So schüt­zen Sie Ih­re An­ony­mi­tät

Wir be­zah­len im In­ter­net zwar kein Geld für die Di­ens­te wie Face­book oder Goog­le, die wir nut­zen, da­für aber be­zah­len wir mit un­se­ren Da­ten. Bei je­dem Lo­gin in so­zia­len Netz­wer­ken hin­ter­las­sen wir di­gi­ta­le Spu­ren. Doch es gibt We­ge, sei­ne Pri­vat­sphä­re und

KURIER_DIGITAL FUTURE - - INHALTSVERZEICHNIS - -BAR­BA­RA WIM­MER

So brem­sen Sie Da­ten­samm­ler wie Goog­le & Co. aus

Je­der Mensch, der sich im In­ter­net be­wegt, über Such­ma­schi­nen nach In­hal­ten­sucht,pe­reMail­kom­mu­ni­ziert, ein Han­dy hat und so­zia­le Netz­wer­ke wie Face­book nutzt, hin­ter­lässt di­gi­ta­le Spu­ren. Auf­grund die­ser Spu­ren kön­nen die je­wei­li­gen Un­ter­neh­men, bei de­nen man als Nut­zer ak­tiv ist, aber auch Be­hör­den oder Ge­heim­diens­te, die auf die­se Da­ten Zu­griff ha­ben, de­tail­lier­te Rück­schlüs­se auf Vor­lie­ben und In­ter­es­sen zie­hen. Das be­ginnt be­reits in der Früh, wenn man zum ers­ten Mal sei­ne eMails am Han­dy ab­ruft, oder sich über Face­book mit ei­nem Freund

ver­ab­re­det und en­det vorm Schla­fen­ge­hen, wenn man auf Goog­le nach pflanz­li­chen Ein­schlaf­hil­fen sucht oder da­nach, wie das Wet­ter am nächs­ten Tag wird. Goog­le lie­fert et­wa die Ant­wor­ten auf fast al­le Fra­gen des Le­bens. Die Such­er­geb­nis­se sind per­so­na­li­siert, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­se zu­ge­schnit­ten und an­ge­passt.

GOOG­LE. Ne­ben der Su­che hat Goog­le aber bei weit mehr Di­ens­ten sei­ne Fin­ger im Spiel als vie­len be­wusst ist. GooDer gle stellt uns sei­ne Di­ens­te, die wir täg­lich nut­zen, auch nicht kos­ten­los zur Ver­fü­gung, son­dern wir be­zah­len da­für – und zwar un­ter an­de­rem mit un­se­ren Da­ten. Wenn wir et­wa un­se­re pri­va­ten eMails mit Gmail ver­sen­den, in der wir un­se­re nächs­te Grie­chen­land-Rei­se pla­nen, ana­ly­siert Goog­le die Tex­te und blen­det auf der Sei­te Wer­be­schal­tun­gen zur Ur­laubs­de­s­ti­na­ti­on ein. Wenn wir nach dem Wet­ter­su­chen,wei­ßGoo­g­le­gen­au,wel­che Web­sei­ten wir be­vor­zu­gen und blen­det ge­wis­se An­bie­ter bei un­se­rem nächs­ten Be­such au­to­ma­tisch aus. Dass Goog­le die Such­an­fra­gen sei­ner Nut­zer spei­chert, ist kein Ge­heim­nis. Kon­zern merkt sich Orts­da­ten von Smart­pho­ne-Be­sit­zern und spei­chert Da­ten wie Le­se­zei­chen, Kon­tak­te,Han­gout-Nach­rich­ten,Bil­de­ro­der In­hal­te vom Cloud-Di­enst Dri­ve.

FACE­BOOK. Auch Face­book sam­melt viel mehr, als den meis­ten In­ter­ne­tNut­zern be­wusst ist. Auch die­ser ITKon­zern weiß et­wa, wann wir schla­fen, was wir lö­schen oder wel­che se­xu­el­le Ori­en­tie­rung wir ha­ben. Ein Blick auf Face­book und die da­zu­ge­hö­ri­ge Mes­sen­ger App ist für vie­le In­ter­net­Nut­zer die ers­te und letz­te Tä­tig­keit, die sie vor dem Schla­fen­ge­hen oder di­rekt nach dem Auf­ste­hen ver­rich­ten.

