„Wunsch nach di­gi­ta­lem De­tox steigt“

Mei­nungs­for­scher tho­mas schwabl hat un­ter­sucht, wie der All­tag jun­ger men­schen von di­gi­ta­len kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln be­stimmt wird.

KURIER_DIGITAL FUTURE - - EDITORIAL -

Mei­nungs­for­scher Tho­mas Schwabl im In­ter­view

Wie sieht der Ta­ges­ab­lauf jun­ger Er­wach­se­ner in spe­zi­el­ler Hin­sicht auf Di­gi­ta­li­tät aus? Tho­mas Schwabl: Der Ta­ges­ab­lauf von Ju­gend­li­chen und jun­gen Er­wach­se­nen ist deut­lich di­gi­tal kon­ta­mi­niert. Dies be­ginnt schon in der Früh, da immerhin knapp die Hälf­te (48,1 Pro­zent) vom Han­dy­b­zw. Ta­blet-We­cker aus dem Schlaf ge­rüt­telt wird. Kurz­nach­rich­ten be­glei­ten den Nach­wuchs von früh bis spät: Die ers­te Nach­richt wird im Schnitt um 09:15 ver­sen­det, die letz­te um 22:00, in Sum­me sind es durch­schnitt­lich 53 SMS und Co. Knapp acht von zehn jun­gen Ös­ter­rei­chern (78,4 Pro­zent) ha­ben ges­tern Face­book be­sucht, im Schnitt fünf Mal, sechs von zehn (59,6 Pro­zent) wa­ren auf YouTube und et­was mehr als ein Drit­tel (36,5 Pro­zent) be­such­ten Ins­ta­gram.

Wird mit dem Smart­pho­ne über­haupt noch te­le­fo­niert? Am gest­ri­gen Tag nutz­ten 94,9 Pro­zent der Ju­gend­li­chen und jun­gen Er­wach­se­nen ihr Smart­pho­ne, durch­schnitt­lich 2 St­un­den lan­ge. Das TVGe­rät wur­de „nur“von zwei Drit­tel ge­nützt, das Ta­blet immerhin von 22,9 Pro­zent. Al­ler­dings wird das Smart­pho­ne im­mer we­ni­ger zum Te­le­fo­nie­ren ge­nützt. So wird im Schnitt le­dig­lich vier Mal pro Tag te­le­fo­niert, je­doch wer­den 53 Kurz­nach­rich­ten ver­sen­det.

Tref­fen sich jun­ge Men­schen auch noch re­al? Face­book, YouTube und Ins­ta­gram sind om­ni­prä­sent. Wir se­hen aber jetzt noch nicht die gro­ßeGe­fahr­der Ver­ein­sa­mung. Un­ter der Wo­che hat ein Ju­gend­li­cher oder ein jun­ger Er­wach­se­ner im Schnitt mit neun bis zehn Per­so­nen per­sön­li­chen Kon­takt (al­so face2­face), am Wo­che­n­en­de sinkt die­ser Wert dann auf fünf bis sechs Per­so­nen. Sechs von zehn (60,2 Pro­zent) hat­ten am gest­ri­gen Tag per­sön­li­chen Kon­takt zu ih­ren Freun­den.

Sie be­schrei­ben in Ih­rem Be­richt das Stre­ben nach ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Work-Li­fe-Ba­lan­ce. Ist es bei stän­di­ger Ver­net­zung über­haupt mög­lich Ar­beits- und Pri­vat­le­ben zu tren­nen? Wir se­hen in al­len Ju­gend­stu­di­en ein ziem­lich kon­ser­va­ti­ves Bild. Das heißt, die Ju­gend von heu­te hat mehr­heit­lich tra­di­tio­nel­le Wer­te und strebt nach Kar­rie­re, Fa­mi­lie, ei­ge­nen Kin­dern und möch­te so­gar hei­ra­ten. In Sa­chen Kar­rie­re er­ken­nen wir, dass es ei­nen aus­ge­präg­ten Wunsch nach ei­ner aus­ge­wo­ge­nen Wor­kLi­fe-Ba­lan­ce gibt, auch wenn klar ist, dass Über­stun­den zum Heu­te ge­hö­ren und 9 to 5 nur mehr ein­ge­schränkt funk­tio­niert. Die stän­di­ge Er­reich­bar­keit ist ein The­ma, das künf­tig si­cher­lich stär­ker wer­den wird und es gibt ja be­reits Un­ter­neh­men, die ab ei­ner be­stimm­ten Uhr­zeit und am Wo­che­n­en­de kei­ne be­ruf­li­chen E-Mails mehr durch­stel­len. Der Ruf nach Di­gi­tal De­tox wird in den nächs­ten Jah­ren si­cher­lich laut wer­den.

„Knapp acht von zehn jun­gen Ös­ter­rei­chern ha­ben ges­tern Face­book be­sucht, sechs von zehn wa­ren auf YouTube und rund ein Drit­tel auf Ins­ta­gram.“

Mei­nungs­for­scher Tho­mas Schwabl

Tho­mas Schwabl er­forscht den di­gi­ta­len All­tag jun­ger Men­schen

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