SMAR­TE HÄU­SER

Wenn Städ­te wach­sen: Bis 2018 soll ein ehe­ma­li­ges In­dus­trie-Vier­tel west­lich des Bahn­hofs in Graz zur „Smart Ci­ty Graz Mit­te“wer­den. Ein Lo­kal­au­gen­schein.

KURIER_DIGITAL FUTURE - - SMART LIVING - -BAR­BA­RA WIM­MER

Eg­gen­berg in Graz war ein­mal ei­ne Vor­stadt mit ei­ner Men­ge In­dus­trie. Die­sen Ruf wie­der los­zu­krie­gen ist nicht leicht. Auch jun­ge Men­schen sa­ge heut­zu­ta­ge noch: „Nach Eg­gen­berg zie­hen? Nicht ge­ra­de mei­ne Traum­ge­gend.“Graz hat mit der ehe­ma­li­gen Vor­stadt, die sich in der Nä­he des Bahn­hofs be­fin­det, aber viel vor: Bis 2018 soll hier ein neu­es, smar­tes Vier­tel ent­ste­hen: die „Smart Ci­ty Graz Mit­te“. Be­reits jetzt le­ben um 6000 mehr Men­schen in Graz als noch vor ei­nem Jahr, und Graz wächst wei­ter. Das neue Stadt­vier­tel soll mit rund

1400 Wohn­ein­hei­ten Platz für rund 4000 Men­schen schaf­fen. Auch 1600 neue Ar­beits­plät­ze sol­len ent­ste­hen. Das Herz­stück des neu­en Vier­tels: der künf­ti­ge Sci­ence To­wer.

GRÄT­ZEL-ZEL­LEN. Noch weiß man nicht, wie der Sci­ence To­wer von au­ßen ge­nau aus­se­hen wird, auch wenn der Spa­ten­stich be­reits im Mai 2015 er­folg­tist.Das­liegt­dar­an,dass­sich­der 60 Me­ter ho­he Turm sei­ne Ener­gie aus der ei­ge­nen Fas­sa­de ho­len wird. Der Turm wird auf je­den Fall ei­ne Glas­fas­sa­de be­kom­men und so­ge­nann­te Grät­zel-Fo­to­vol­ta­ik-Zel­len ver­baut ha­ben, be­nannt nach ih­rem Er­fin­der, dem Schwei­zer Che­mi­ker Micha­el Grät­zel.DieZel­le­wir­dauchFarb­stoff­so­lar­zel­le ge­nannt und dient der Um­wand­lung von Licht­ener­gie in elek­tri­scheE­ner­gie.Es­han­delt­sich­da­bei um ei­ne An­wen­dung aus der Bio­nik. Zu­sätz­lich zu den Farb­stoff­zel­len wird aber auch noch ei­ne kon­ven­tio­nel­le Fo­to­vol­ta­ik-An­la­ge ver­baut, die al­ler­dings über be­weg­li­che Pa­nee­le ver­fü­gen wird. Rechts vom künf­ti­gen To­wer steht der­zeit ein ho­her Kran. Bis­her fer­tig ist ein run­des Grund­ge­rüst, das an­deu­tet, wie spek­ta­ku­lär die­ser Turm in Zu­kunft wirk­lich wer­den könn­te. Die Ide­en rund um die smar­te Ener­gie­ver­sor­gung klin­gen gut: Es sol­len dar­in nur Fir­men an­ge­sie­delt sein, die sich mit grü­nen Tech­no­lo­gi­en be­fas­sen. Auf der Dachter­ras­se sol­len Ge­mü­se und Obst an­ge­baut wer­den, das von den Fir­men und Bew­woh­nern dann selbst ver­speist werw­den kann.

