Sanf­te Be­we­gung

KURIER_FITMACHER - - Inhalt - – JÜR­GEN ZAHRL

Von Yo­ga bis Pi­la­tes: Be­we­gung für Geist und See­le

Scho­nen­de Trai­nings­me­tho­den wie Yo­ga, Pi­la­tes oder Fel­den­krais hel­fen, kör­per­li­che Be­schwer­den zu lin­dern und men­tal wie­der fit zu wer­den. Nicht nur – sie kräf­ti­gen auch die Mus­ku­la­tur und mo­bi­li­sie­ren die Ge­len­ke.

Mü­de, trä­ge, an­triebs­los und an­ge­schla­gen – wer st­un­den­lang im Bü­ro sitzt, kaum Be­we­gung macht und Kör­per­si­gna­le igno­riert, schwächt die Mus­ku­la­tur, ris­kiert Rü­cken­schmer­zen und ist an­fäl­lig für Ver­span­nun­gen und Über­ge­wicht. So­bald die di­cken Ja­cken wie­der im Klei­der­kas­ten ver­schwin­den, ge­ra­ten vie­le in die Bre­douil­le, weil sie ih­ren un­trai­nier­ten und oft auch un­be­weg­li­chen Kör­per nicht mehr so ein­fach ver­ste­cken kön­nen. Das ver­schärft aus­ge­rech­net in der wär­me­ren Jah­res­zeit das Un­wohl­sein und drückt auf den Ge­müts­zu­stand.

Ab­seits von schweiß­trei­ben­den Out­door-Ak­ti­vi­tä­ten wie Jog­ging oder Rad­fah­ren gibt es sanf­te Trai- nings­me­tho­den, die da­für sen­si­bi­li­sie­ren sol­len, die Wahr­neh­mung des ei­ge­nen Kör­pers zu för­dern, Mus­kel­par­ti­en zu stär­ken und den Be­we­gungs­ap­pa­rat ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen. Ver­schie­de­ne Be­we­gungs­leh­ren hel­fen, kon­zen­triert und kon­trol­liert mo­bi­ler und agi­ler zu wer­den.

EIN­KLANG. 350.000 Men­schen ver­trau­en in Ös­ter­reich be­reits auf Yo­ga – es heißt so viel wie „mit­ein­an­der ver­bin­den“. Die Kunst liegt da­rin, mit­hil­fe von ver­schie­de­nen Kör­per­po­si­tio­nen und Deh­nungs­übun­gen (As­a­nas), Atem­tech­ni­ken (Pra­na­ya­mas) und Me­di­ta­tio­nen ei­nen Ent­span­nungs- und Re­ge­ne­ra­ti­ons­zu­stand zu er­rei­chen. Die aus In­di­en stam­men­de und fast 4000 Jah­re al­te Be­we­gungs­leh­re nützt phy­si­sche und spi­ri­tu­el­le Trai­nings­ele­men­te, um Kör­per, Geist und See­le in Ein­klang zu brin­gen. Im Vor­der­grund steht die Rei­ni­gung des Ichs. Da der Geist über die Jah­re po­si­ti­ve und ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen spei­chert, ist die Wahr­neh­mung der Rea­li­tät ge­trübt – ver­gleich­bar mit ei­nem Blick durch ein ver­schmier­tes Fens­ter. „Yo­ga ist ein Mit­tel, um ei­nen gren­zen­lo­sen Zu­stand zu er­rei­chen. Die­ser soll die Klar­heit brin­gen, um die Wirk­lich­keit­so­zu­se­hen,wie­si­eist“,sag­tJür­gen Ull­rich, Yo­gal­eh­rer in Krems und Mau­tern.

Hirn­for­scher be­stä­ti­gen, dass die per­ma­nen­te Be­ob­ach­tung des Kör­pers, des Atems und der Hal­tung un­ser Den­ken ver­än­dert.

So kann es ge­lin­gen, Ver­hal­tens­mus­ter nach­hal­tig zu kor­ri­gie­ren, po­si­ti­ve Ge­dan­ken und mehr Ge­las­sen­heit in den All­tag zu brin­gen. Mehr­mals wö­chent­li­che Yo­ga-Ein­hei­ten kön­nen auch bei fast al­len Rü­cken­ge­plag­ten po­si­ti­ve Wir­kun­gen er­zie­len. Wich­tig ist, zu­erst auf ei­nen er­fah­re­nen Yo­ga-Leh­rer zu hö­ren, um die Übun­gen kor­rekt durch­zu­füh­ren und die Mus­keln und Bän­der nicht zu über­deh­nen.

