Ban­ko­mat ist nicht gleich Ban­ko­mat

Ban­kunab­hän­gi­ge Ban­ko­ma­ten und FinTechs grei­fen an. Be­lebt mehr An­ge­bot das Bank­ge­schäft? Die Ban­ken re­agie­ren mit neu­en Ser­vices und der ge­wohnt ho­hen Da­ten­si­cher­heit auf den wach­sen­den Mit­be­werb.

KURIER_DIGITAL FUTURE - - INHALTSVERZEICHNIS - – YAS­MIN VIHAUS

War­um bei Fin­tech-Ban­ko­ma­ten Vor­sicht ge­bo­ten ist

Die Dis­kus­si­on rund um die Ein­füh­rung von Ban­ko­mat­ge­büh­ren ist groß –und fußt letzt­end­lich auf der zu­neh­men­den Ver­brei­tung von bank un­ab­hän­gi­gen An­bie­tern i mB an­ko­mat sek­tor. Den­noch:Foy er­schlie­ßun­gen sind im ös­ter­rei­chi­schen Ban­ken­sek­tor mitt­ler­wei­le kei­ne Sel­ten­heit mehr und mit den Bank­fi­lia­len ver­schwin­den meist auch die Geld­aus­ga­be ge­rä­te. Rund 7600 Ban­ko­ma­ten – und da­mit ein Groß­teil al­ler Ge­rä­te –wer­den in Ös­ter­reich vonPay­ment Ser­vice Aus­tria,ei­nem­ge­mein­sa­men Un­ter­neh­men der ös­ter­rei­chi­schen Ban­ken, be­treut. Zu­sätz­lich agie­ren noch zwei bank un­ab­hän­gi­geAn­bie­te raus den USA in Ös­ter­reich .2008 be­gann First Da­ta mit der Auf­stel­lung von Ban­ko­ma­ten in ös­ter­rei­chi­schen Spar-Fi­lia­len. Mitt­ler­wei­le wer­den 1200 sol­cher Ge­rä­te be­trie­ben. Eu­ro­net, eben­falls ein US-Un­ter­neh­men, be­schränkt sich mit sei­nen Au­to­ma­ten vor al­lem auf den Stand­ort Wien. Ins­ge­samt gibt es rund 1300 Ban­ko­ma­ten, die nicht von ös­ter­rei­chi­schen Ban­ken be­trie­ben wer­den – vor al­lem an hoch­fre­quen­tier­ten Or­ten wie Shop­ping­cen­tern, Bahn­hö­fen und Spi­tä­lern. Für die Auf­stel­lung der Ge­rä­te wird ent­we­der ge­zahlt oder der Ban­ko­mat­be­trei­ber ver­langt ei­nen ga­ran­tier­ten Umsatz. Mitt­ler­wei­le leis­ten sich auch ers­te Ge­mein­de­äm­ter ei­ge­ne Ge­rä­te. Für die ös­ter­rei­chi­schen Ban­ken ist das vor al­lem auf­grund der an­fal­len­den Ge­büh­ren ein Pro­blem. Die ban­kunab­hän­gi­gen Be­trei­ber ver­lan­gen Spe­sen von der Bank des Kun­den, der die Be­he­bung tä­tigt.