Face­book hat da­her ei­nen ge­nau­en Über­blick über die Schlaf­ge­wohn­hei­ten sei­ner Kun­den. Das ist aber nur ein klei­ner Puz­zle-St­ein. Das so­zia­le Netz­werk Face­book sam­melt näm­lich nicht erst seit Kur­zem Da­ten aus al­len Le­bens­be­rei­chen über sei­ne Nut­zer. Der Datenschutz-Ak­ti­vist Max Schrems hat­te schon vor Jah­ren an­ge­pran­gert, dass bei Face­book et­wa Da­ten, die von Nut­zern hoch­ge­la­den und da­nach wie­der ge­löscht wor­den sind, in ei­nem Ar­chiv ge­spei­chert blei­ben. Selbst die In­for­ma­ti­on über ent­fern­te Mar­kie­run­gen, Freun­de oder Nach­rich­ten blei­ben bei Face­book er­hal­ten und wer­den nur „ober­fläch­lich“ge­löscht. Mit all den Da­ten, die Face­book über sei­ne Nut­zer sam­melt, kann der IT-Kon­zern laut An­ga­ben von Wis­sen­schaft­lern auch oh­ne Zu­tun der Nut­zer be­rech­nen, wel­che se­xu­el­le Ori­en­tie­rung sie ha­ben oder wel­che po­li­ti­sche Aus­rich­tung. Da­zu rei­chen oft In­for­ma­tio­nen, die Freun­de des be­trof­fe­nen Nut­zers über sich selbst frei­ge­ge­ben ha­ben. Wer nicht will, dass Kon­zer­ne und – wie seit den Ent­hül­lun­gen von Ed­ward Snow­den be­kannt – auch Be­hör­den und Ge­heim­diens­te, der­ma­ßen vie­le In­for­ma­tio­nen über ei­nen sam­meln, kann sich je­doch schüt­zen – auch wenn es nicht ein­fach ist, den zen­tra­len In­ter­net-Di­ens­ten gänz­lich zu ent­kom­men. Da­zu müss­te man sich in On­line-Ab­sti­nenz üben und da­mit auf sei­nen bis­he­ri­gen All­tag ver­zich­ten.

WIE SCHÜT­ZEN? Bei Face­book kann man et­wa Pri­vat­sphä­re-Ein­stel­lun­gen fest­le­gen und Ein­trä­ge nur für sei­nen Freun­des­kreis zu­gäng­lich zu ma­chen und nicht für die Öf­fent­lich­keit – aber an der Da­ten­sam­mel­wut des Un­ter­neh­mens hilft es nur we­nig. Statt­des­sen müss­te man sei­ne Freun­de da­zu brin­gen, auf ein un­ab­hän­gi­ges, of­fe­nes Netz­werk wie Dia­spo­ra zu wech­seln, das Pri­vat­sphä­re von An­fang an mit­kon­zi­piert hat. Das ist ein Ein­griff in das Nut­zungs­ver­hal­ten, das für vie­le be­reits zu viel Auf­wand dar­stellt. Doch in an­de­ren Be­rei­chen gibt es mehr Mög­lich­kei­ten.

AN­ONYM SUR­FEN UND SU­CHEN. Wer beim Sur­fen an­onym blei­ben will, kann die An­ony­mi­sie­rungs­soft­ware Tor (tor­pro­ject.org) nut­zen. Die­se er­setzt die ei­ge­ne durch ei­ne neue IP-Adres­se.FürAn­dro­id-Han­dys­gibt es mit „Tor­bot“ei­ne kos­ten­lo­se Ver­si­on für das an­ony­me mo­bi­le Sur­fen. Zu­dem gibt es Vir­tu­al-Pri­va­te-Net­work(VPN)-Di­ens­te, die da­für sor­gen, dass man im Netz an­onym un­ter­wegs ist. Für das Su­chen nach In­for­ma­tio­nen gibt es auch Such­ma­schi­nen wie DuckDuckGo (duckduckgo.com) oder IXQuick (ixquick.com), die nicht spei­chern, was man wann sucht. Es wer­den auch kei­ner­lei per­sön­li­che In­for­ma­tio­nen mit Drit­ten ge­teilt. An­ony­me Such­ma­schi­nen ha­ben nach den Ent­hül­lun­gen von Ed­ward Snow­den enor­men Zu­lauf er­fah­ren. Man darf sich al­ler­dings bei ei­ner an­ony­men Such­ma­schi­ne kei­ne per­so­na­li­sier­ten Er­geb­nis­se er­war­ten. Zu­sätz­lich soll­te man beim Sur­fen im Netz auf das HTTPS :// Sym­bol ach­ten – vor al­lem dann, wenn man heik­le Bank­ge­schäf­te tä­tigt oder sei­ne Nut­zer­da­ten mit Pass­wort ein­ge­ben muss. Die­ses Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­to­koll im World Wi­de Web sorgt da­für, dass Da­ten ab­hör­si­cher über­tra­gen wer­den und ist mitt­ler­wei­le zum Stan­dard ge­wor­den.

