Di­gi­tal wird Main­stream

Wie für al­les Ana­lo­ge gibt es auch für das Bar­geld vie­le di­gi­ta­le Al­ter­na­ti­ven im smar­ten Zeit­al­ter. Un­ter­su­chun­gen zei­gen, wie schnell und in wel­chen Be­rei­chen die neu­en Mög­lich­kei­ten be­reits an­ge­nom­men wer­den.

KURIER_DIGITAL FUTURE - - INHALTSVERZEICHNIS - -STE­FAN SCHALLERT

So ak­zep­tiert ist das bar­geld­lo­se Be­zah­len in Ös­ter­reich

Di­gi­ta­les Be­zah­len – oder eng­lisch Fu­ture Payment – wird auf die ei­ne oder an­de­re Art und Wei­se die Be­zah­lungs­op­ti­on der Zu­kunft wer­den. Doch die tech­no­lo­gi­schen An­wen­dungs­ge­bie­te und Mög­lich­kei­ten sind so viel­fäl­tig, wie sie un­ter­schied­lich sind. Lie­ber mit dem Smart­pho­ne, per Fin­ger­ab­druck oder doch mit dem alt­her­ge­brach­ten Bör­serl be­zah­len? Man­che die­ser Mög­lich­kei­ten sind be­reits vor­han­den. Ei­ne Be­fra­gung des Trend­ba­ro­me­ters IP-Trend­li­ne zeigt, dass neue Zah­lungs­ar­ten in der Be­völ­ke­rung be­reits dis­ku­tiert wer­den, aber auch, dass den Fu­ture Pay­ments noch mit Vor­be­hal­ten be­geg­net wird. Mehr als die Hälf­te der 14 - bis 65-Jäh­ri­gen kön­nen mit dem Be­griff des mo­bi­len Be­zah­lens et­was an­fan­gen – 20 Pro­zent da­von ha­ben die Ser­vices von PayPal, App­le Pay, Goog­le Wal­let und ähn­li­chen An­ge­bo­ten be­reits ge­nutzt. Der Groß­teil der Be­frag­ten lehnt die Idee, für Geld­trans­fers neu­en Tech­no­lo­gi­en zu ver­trau­en, je­doch der­zeit noch gänz­lich ab oder ist zu­min­dest skep­tisch. Am ehes­ten se­hen die Jün­ge­ren und Bes­ser­ver­die­nen­den das Po­ten­zi­al von Mo­bi­le Payment im All­tag: Bei­spiels­wei­se beim Ti­cket­kauf, beim Par­ken, Ein­kau­fen oder beim Be­zah­len von Ho­tel­rech­nun­gen und Ta­xi­fahr­ten, kurz: wenn es schnell und ein­fach ge­hen soll.

EI­NE MIL­LI­AR­DE NUT­ZER BIS 2019. Die Zu­kunft ist zah­lungs­tech­nisch al­so noch nicht wirk­lich in der bür­ger­li­chen Pra­xis an­ge­kom­men. Trotz­dem gibt es ein gro­ßes Be­wusst­sein und grund­sätz­lich Ei­nig­keit dar­über, dass sich man­che der Fu­ture-Pay­men­tMe­tho­den den­noch letzt­lich breit

durch­set­zen wer­den. Zu­min­dest in be­stimm­ten Be­rei­chen. Welt­weit sol­len sich die Nut­zer­zah­len von der­zeit 92 Mil­lio­nen bis zum Jahr 2019 auf über ei­ne Mil­li­ar­de Nut­zer mehr als ver­zehn­fa­chen. Ex­per­ten er­klä­ren dies ei­ner­seits durch die Eta­b­lie­rung be­reits be­kann­ter Zah­lungs­me­tho­den, an­de­rer­seits durch die Ver­brei­tung von ePay­ment-In­fra­struk­tur in Ge­schäf­ten, an Au­to­ma­ten­und­na­tür­lich on­line. Weg­wei­send für den Auf­wärts­trend sind bei­spiels­wei­se die be­reits eta­blier­ten Quick­pay­ment Funk­tio­nen an Su­per­markt­kas­sen, wel­che die NFC-Tech­no­lo­gie nut­zen. Laut Ex­per­ten­ein­schät­zung soll NFCZah­lung den Lö­wen­an­teil des pro­gnos­ti­zier­ten Zu­wach­ses von Mo­bi­le Payment aus­ma­chen, aber auch an­de­re Al­ter­na­ti­ven der di­rek­ten bar­geld­lo­sen Trans­ak­ti­on wie Peer-to-PeerÜber­wei­sun­gen über so­zia­le Me­di­en oder Iris- be­zie­hungs­wei­se Fin­ger­print­scan sind bei der Zah­lungs­wei­se der Zu­kunft im Ge­spräch.

