Der Mensch wird di­gi­tal

Die Ära des Smart­pho­nes, das gan­ze Ge­schäfts­zwei­ge re­vo­lu­tio­niert und vie­le Un­ter­neh­men­reich­ge­macht­hat,geht­lang­sam­zu­En­de.Wir­ge­ben­dieTech­no­lo­gie aus der Hand und las­sen sie nä­her an un­se­ren Kör­per her­an.

KURIER_DIGITAL FUTURE - - INHALTSVERZEICHNIS - -MO­RITZ GLANZ

Im­plan­tier­te Chips und Nano­ro­bo­ter in der Blut­bahn

In den rei­chen Volks­wirt­schaf­ten zeich­net sich ab, dass die Märk­te für Smart­pho­nes sich ih­rem Sät­ti­gungs­punkt nä­hern. Ha­ben Fir­men wie App­le oder Samsung bis vor Kur­zem noch Mil­li­ar­den ge­schef­felt, sind es in Zu­kunft wohl die Bil­lig­an­bie­ter aus Chi­na, die trotz ge­rin­ger Mar­gen am stärks­ten wach­sen wer­den. Da die Tech­nik­bran­che aber wei­ter­hin gut ver­die­nen möch­te, läuft die Su­che nach

den nächs­ten re­vo­lu­tio­nä­ren Ent­wick­lun­gen be­reits. Goog­le et­wa hat ei­nen Ver­such mit der Da­ten­bril­le Glass ge­wagt, de­ren ers­te Va­ri­an­te in­zwi­schen al­ler­dings wie­der ein­ge­stampft ist. Die Grund­idee sol­cher Bril­len ist, den An­schluss ans Web samt al­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten auf ei­nen Bild­schirm zu brin­gen, der all­zeit be­reit di­rekt vor den Au­gen liegt. Die­se Idee we­gen Googles vor­läu­fi­gem Miss­er­folg ab­zu­schrei­ben, wä­re ver­früht. Auch ers­te Smart­pho­neKon­zep­te gab es schon, be­vor App­le der Tech­no­lo­gie zum Durch­bruch ver­hol­fen hat. Ge­klappt hat es schluss­end­lich, als die Schlüs­sel­tech­no­lo­gi­en – beim Smart­pho­ne wa­ren das un­ter an­de­rem Touch­screen und klei­ne, leis­tungs­fä­hi­ge Pro­zes­so­ren – so weit ge­die­hen wa­ren, dass sie zu ei­nem kom­pak­ten Pa­ket ge­schnürt wer­den konn­ten, das den Kun­den dann mit ein­fa­chen Be­di­en­kon­zep­ten schmack­haft ge­macht wur­de. Für Da­ten­bril­len ist die­ser Punkt noch nicht er­reicht. Es fehlt noch an mi­nia­tu­ri­sier­ten Ak­kus, Pro­zes­so­ren und Dis­play­tech­no­lo­gi­en. Auch ein zu­ver­läs­si­ges Be­di­en­kon­zept, das oh­ne phy­si­schen Kon­takt zum Ge­rät funk­tio­niert, ist nicht in Sicht. Die Steue­rung durch Ges­ten, die et­wa durch ei­nen sen­so­ren­be­stück­ten Ring oder ein Arm­band er­fasst wer­den kön­nen, und so­gar er­ken­nen, wel­che Wör­ter in die Luft ge­schrie­ben wer­den, sind ein An­satz, der dis­ku­tiert wird. Aus­ge­reift ist das aber noch nicht. Das­sel­be gilt auch für Kon­takt­lin­sen, die der über­nächs­te Schritt auf dem Weg zur dau­er­haf­ten Ver­net­zung der Men­schen­wä­ren.Zwar­wird­in­denLa­bo­ren an Bild­schir­men ge­ar­bei­tet, die auf ei­ner win­zi­gen Kunst­stoff­lin­se an­ge­bracht wer­den kön­nen. Bis die Pro­ble­me, die hier noch deut­lich grö­ßer sind als bei Da­ten­bril­len, ge­löst wer­den, wird es wohl noch lan­ge dau­ern. Bei Da­ten­bril­len scheint ei­ne Markt­ein­füh­rung in­so­fern nä­her zu lie­gen, als dass gro­ße Fir­men wie Samsung, Mi­cro­soft oder Goog­le pro­mi­nent in ent­spre­chen­de Tech­nik in­ves­tie­ren. Am En­de geht es dar­um, Tech­no­lo­gi­en zu ent­wi­ckeln, die das Smart­pho­ne als Schnitt­stel­le zum In­ter­net ab­lö­sen und den Kon­zer­nen neue Märk­te er­öff­nen.