SPEI­CHERN UND MAI­LEN. Statt Goog­le Dri­ve soll­ten Nut­zer am bes­ten ei­nen Cloud-Spei­cher­dienst ei­nes ös­ter­rei­chi­schen oder eu­ro­päi­schen Un­ter­neh­mens ein­set­zen und statt ei­nes Mail-Ac­counts­bei Goog­le oder Yahoo kannman­beim Mail­ver­kehr­auf­klei­ne hei­mi­sche Pro­vi­der aus­wei­chen oder auf eMail-Pro­vi­der, die auf Ver­schlüs­se­lung set­zen. Wer auf Di­ens­te von Mi­cro­soft oder Goog­le nicht ver­zich­ten kann oder will, der soll­te sich zu­min­dest Ge­dan--

ken dar­über ma­chen, ob er pri­va­te E-Mails, die et­wa Ge­schäfts­ge­heim­nis­se ver­ra­ten könn­ten, nicht bes­ser ver­schlüs­selt. Da­zu kann man Pret­ty Good Pri­va­cy (PGP) nut­zen, ein von Phil Zim­mer­mann ent­wi­ckel­tes Pro­gramm zur Ver­schlüs­se­lung von Da­ten. Das OpenSour­ce-Add-On ist in ei­ner Rei­he von eMail-Pro­gram­men wie et­wa Mi­cro­soft Out­look im­ple­men­tiert. Auch für mo­bi­le Be­triebs­sys­te­me gibt es Mail-Apps, die mit der Ver­schlüs­se­lungs­tech­nik um­ge­hen kön­nen. Für das si­che­re Kom­mu­ni­zie­ren per Smart­pho­ne emp­fiehlt sich die App „Si­gnal“(für An­dro­id und iOS er­hält­lich). Wer sich ger­ne wei­te­re Tipps zum Schutz der ei­ge­nen An­ony­mi­tät im Netz aus den Be­rei­chen On­line-Kol­la­bo­ra­ti­on, In­stant Mes­sa­ging, Me­di­en­diens­te wie Vi­deo- oder Fo­to­platt­for­men, Di­ens­te für An­dro­id-Smart­pho­nes oder iPho­nes so­wie Vi­deo­kon­fe­renz­lö­sun­gen ho­len möch­te, wird auf prism-break.org und pri­va­cy­tools.io fün­dig. Ei­nes darf man zu­dem nie ver­ges­sen: Das Recht auf Pri­vat­sphä­re ist ein Men­schen­recht, das auch im In­ter­ne­tZeit­al­ter gilt und das man vor Ge­richt er­strei­ten kann. Auch dann, wenn wir vie­le Da­ten von uns frei­wil­lig im Netz preis­ge­ben.

Ver­schlüs­se­lung ist ei­nes der we­sent­li­chen Hilfs­mit­tel zum Schutz der Pri­vat­sphä­re.

Via VPN (vir­tu­el­les pri­va­tes Netz) kann man an­onym im Netz un­ter­wegs sein.

Wir hin­ter­las­sen im Netz übe­r­all un­se­re di­gi­ta­len Fuß­spu­ren.

eMails kön­nen mit­tels PGP ver­schlüs­selt wer­den, oder man setzt auf klei­ne, hei­mi­sche eMailPro­vi­der

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