WE­NI­GER SPI­RI­TU­ELL. Pi­la­tes (nach dem Er­fin­der Jo­seph Pi­la­tes) hin­ge­gen ist ei­ne Trai­nings­me­tho­de, bei der es we­ni­ger um ei­nen geis­ti­gen Zu­stand als viel­mehr um das Stär­ken der Mus­ku­la­tur und bes­se­re Be­weg­lich­keit geht. Die Übun­gen auf der Mat­te, mit Ge­rät oder auch Ball kräf­ti­gen die tief lie­gen­den Mus­keln von Rü­cken, Be­cken­bo­den oder Bauch. Egal, ob im Lie­gen, Sit­zen oder Ste­hen – auf die be­wuss­te und lang­sa­me Ab­fol­ge der Be­we­gun­gen kommt es an. Da­her ist Pi­la­tes auch für äl­te­re Per­so­nen ge­eig­net. Um es zu trai­nie­ren, reicht es, wenn man sich kon­zen­trie­ren und auf sich sel­ber hö­ren kann. „Es geht dar­um, mit die­ser ganz­heit­li­chen Me­tho­de die ana­to­mi­schen Gren­zen zu spü­ren, aber nicht zu über­schrei­ten“, be­tont Pi­la­tes-Trai­ne­rin Bar­ba­ra Mayr, die ein Stu­dio in der Wie­ner In-

nen­stadt be­treibt. Ins­ge­samt 500 Übun­gen sind so vor­de­fi­niert, dass man sich vom Kopf über Rü­cken und Be­cken bis zu den Fü­ßen mit Be­we­gungs­fluss, Kör­per­kon­trol­le, Kon­zen­tra­ti­on und At­mung be­schäf­ti­gen muss. Für Per­so­nen, die oft ver­spannt sind und Pro­ble­me mit Band­schei­ben ha­ben, sind Pi­la­tes-Übun­gen ide­al.

BE­WE­GUNGS­AB­LÄU­FE. Um Ver­hal­tens­mus­ter in Be­we­gungs­ab­läu­fen zu spü­ren und Fehl­stel­lun­gen zu kor­ri­gie­ren, hat Mos­hé Fel­den­krais (1904–1984) ei­ne ei­ge­ne Leh­re ent­wi­ckelt. Wenn ei­ne wert­freie Be­trach­tung und ei­ne ho­he Auf­merk­sam­keit mög­lich ist, las­sen sich un­güns­ti­ge und un­na­tür­li­che Kör­per­be­we­gun­gen er­ken­nen, in­dem man ru­hig und ent­spannt in sich horcht.

Als aus­glei­chen­de Maß­nah­me sol­len neue Be­we­gungs­mus­ter ver­in­ner­licht wer­den. Das Re­sul­tat dar­aus ist, dass Na­cken- und Rü­cken­schmer­zen ge­lin­dert wer­den und die Wir­bel­säu­le be­weg­li­cher wird. Am bes­ten lässt sich die „Be­wusst­heit durch Be­we­gung“un­ter fach­kun­di­ger An­lei­tung in Grup­pen­kur­sen trai- nie­ren. „Scha­de ist, dass vie­le erst dann zu uns kom­men, wenn nichts an­de­res mehr hilft“, so Kle­mens Fer­schli, Ob­mann des Fel­den­kraisVer­bands: „Die Leh­re ist in­di­vi­du­ell an­wend­bar und funk­tio­niert in je­dem Sta­di­um.“

KAMPF­SPORT. . Wer sich dem Kampf­sport ver­bun­den fühlt, ist gut bei Qi Gong, ei­ner chi­ne­si­schen Leh­re, auf­ge­ho­ben. Wie „Qi“(Le­bens­en­er­gie) schon sagt, geht es dar­um, ver­schie­de­ne Übun­gen me­di­ta­tiv und kon­zen­triert wir­ken zu las­sen, da­mit der Kör­per ent­spannt ist und Ener­gie be­wahrt wird. Ähn­lich wie bei Yo­ga be­schäf­tigt man sich mit dem spi­ri­tu­el­len Selbst. So soll man auch in der La­ge sein, das Krank­sein ab­zu­wen­den, heißt es.

Ho­he Kon­zen­tra­ti­on ist hin­ge­gen bei Tai Chi (Schat­ten­bo­xen) er­for­der­lich. In­ne­res Gleich­ge­wicht soll er­reicht wer­den, in­dem man sich bei ver­schie­de­nen Übun­gen be­dacht und im Zeit­lu­pen­tem­po be­wegt. Op­ti­mal für fast al­le Men­schen, die zu Rü­cken­schmer­zen nei­gen.

Yo­ga & The­ra­pie Jür­gen Ull­rich, Mel­ker­stra­ße 28, 3512 Mau­tern bei Krems, ✆ 0681/10 53 06 17, www.yo­ga-su­tra.at

Pi­la­tes Aka­de­mie Wien Bar­ba­ra Mayr, Jor­d­an­gas­se 7/3A, 1010 Wien, ✆ 01/494 74 19, www.pi­la­tes.at

Fel­den­krais-Pra­xis Ul­li Jaksch, Cor­ne­li­usg. 11/3, 1060 Wien, ✆ 0664/ 522 84 87, www.fel­den­krais.co.at

Yo­ga Aus­tria Bun­des­ver­band www.yo­ga.at

Pi­la­tes-Ver­band Aus­tria www.pi­la­tes-ver­band.at

Fel­den­krais-Ver­band Ös­ter­reich www.fel­den­krais.at

Tai­ji & Qi Gong Ge­sell­schaft www.tqg.at Fel­den­krais

hilft, die ei­ge­nen Be­we­gun­gen be­wusst wahr

zu­neh­men

Ty­pi­sche Pi­la­tes­übun­gen

sind et­wa Criss Cross ...

... und Roll Over. Da­bei wer­den ana­to­mi­sche Gren­zen er­spürt, aber nicht über­schrit­ten

Yo­ga-Übun­gen kön­nen Kör­per­be­las­tun­gen und Ver­span­nun­gen lö­sen. Der Geist wird ru­hig

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