RE­VO­LU­TI­ON MIT HAN­DY

So­zia­le Netz­wer­ke ver­än­dern die Art und Wei­se, wie wir kom­mu­ni­zie­ren und ar­bei­ten. Vie­len Ös­ter­rei­chern ge­hen die Ve­rän­de­run­gen durch Face­book und Co. aber zu schnell.

KURIER_DIGITAL FUTURE - - SMART DEVICES - -PATRICK DAX

„Das In­ter­net hat den Wan­del ein­ge­lei­tet, mit Smart­pho­nes in Ver­bin­dung mit so­zia­len Me­di­en kam die Re­vo­lu­ti­on“, sagt Paul Ei­sels­berg vom Lin­zer IMAS In­sti­tut. In sei­nem im Früh­jahr im Trau­ner Ver­lag er­schie­ne­nen Buch „#So­ci­alMe­di­aRe­vo­lu­ti­on “un­ter­sucht der Mei­nungs­for­scher, wie so­zia­le Me­di­en un­se­ren All­tag ver­än­dern. Wenn der ei­ge­ne zwei­jäh­ri­ge Sohn am „Fern­se­her wischt“um den Ka­nal zu wech­seln und be­reits Neun­jäh­ri­ge über WhatsApp kom­mu­ni­zie­ren, dann ha­be das Kon­se­quen­zen für die Ge­sell­schaft, sagt Ei­sels­berg. Sein Be­fund ist ein­deu­tig: „Es wird kein St­ein auf dem an­de­ren blei­ben.“Dass wir es mit ei­ner Re­vo­lu­ti­on zu tun ha­ben, zei­ge auch die Nut­zung der so­zia­len Me­di­en. Mehrals 35 Pro­zent­der rund 2,7 Mil­lio­nen hei­mi­schen Face­book-Nut­zer log­ge sich noch vor dem Ver­las­sen des Hau­ses in der Früh in das On­line-Netz­werk ein, fast 20 Pro­zent tun dies di­rekt nach dem Auf­ste­hen. „Face­book ist ein Me­di­um, das mit­ten in un­se­rem All­tag statt­fin­det.“

INFORMATIONSINSELN. Ei­ne der The­sen, mit der Ei­sels­berg dem „ di­gi­ta­len Zeit­al­ter“auf die Spur kom­men will, be­sagt, dass die di­gi­ta­le Spal­tung – die Kluft zwi­schen je­nen, die neue Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gi­en nut­zen und je­nen, die das nicht tun – ver­tieft wird. Künf­tig wer­den die Trenn­li­ni­en nicht mehr nur zwi­schen An­wen­dern und Nicht­an­wen­dern ver­lau­fen, er­läu­tert Ei­sels­berg. Die Ge­sell­schaft wer­de sich in un­ter­schied­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­und Informationsinseln auf­tei­len. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­le wer­den in­di­vi­du­el­ler, der Aus­tausch zwi­schen un­ter­schied­li­chen ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen wer­de ab­neh­men. Dass das In­ter­net vor al­lem den Aus­tausch mit Gleich­ge­sinn­ten för­dert, hat der Po­li­to­lo­ge Eli Pa­ri­ser be­reits 2011 in sei­nem Best­sel­ler „Fil­ter Bub­b­le“fest­ge­stellt. Die Al­go­rith­men von On­line-Com­mu­nities wie Face­book, die Nut­zern vor al­lem je­ne In­for­ma­tio­nen zei­gen, die ih­ren In­ter­es­sen und ih­rer Welt­sicht ent­spre­chen, ver­stär­ken die di­gi­ta­len Echo­kam­mern. Zu­rück­ge­hen wer­den laut Ei­sels­berg per­sön­li­che Be­geg­nun­gen. Schon heu­te über­wiegt bei den Un­ter-35Jäh­ri­gen die Kom­mu­ni­ka­ti­on über di­gi­ta­le Me­di­en ge­gen­über dem per­sön­li­chen Ge­spräch. 40 Pro­zent der Ös­ter­rei­cher ga­ben in ei­ner An­fang des Jah­res durch­ge­führ­ten IMAS-Um­fra­ge an, sich mit ih­ren engs­ten Freun­den meist nur noch über tech­ni­sche Hilfs­mit­tel wie et­wa Te­le­fon, Sky­pe, WhatsApp oder eben Face­book aus­zu­tau­schen. Das ha­be Aus­wir­kun­gen auf den Um­gang der Men­schen mit­ein­an­der, meint Ei­sels­berg. Wenn wir be­reits in jun­gen Jah­ren ler­nen wür­den, un­ser Feed­back via Twit­ter und Face­book zu ge­ben und nicht mehr