VER­NETZ­TER ALL­TAG. Das In­ter­net, auf das die Men­schen mit sol­chen Ge­rä­ten zu­grei­fen wer­den, wird sich min­des­tens genau­so stark ver­än­dern, wie die Schnitt­stel­len selbst. Ne­ben Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­len wie eMail, Cha­tPro­gram­men und Te­le­fon­diens­ten wer­den die ver­netz­ten Nut­zer von mor­gen nicht nur Web­sei­ten durch­fors­ten, son­dern ih­re kom­plet­te Um­ge­bung steu­ern. Das in die­sem Zu­sam­men­hang oft ver­wen­de­te Schlag­wort heißt „In­ter­net der Din­ge“. Da­mit ist ge­meint, dass in Zu­kunft auch All­tags­ge­gen­stän­de

und Ge­rä­te, die bis­lang nicht ver­netzt wa­ren, ans glo­ba­le Kom­mu­ni­ka­ti­ons­sys­tem an­ge­schlos­sen wer­den. Durch die im­mer klei­ne­ren, kos­ten­güns­ti­ge­ren­und­strom­spa­ren­de­renCom­pu­ter­chips wer­den schon heu­te Au­tos, Haus­halts­ge­rä­te und Arm­band­uh­ren ver­netzt. Die­ser Trend wird sich in Zu­kunft noch ver­stär­ken. Hei­m­au­to­ma­ti­sie­rungs­sys­te­me, die es er­lau­ben, Hei­zung, Be­schat­tungs­an­la­gen, Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik oder Alarm­an­la­gen übers In­ter­net an­zu­steu­ern, sind oft schon Stan­dard. Schät­zun­gen ge­hen da­von aus, dass bis zum Jahr 2020 rund 20 Mil­li­ar­den Ge­rä­te am Netz hän­gen wer­den. Dar­un­ter wer­den laut ei­ner froh­lo­cken­den In­dus­trie nicht nur Kühl­schrän­ke sein, die wis­sen, wel­che Le­bens­mit­tel sie be­her­ber­gen und wann die­se ab­lau­fen, son­dern auch Sen­so­ren, die sich in Klei­dung, Fuß­bo­den, Tü­ren oder Mö­beln ver­ber­gen und In­for­ma­tio­nen über un­se­ren All­tag sam­meln und un­ser Le­ben so ef­fi­zi­en­ter ge­stal­ten sol­len. In der Me­di­zin träu­men For­scher heu­te schon von Schwär­men win­zi­ger Ma­schi­nen, die in der Blut­bahn pa­trouil­lie­ren und dort Pro­ble­me er­ken­nen und Me­di­ka­men­te ziel­ge­nau an ih­ren Be­stim­mungs­ort brin­gen. Da­für müss­ten die elek­tro­ni­schen Baustei­ne aber noch wei­ter schrump­fen, oder gar durch bio­lo­gi­sche aus­ge­tauscht wer­den.Die­seTech­no­lo­gie­lieg­t­ein­deu­tig noch im Be­reich der Sci­ence Fic­tion. Die Ent­wick­lun­gen kön­nen aber schon vor­her Vor­tei­le brin­gen, et­wa wenn un­se­re Klei­dung me­di­zi­ni­sche Da­ten sam­melt oder ein Par­kett­bo­den weiß, wenn ein äl­te­rer Be­woh­ner ge­stürzt ist und die Ret­tung in­for­miert.

GE­FAH­REN. Die Kehr­sei­te der Me­dail­le ist, dass der Trend zum glä­ser­nen Men­schen, die durch die Ver­la­ge­rung der Kom­mu­ni­ka­ti­on ins Netz und den Auf­stieg per­sön­li­cher In­for­ma­tio­nen zum Zah­lungs­mit­tel im Netz be­gon­nen hat, noch wei­ter ver­stärkt wird. Schon heu­te tra­gen Men­schen Fit­nessTra­cker und ver­su­chen durch die Ana­ly­se ih­rer sport­li­chen Ak­ti­vi­tät, ih­re Ef­fi­zi­enz zu stei­gern. Das ent­spricht dem Geist der Tech­nik-Gu­rus im Si­li­con Val­ley und hat de­ren Fir­men ei­ne Men­ge Geld ein­ge­bracht. Durch die Ver­net­zungderWelt­mitSen­so-

