Up­date für den Han­del

Rai­ner Will, Ge­schäfts­füh­rer des Han­dels­ver­ban­des, über die Her­aus­for­de­run­gen und Chan­cen, die ei­ne zu­neh­men­de Di­gi­ta­li­sie­rung und In­ter­na­tio­na­li­sie­rung für den hei­mi­schen Han­del mit sich brin­gen.

KURIER_DIGITAL FUTURE - - EDITORIAL - MAR­TIN MÜHL

Han­dels­ver­band-Chef Rai­ner Will über di­gi­ta­les Shop­ping

„Der In­ter­net-Ein­zel­han­del ist der Wachs­tums­mo­tor des Han­dels.“ Rai­ner Will, GF des Han­dels­ver­ban­des

Wie wir­ken sich die fort­schrei­ten­de Di­gi­ta­li­tät und Mo­bi­li­tät auf den Han­del aus? Rai­ner Will: Die tech­no­lo­gi­sche Ent­wick­lung und die Di­gi­ta­li­sie­rung ver­än­dern den Han­del ra­pi­de. Der In­ter­net-Ein­zel­han­del wächst um sie­ben Pro­zent und ist da­mit der Wachs­tums­mo­tor des Han­dels. Das Smart­pho­ne treibt nicht nur den eCom­mer­ce vor­an, son­dern ver­än­dert auch den Ein­kauf im sta­tio­nä­ren Han­del. Om­ni-Chan­nel ent­wi­ckelt sich vom Schlag­wort zur Über­le­bens­stra­te­gie. Wir se­hen ak­tu­ell dis­rup­ti­ve Ent­wick­lun­gen, die in den nächs­ten Jah­ren wahr­schein­lich noch wei­ter an Fahrt auf­neh­men wer­den. Den klas­si­schen Ein­zel­han­del und in wei­te­rer Fol­ge wo­mög­lich auch die Struk­tur un­se­res Wirt schafts sys­tems und un­se­rer Ge­sell­schaft.

Wel­che Aus­wir­kun­gen hat das mo­bi­le Zah­len auf den Han­del? Zah­len am POS ist ei­ne nicht ver­meid­ba­re Not­wen­dig­keit für den Kun­den und Teil der Cust­o­m­er Jour­ney. Die­sen Teil des Kauf­pro­zes­ses zu in­di­vi­dua­li­sie­ren, zu ver­kür­zen und zu ver­ein­fa­chen, bringt Kun­den und Händ­lern Vor­tei­le. In­no­va­tio­nen wie kon­takt­lo­ses Be­zah­len mit­tels NFC, Smart­pho­ne-Payment und die schon län­ger ak­zep­tier­ten Ban­ko­mat- und Kre­dit­kar­ten fin­den im­mer mehr Nut­zer.

Wel­che Vor- oder Nach­tei­le ha­ben hei­mi­sche An­bie­ter ge­gen­über in­ter­na­tio­na­len Kon­kur­ren­ten? Der gro­ße Vor­teil für Ös­ter­reich liegt am durch­aus ho­hen Aus­gangs­ni­veau als an­ge­se­he­ner Wirt­schafts­stand­ort. Das bringt mich aber auch schon zu den Nach­tei­len. Wäh­rend an­de­re Na­tio­nen an At­trak­ti­vi­tät zu­le­gen und sich an die neu­en An­for­de­run­gen der di­gi­ta­len Wirt­schaft an­ge­passt ha­ben, hin­ken wir in Ös­ter­reich et­was nach. Ver­gli­chen mit an­de­ren EU-Mit­glieds­staa­ten ha­ben Un­ter­neh­mer bei uns mit ei­nem über­re­gu­lier­ten, kos­ten­in­ten­si­ven, struk­tu­rell star­ren und ver­al­te­ten Sys­tem zu kämp­fen. Um in der Spra­che der Di­gi­ta­li­sie­rung zu blei­ben: Ös­ter­reich be­nö­tigt ein Up­date!

Ent­ste­hen rund um den Han­del auch neue Ser­vices? Ja, in die­sem Be­reich tut sich sehr viel. Den­ken wir nur an die Be­rei­che Lo­gis­tik, Payment, Vir­tu­al Rea­li­ty, Ro­bo­tik und vie­les mehr. Vie­le Start-ups und in­no­va­ti­ve Be­trie­be hel­fen dem Han­del da­bei, mit der Dis­rup­ti­on um­zu­ge­hen und kon­kur­renz­fä­hig zu blei­ben. Im Han­dels­ver­band för­dern wir das.

Wel­che Rol­le spie­len die re­gle­men­tie­ren­den Be­hör­den? Der fi­nan­zi­el­le wie per­so­nel­le Auf­wand, den Han­dels­be­trie­be für die Ab­wick­lung bü­ro­kra­ti­scher Auf­la­gen leis­ten müs­sen, ist enorm. Bei der Ur­he­ber­rechts­ab­ga­be und den Lohn­ne­ben­kos­ten sind wir eu­ro­pa­weit Ab­ga­ben­kai­ser und er­zeu­gen auch enor­me Bü­ro­kra­tie durch die kom­ple­xe Ta­rif­set­zung und An­wen­dung im Ar­beits­recht. Den Be­trie­ben ob­lie­gen un­zäh­li­ge Schu­lungs-, Mel­de- und Kon­troll­pflich­ten, die zum Teil je Fi­lia­le und Bun­des­land va­ri­ie­ren. Der Be­hör­den­fo­kus muss von „be­stra­fen“auf „be­ra­ten“ver­scho­ben wer­den. Wir müs­sen ak­tiv in die Zu­kunft in­ves­tie­ren und nicht nur dar­auf hof­fen, dass eh al­les gut wird. Für je­de neue Re­gu­lie­rung müs­sen zwei al­te ab­ge­schafft wer­den.

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