all das in ei­nem oh­ne­hin schwie­ri­gen Um­feld der Trans­for­ma­ti­on.“Al­ler­dings steht ei­nes fest: Egal in wel­cher Bran­che, im In­ter­net wird es im­mer ein grö­ße­res An­ge­bot oder ei­nen

bes­se­ren Preis als beim Händ­ler um die Ecke ge­ben. Der sta­tio­nä­re Han­del muss al­so Kun­den an­der­wei­tig an­spre­chen. Ne­ben qua­li­fi­zier­ter Fach­be­ra­tung spielt ge­ne­rell das Ein­kaufs­er­leb­nis im Ge­schäft ei­ne gro­ße Rol­le. Da­zu ge­hört auch im­mer mehr Om­ni-Chan­nel: Der sta­tio­nä­re Han­del bie­tet zum Bei­spiel an, dass im Ge­schäft vor Ort ge­kauf­te Wa­re zeit­nah nach Hau­se ge­lie­fert wird. An­de­re er­mög­li­chen es, on­line ge­kauf­te Gü­ter im La­den noch ein­mal an­zu­se­hen oder per­sön­lich ab­zu­ho­len. Die Be­rei­che wach­sen zu­sam­men. „Es ist es­sen­zi­ell, dass Loyal­ty­pro­gam­me on- und off­line Gül­tig­keit ha­ben, da der Kun­de nicht mehr zwi­schen bei­den un­ter­schei­det. Seam­less Com­mer­ce muss auch in die­sem Be­reich ge­lebt wer­de“, so Rai­ner Will.

AU­TO­MA­TI­SCHE EIN­KAUFS LIS­TE. Spä­tes­tens mit dem Sie­ges­zug des Smart phon es ist ei­ne Tren­nung zwi­schen on­line und off­line hin­fäl­lig. Denn das In­ter­net zieht sich durch un­ser gan­zes Le­ben – und wird durch die stei­gen­de An­zahl der „Con­nec­ted Devices“im­mer prä­sen­ter: In­zwi­schen gibt es ne­ben in­ter­net­fä­hi­gen Fern­se­hern, Lap­tops und Smart­pho­nes ei­ne Viel­zahl von We­ara­bles wie et­wa Smart­wat­ches, Au­tos oder auch Kühl­schrän­ke, die mit dem In­ter­net ver­bun­den sind. Das For­schungs­in­sti­tut Gart­ner pro­gnos­ti­ziert: Im Jahr 2020 wir des 25 Mil­li­ar­den „Con­nec­ted Devices“auf der Welt ge­ben. Und man­che von die­sen wer­den auch au­to­ma­ti­siert ein­kau­fen oder zu­min­dest die Einkaufsliste auf dem Smart­pho­ne au­to­ma­ti­siert be­fül­len. Wich­tig wird es da­bei sein, die­se Ein­kaufs­pro­zes­se kun­den­freund­lich zu ge­stal­ten. Heu­te fin­den laut Ac­cen­ture nur 36 Pro­zent der Kon­su­men­ten, dass mo­bi­les Ein­kau­fen ein­fach ist. Na­he­lie­gend ent­ste­hen so ent­lang der so­ge­nann­ten Cust­o­m­er Jour­ney im­mer mehr neue Ser­vices und Dritt­an­bie­ter, de­ren Ziel es ist, durch ih­re in­no­va­ti­ven Di­enst­leis­tun­gen den Kon­su­men­ten ih­re Wün­sche zu er­fül­len. Dies un­ter­stützt auch der Han­dels­ver­band: „Vie­le Start-ups und in­no­va­ti­ve Be­trie­be hel­fen dem Han­del da­bei, mit der Dis­rup­ti­on um­zu­ge­hen und kon­kur­renz­fä­hig zu blei­ben. Das ist auch gut so. Im Han­dels­ver­band för­dern wir das ei­ner­seits durch die Part­ner­struk­tur, in de­ren Rah­men wir aus­ge­wähl­te Di­enst­leis­ter des Han­dels mit un­se­ren Mit­glie­dern zu­sam­men­brin­gen, an­de­rer­seits durch un­se­ren in­ter­nen Ar­beits­kreis ,In­no­va­ti­on im Han­del‘, in dem wir re­gel­mä­ßig über die neu­es­ten In­no­va­tio­nen in­for­mie­ren und sich die Händ­ler un­ter­ein­an­der aus­tau­schen kön­nen.“

Ein Vor­ge­schmack auf den Ein­kauf von mor­gen auf der Ex­po Mi­la­no 2015

Das Kühl­re­gal in­for­miert Kon­su­men­ten de­tail­liert über ge­la­ger­te Pro­duk­te

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