IN­TEL­LI­GEN­TE KÜH­LUNG. Ne­ben High­tech soll aber auch Low­tech zum Ein­satz kom­men: Es wird ein Ta­gNacht-Küh­lungs­sys­tem an­ge­dacht. Im Som­mer, wenn es drau­ßen sehr warm ist, öff­nen sich in der Nacht die Fens­ter ab ei­ner be­stimm­ten Tem­pe­ra­tur au­to­ma­tisch. Die­se Käl­te wird ge­spei­chert und tags­über au­to­ma­tisch ab­ge­ge­ben, er­klä­ren Ener­gie­ex­per­ten vor Ort. Im Kel­ler wird zu­dem ei­ne

neu­ar­ti­ge Bat­te­rie­tech­no­lo­gie ver­baut, die zum Spei­chern die­ser Ener­gie ver­wen­det wer­den kann. Für die Geo­ther­mie­an­la­ge wa­ren ins­ge­samt zwölf Boh­run­gen in 120 Me­ter Tie­fe not­wen­dig, die ins­ge­samt 75.000 Ku­bik­me­ter Erd­reich ak­ti­vie­ren. Auch sai­so­na­len Ein­fluss soll die An­la­ge ha­ben: Die Wär­me, die im Zu­ge der Küh­lung im Som­mer ge­spei­chert wird, kann in den küh­len Win­ter­mo­na­ten wie­der ver­wen­det wer­den. So wird der Erd­bo­den des Ge­bäu­des zum Spei­cher. Das Ziel ist, dass der neue Stadt­teil en­er­gie­aut­ark ar­bei­tet. Statt dem Fern­wär­me­netz soll im smar­ten Vier­tel in Graz ein lokales, aut­ar­kes Ener­gie­netz auf­ge­baut wer­den. Das war dem lo­ka­len Ener­gie­ver­sor­ger an­fangs nicht recht – bis man ihn in die Pla­nung mit­ein­be­zo­gen hat und er jetzt an dem aut­ar­ken Netz be­tei­ligt ist. „Das sind klei­ne Hür­den“, wie es heißt.

KEI­NE EMIS­SIO­NEN. Das Ziel des Vier­tels: „Ze­ro Emis­si­on“. Dies kann na­tür­lich nicht al­lei­ne durch Ener­gie­spei­cher und Fo­to­vol­ta­ik er­reicht wer­den. Es be­deu­tet auch: We­ni­ger Au­tos in der Stadt. Bei den Ge­bäu­den, die jetzt ge­plant wer­den, ist da­her nur noch für je­de zwei­te bis drit­te Woh­nung ein ei­ge­ner Stell­platz vor­ge­se­hen. Bis das Pro­jekt fer­tig ist, soll auch die Stra­ßen­bahn vor­bei­fah­ren. „Im Ide­al­fall wird man hier le­ben und ar­bei­ten“, heißt es. Der oh­ne­hin schon ho­he Fahr­rad­an­teil von 15 bis 17 Pro­zent soll noch wei­ter aus­ge­baut wer­den. Statt Pkw-Park­plät­zen soll es vie­le Fahr­ra­dab­stell­plät­ze und ei­ge­ne Fahr­rad­sta­tio­nen und -ser­vice­stel­len ge­ben. Das Smart Ci­ty-Pro­jekt „Graz Mit­te“ist das ers­te Leit­pro­jekt in der Stei­er­mark des Kli­ma- und Ener­gie­fonds. Die­ser för­dert das Pro­jekt mit 4,2 Mil­lio­nen Eu­ro.

Der „Sci­ence To­wer“ist das Wahr­zei­chen ei­ner neu­en, nach­hal­ti­gen Stadt­ent­wick­lung in Graz.

Der Sci­ence-To­wer, Kern­stück der neu­en Smart Ci­ty in Graz, be­zieht Ener­gie aus ei­ner aus­ge­klü­gel­ten Fas­sa­den­struk­tur aus So­lar­zel­len. Rund um die Hel­mut-List-Hal­le sol­len auch zahl­rei­che Wohn­ge­bäu­de und ei­ne Bim-Sta­ti­on ent­ste­hen.

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