KON­KUR­RENZ DURCH FINTECHS. Aber nicht nur im Be­reich der Geld­aus­ga­be­ge­rä­te mi­schen ex­ter­ne Un­ter­neh­men im ös­ter­rei­chi­schen Fi­nanz­sek­tor mit. Vor al­lem jun­ge Start-ups ha­ben den Ban­ken­sek­tor für sich ent­deckt und be­le­ben die Bran­che mit neu­en Ide­en – die so­ge­nann­ten FinTechs wer­den ein im­mer grö­ße­res The­ma. Laut ei­ner Stu­die von McKin­sey gibt es welt­weit be­reits 12.000 Star­tups in der Bran­che, die meis­ten da­von in Nord­ame­ri­ka und Asi­en. „Die Di­gi­ta­li­sie­rung bie­tet Kun­den und Ban­ken enor­mes Po­ten­zi­al. Fi­nanz di­enst­leis­tun­gen kön­nen bei­spiels­wei­se noch stär­ker in­di­vi­dua­li­siert und be­schleu­nigt wer­den. FinTechs ha­ben sich rund um den Glo­bus dar­auf spe­zia­li­siert, neue Di­ens­te zu schaf­fen un­d­be ste­hen­de wei­ter zu ent­wi­ckeln. Hier gibt es ein brei­tes Feld für Ko­ope­ra­tio­nen, auch im Sin­ne der Kun­den“, er­klärt Franz Ru­dor­fer, Ge­schäfts­füh­rer der Bun­des­spar­te Bank und Ver­si­che­rung in­der Wirt schafts kam­mer Ös­ter­reich. Mitt­ler­wei­le ver­su­chen vie­le nam­haf­te Ban­ken mit Start-up­sinKon­takt zu­kom­men–nicht zu­letzt, um ih­re Kun­den in ge­wis­sen Be­rei­chen nicht an die neu­en Un­ter­neh­men zu ver­lie­ren. „Wir kön­nen viel von der Denk­wei­se der Start-ups ler­nen“, er­klär­te Pe­ter Bo­sek, Pri­vat­kun­den vor­stand der Ers­te Bank, kürz­lich in ei­nem Ge­spräch mit futurezone. Im Jän­ner star­te­te die Ers­te Bank mit der neu ent­wi­ckel­ten On­line-Ban­kin­gPlatt­form „Ge­or­ge“und nahm sich da­bei Goog­le und Face­book, aber auch kon­kur­rie­ren­de Fi­nanz-Star­tups zum Vor­bild. Ins Le­ben ge­ru­fen wur­de die Platt­form vor al­lem auf­grund des An­ge­bots von ähn­li­chen Start-ups – wie dem von „Num­ber 26“. Das Wie­ner Start-up be­zeich­net sich selbst als „Eu­ro­pas mo­derns­tes Gi­ro­kon­to“, die Kon­to­er­öff­nung soll in nur we­ni­gen Mi­nu­ten mög­lich sein. Die An­mel­dung er­folgt on­line, die Iden­ti­tät wird per Vi­deochat ge­prüft. Da­nach steht das Kon­to in­klu­si­ve ei­ner um­fang­rei­chen App kos­ten­los be­reit. Mit ih­rem Un­ter­neh­men sor­gen die Grün­der Ma­xi­mi­li­an Tay­en­thal und

Va­len­tin Steif aber nicht nur in Eu­ro­pa für Auf­se­hen – auch der be­kann­te US-In­ves­tor Pe­ter Thiel, der schon bei PayPal und Face­book in­ves­tier­te, be­tei­ligt sich am Un­ter­neh­men. In den Ban­ken se­hen die Grün­der von „Num­ber26“nur we­nig Kon­kur­renz und Be­dro­hung – ein viel grö­ße­res Ri­si­ko wür­den Tech­no­lo­gie-Kon­zer­ne wie App­le oder Samsung mit­brin­gen. Die Tech-Rie­sen wä­ren vor al­lem an den Da­ten in­ter­es­siert, in Eu­ro­pa wür­den sie hier, auf­grund von EURicht­li­ni­en, auf ei­ni­ge Hür­den sto­ßen. WKÖ-Ex­per­te Ru­dor­fer be­tont, dass es ge­ra­de im Fi­nanz­be­reich wich­tig sei, dass auch für aus­län­di­sche An­bie­ter die­sel­ben Spiel­re­geln gel­ten. Gleich­zei­tig ha­ben die ös­ter­rei­chi­schen Ban­ken vor al­lem ei­nen wich­ti­gen Plus­punkt, den sie her­aus­strei­chen soll­ten: „Das gro­ße As­set der Ban­ken ist, dass die Da­ten der Kun­den bei ih­nen si­cher sind.“

Neue di­gi­ta­le Be­zahl­sys­te­me: Num­ber 26 (im Bild das Grün­der­team rund um Ma­xi­mi­li­an Tay­en­thal) hat über 160.000 Nut­zer

Kun­den ha­ben die Wahl: Ne­ben den Au­to­ma­ten in Bank­fi­lia­len füh­ren im­mer mehr Tank­stel­len und Su­per­märk­te mo­bi­le Ban­ko­ma­ten ein

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