vonAn­ge­sicht­zu­An­ge­sicht,gehe­al­ler Vor­aus­sicht nach ein ho­hes Maß an emo­tio­na­ler In­tel­li­genz ver­lo­ren. Der Ton zwi­schen­mensch­li­cher Kom­mu­ni­ka­ti­onwer­de­durch­den­di­gi­ta­len Aus­tausch ver­schärft, be­fin­det In­grid Brod­nig. „Wenn Men­schen on­line dis­ku­tie­ren,kön­nen­sie­sichnicht­in­die Au­gen schau­en. Es ge­hen wich­ti­ge non­ver­ba­le Aspek­te der Kom­mu­ni­ka­ti­on ver­lo­ren“, sagt die Au­to­rin , die in ih­rem Buch „Hass im Netz“(Brand­stät­ter Ver­lag, 2016) het­ze­ri­sche In­hal­te im In­ter­net un­ter­sucht. „Wenn ich je­man­den als Schlam­pe be­zeich­ne, se­he ich im Netz nicht, wie sehr ich die Per­son ver­let­ze.“Mit so­ge­nann­ten „Shits­torms“hat ein Gut­teil der hei­mi­schen Face­book-Nut­zer be­reits Er­fah­run­gen­ge­macht.37Pro­zent­ha­ben ei­nen sol­chen Sturm der Ent­rüs­tung in dem On­line-Netz­werk mit­ver­folgt. Ak­tiv dar­an teil­ge­nom­men ha­ben al­ler­dings nur sie­ben Pro­zent. Ei­sels­ber­ger geht auch da­von aus, dass die So­ci­al-Me­dia-Re­vo­lu­ti­on die Ar­beits­welt ver­än­dern wird. Das Ge­schäfts­le­ben wer­de schnel­ler und un­be­re­chen­ba­rer. In der zu­neh­men­den Ver­schmel­zung zwi­schen Pri­vat- und Be­rufs­le­ben sei dies be­reits spür­bar. Das be­ob­ach­tet auch der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Chris­ti­an Fuchs, der in ei­nem For­schungs­pro­jekt im Auf­trag des Wis­sen­schafts­fonds FWF das Ver­hält­nis der Ös­ter­rei­cher zu so­zia­len Me­di­en un­ter­such­te. „Die Gren­zen zwi­schen pri­vat und öf­fent­lich, zwi­schen pro­du­zie­ren und kon­su­mie­ren und zwi­schen Ar­beits­und Frei­zeit ver­flüs­si­gen sich“, sagt der an der Uni­ver­si­ty of West­mins­ter in Lon­don leh­ren­de For­scher. Auf Face­book ha­be man so­wohl pri­va­te als auch be­ruf­li­che Kon­tak­te. Von vie­len Ar­beit­neh­mern wer­de ver­langt, dass sie auf ih­rem Smart­pho­ne auch in der Frei­zeit er­reich­bar sei­en, sagt Fuchs. Um­ge­kehrt wür­den vie­le auch wäh­rend der Ar­beits­zeit auf Face­book pri­va­te Kon­tak­te pfle­gen. Bei der Part­ner­su­che ver­trau­en die Ös­ter­rei­cher noch weit­ge­hend auf tra­di­tio­nel­le Me­tho­den wie das Aus­ge­hen. Zwar sind laut IMAS-Er­he­bun­gen fast 40 Pro­zent der Mei­nung, dass sich On­li­ne­da­ting-Platt­for­men zum Ken­nen­ler­nen eig­nen. Tat­säch­lich ge­nutzt ha­ben Tin­der und Co. bis­lang aber nur zehn Pro­zent.

HO­HES TEM­PO. Vie­len Ös­ter­rei­chern ist das Tem­po der Ve­rän­de­run­gen durch In­ter­net und so­zia­le Me­di­en zu hoch. Ei­ne Aus­zeit von Face­book kommt für das Gros der hei­mi­schen Nut­zer aber nicht in Fra­ge: „Das ist al­len­falls ein klei­ner Trend“, sagt Ei­sels­berg: „Er fällt in der Mas­se gar nicht auf.“

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