ren wird es für Men­schen schwie­ri­ger, ih­re Pri­vat­sphä­re zu wah­ren. Da­zu kommt auch, dass die Si­cher­heit ei­nes zu­neh­mend kom­ple­xen Sys­tems aus ver­netz­ten Ge­rä­ten, von der Zahn­bürs­te bis zum Tür­schloss, nur sehr schwer ge­währ­leis­tet wer­den kann. Fin­di­ge Kri­mi­nel­le wer­den We­ge fin­den, sol­che Netz­wer­ke zu kna­cken und al­le Da­ten, die sie fin­den, ab­sau­gen, von me­di­zi­ni­schen In­for­ma­tio­nen über Stand­ort­da­ten bis zu Kre­dit­kar­ten­in­for­ma­tio­nen. Auch das Ka­pern von Haus­steue­rungs­an­la­gen oder Au­tos ist denk­bar, ge­nau wie das For­dern von Lö­se­geld für die Frei­ga­be in­fi­zier­ter Ge­rä­te. Wer­be­in­dus­trie und Nach­rich­ten­diens­te rei­ben sich eben­falls die Hän­de und hof­fen, die Flut an In­for­ma­tio­nen ge­winn­brin­gend ver­wer­ten zu kön­nen. Hier sind die Her­stel­ler und die Po­li­tik ge­for­dert, die Nut­zer durch die Schaf­fung ent­spre­chen­der Rah­men­be­din­gun­gen zu schüt­zen. Be­vor die­se schö­ne neue Welt zum All­tag wird und die Kas­sen wie­der klin­geln lässt, wer­den die Her­stel­ler von Hard- und Soft­ware sich noch ei­ni­ge Zeit mit klei­ne­ren Bröt­chen zu­frie­den­ge­ben müs­sen. US-Kon­zer­ne in­ves­tie­ren der­zeit in die Ver­net­zung von Au­tos und Haus­hal­ten und ver­su­chen mit der Ein­füh­rung von Neue­run­gen wie Smart­wat­ches, die kaum Mehr­wert brin­gen, den Markt­zy­klus der Smart­pho­nes noch ei­ni­ge Jah­re zu ver­län­gern. Die Su­che nach neu­en Ein­nah­me­quel­len wird den Trend in Rich­tung Ver­net­zung und nächs­ter Hard­ware­ge­ne­ra­ti­on aber zu­neh­mend be­schleu­ni­gen. Wer die Hür­den als ers­ter nimmt, wird sehr gut ver­die­nen.

Mit ei­nem Bild­schirm di­rekt vor den Au­gen blei­ben die Hän­de frei für an­de­re Auf­ga­ben

Mit Da­ten­bril­len ex­pe­ri­men­tie­ren ei­ni­ge Un­ter­neh­men schon heu­te. Der Durch­bruch blieb bis­lang al­ler­dings ver­wehrt. Wenn Tech­nik und Be­dien­bar­keit sich aber ver­bes­sern, kann sich das schnell än­dern

Die Er­wei­te­rung der Sin­ne durch Tech­no­lo­gie nimmt zu. Am En­de könn­te ei­ne Ver­schmel­zung ste­hen.

Auch das In­ne­re un­se­rer Kör­per ist nicht ge­feit vor dem Vor­marsch der Tech­no­lo­gie. Win­zi­ge ver­netz­te Sen­so­ren könn­ten Ech­zeit­da­ten lie­fern

Die Ver­net­zung des All­tags hat be­reits be­gon­nen. Heu­te dient meist das Smart­pho­ne als Steu­er­zen­tra­le. Da­mit las­sen sich schon heu­te Hei­zung, und Haus­halts­ge­rä­te be­die­nen

Kon­takt­lin­sen , die als Bild­schir­me die­nen, lie­gen heu­te noch in wei­ter Fer­ne. Ers­te Ver­su­che im La­bor gibt es zwar, die tech­ni­schen Her­aus­for­de­run­gen sind aber groß. Mit sol­chen Sys­te­men wä­re die Schnitt­stel­le zum In­ter­net für Au­ßen­ste­hen­de kom­plett un­sicht­bar, was bei Da­ten­bril­len nicht zu­trifft

Die Ver­net­zung des All­tags bringt auch Her­aus­for­de­run­gen im Be­reich der Si­cher­heit. Wenn je­der Ge­gen­stand im Haus­halt am Netz hängt, ist auch die An­griffs­flä­che für Ein­dring­lin­ge groß

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