BIOMETRIE STATT LO­GIN. Zu­letzt ge­nann­te, auf bio­me­tri­scher Iden­ti­fi­ka­ti­on ba­sie­ren­de Zah­lungs­me­tho­den stel­len ei­ne Al­ter­na­ti­ve ge­gen­über Log-in-ba­sier­ten Ser­vices dar. Sie gel­ten bei Skep­ti­kern grund­sätz­lich als be­son­ders si­cher. Laut ei­ner Stu­die vom deut­schen Markt­for­schungs­in­sti­tut Bit­kom wä­ren sechs von zehn der Be­frag­ten be­reit, bio­me­tri­sche Zah­lungs­me­tho­den zu nut­zen. Selbst bei

Se­nio­ren fand sich ei­ne Zu­stim­mung von 52 Pro­zent. Hier­zu­lan­de ist die Skep­sis dies­be­züg­lich et­was hö­her. Be­son­ders „Sel­fie Pay“– al­so die Be­zah­lung, durch Ge­sichts­er­ken­nung per Han­dy­ka­me­ra – wel­ches in Ame­ri­ka be­reits ein­ge­führt wur­de, stieß bei sei­ner An­kün­di­gung auf Wi­der­stand. Bio­me­tri­sche Al­ter­na­ti­ven wie An­dro­id Fingerprint ha­ben in den so­zia­len Netz­wer­ken be­reits ein re­ges Echo er­hal­ten, lei­den aber noch an tech­ni­schen Kin­der­krank­hei­ten, wes­we­gen sich die Eta­b­lie­rung noch ver­zö­gert. Das ge­stei­ger­te Ver­trau­en ge­gen­über bio­me­tri­schen Me­tho­den lässt sich da­mit er­klä­ren, dass Kon­su­men­ten es be­vor­zu­gen, die Ve­ri­fi­zie­rung als Kon­to­in­ha­ber in der ei­ge­nen Hand zu ha­ben: heu­te noch per TAC-SMS, mor­gen viel­leicht schon per Fin­ger­ab­druck oder Iris-Scan. Aber auch die so­zia­len Netz­wer­ke als so ge­nann­te Di­gi­tal Gi­ants wol­len ihr Stück vom Ku­chen und zwar in Form von P2P-Pay­ments, al­so di­rek­ten Fi­nanz­trans­ak­tio­nen zwi­schen den Usern. Face­book bei­spiels­wei­se plant die Funk­ti­on, über die haus­ei­ge­ne Mes­sen­ger App aus­zu­rol­len und so das Po­ten­zi­al von 800 Mil­lio­nen be­ste­hen­den Kun­den zu nut­zen. Was der vor­han­de­nen In­fra­struk­tur ent­ge­gen­steht, ist der Arg­wohn der Nut­zer ge­gen­über den so­zia­len Netz­wer­ken: Man ist ger­ne be­reit die Ser­vices für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­ter­es­sen zu nut­zen, doch das Si­cher­heits­be­dürf­nis bei Fi­nanz­trans­ak­tio­nen ist hö­her. Mit ähn­li­cher Skep­sis be­geg­net bei­spiels­wei­se die D-A-CH Re­gi­on auch Googles Hands Free Payment, wel­ches eben­falls die Si­cher­heits­fra­ge in die Hand ei­nes gro­ßen In­ter­net­kon­zerns legt.

FA­ZIT: PER KAR­TE „JA, GER­NE“. Ten­den­zi­ell lässt sich den ein­zel­nen Stu­di­en ent­neh­men, dass Fu­ture Pay­ments kein prin­zi­pi­el­ler Tech­nikarg­wohn oder ein kon­ser­va­ti­ves Fest­klam­mern-an-Alt­be­kann­tem im We­ge steht. Der Ein­satz von NFCTech­no­lo­gie in Ban­ko­mat­kar­ten­form war als In­no­va­ti­on ein vol­ler Er­folg, erst die Ver­bin­dung mit dem Smart­pho­ne und viel­mehr den da­hin­ter­ste­hen­den Kon­zer­nen, Her­stel­lern und Be­triebs­sys­te­men er­regt Sor­ge bei den Kon­su­men­ten. Aus dem Mei­nungs­bild der Nut­zer lässt sich ab­le­sen, dass dies dem man­geln­dem Mehr­wert, den die Tech­no­lo­gie bis­her­bie­tet, ge­schul­de­tist. Die Ban­ken ar­bei­ten mit ih­ren Apps und Fea­tu­res dar­an, mehr Ser­vice zu bie­ten, um dies zu än­dern.

Jun­gen Usern fällt es laut Un­ter­su­chun­gen ein­fach, neue Tech­no­lo­gi­en an­zu­neh­men

Die Be­zahl­me­tho­den künf­ti­ger Ge­ne­ra­tio­nen wer­den viel­fäl­ti­ger sein als das heu­ti­ge An­ge­bot

Ös­ter­rei­cher sind nicht Tech­no­lo­gie-skep­tisch, ver­trau­en aber lie­ber lo­ka­len An­bie­tern

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