„Ich dach­te mir, das kann ich auch“

KURIER_FITMACHER - - Vorbildlich - – NA­TA­SCHA MARAKOVITS

Es ist kurz vor vier Uhr früh. Wäh­rend der groß­teil der Ös­ter­rei­cher noch fried­lich in den Bet­ten schlum­mert, schnürt An­ge­li­ka Alt­mann-hau­mer be­reits ih­re lauf­schu­he. Auf geht’s zum mor­gend­li­chen Trai­ning. Wenn Soh­ne­mann Phil­ipp um sechs Uhr auf­steht, hat sie schon ge­duscht und das früh­stück vor­be­rei­tet. Als wä­re sie gar nicht au­ßer haus ge­we­sen.

Das war lan­ge Zeit auch so, denn die 37-jäh­ri­ge Wie­ne­rin war ein re­gel­rech­ter Sport­muf­fel. „Als kind und ju­gend­li­che war ich ei­gent­lich ziem­lich sport­lich und so­gar im leicht­ath­le­tik-Ver­ein. nach ei­ner knie-ope­ra­ti­on mit 14 jah­ren war es dann aber da­mit vor­bei und ich be­nutz­te die OP auch im­mer als Aus­re­de, war­um ich nicht lau­fen kann“, er- zählt sie. mit Sport ha­be sie dann zwar im­mer wie­der an­ge­fan­gen – meist als neu­jahrs­vor­satz –, aber das sei­en im­mer nur kur­ze Epi­so­den ge­we­sen. „im grun­de ha­be ich viel lie­ber ge­ges­sen und die freie Zeit auf der Couch vor dem fern­se­her ver­bracht“, sagt sie. ihr mann ha­be im­mer wie­der ver­sucht, sie zum Sport zu über­re­den, aber „mein knie war im­mer mei­ne Aus­re­de. Und ir­gend­wann wur­den wir dann bei­de faul“.

Als An­ge­li­ka Alt­mann-Hau­mer, 37, zu lau­fen be­gann.

AK­TIV STATT PAS­SIV. Den ent­schei­den­den mo­ment für ih­ren sport­li­chen le­bens­wan­del gab es schließ­lich vor zwei jah­ren, als ihr ei­ne Be­kann­te er­zähl­te, dass sie beim frau­en­lauf mit­macht. „Da dach­te ich mir, was sie kann, kann ich auch. Al­so ha­be mich für den fünf ki­lo­me­ter lauf an­ge­mel­det, oh­ne zu wis­sen, wie lang fünf ki­lo­me­ter sein kön­nen“, sagt An­ge­li­ka Alt­mann-hau­mer. „Beim ers­ten Ver­such am lauf­band bin ich nach ei­nem ki­lo­me­ter halb tot vom lauf­band ge­fal­len“, er­zählt sie schmun­zelnd. in den nächs­ten Wo­chen und mo­na­ten wur­den es schließ­lich im­mer mehr me­ter und ki­lo­me­ter, bis sie im herbst 2014 das ers­te mal zehn ki­lo­me­ter durch­lau­fen konn­te. mit dem Sport pur­zel­ten auch die über­flüs­si­gen ki­los. „ich hat­te da­vor schon ab­ge­nom­men, aber mit Be­we­gung ging es deut­lich leich­ter.“

Als sie am 12. April 2015 wie­der ein­mal vor dem fern­se­her saß und sich den Vi­en­na Ci­ty ma­ra­thon an­sah, stand ihr Ent­schluss fest: „Da will ich nächs­tes jahr den halb­ma­ra­thon lau­fen.“Da­mit es kein Zu­rück mehr gab, mel­de­te sie sich gleich an, nicht ah­nend, dass dies nicht ihr ers­ter halb­ma­ra­thon sein wür­de. Denn schon im Sep­tem­ber, beim Wach­au ma­ra­thon, soll­te es so­weit sein. „in ei­nem An­fall von Über­mut ha­be ich mich En­de mai da­für an­ge­mel­det. Dann kam ganz schnell die Er­kennt­nis, dass drei mo­na­te ver­dammt we­nig Zeit sind, um 21 ki­lo­me­ter zu schaf­fen. Al­so be­schloss ich, mein Trai­ning et­was pro­fes­sio­nel­ler zu ge­stal­ten – mit Trai­nings­plan von ei­ner Ex­per­tin.“

SELBST­BE­WUSST. Die Pre­mie­re ver­lief dann nicht ganz so gut wie er­hofft, „ab ki­lo­me­ter 16 hat­te ich Pro­ble­me mit dem knie“, das lauf­fie­ber hat sie aber den­noch nicht los­ge­las­sen. „mitt­ler­wei­le lau­fe ich drei bis fünf mal die Wo­che. im­mer so früh, da­mit ich abends Zeit für die fa­mi­lie ha­be. “ne­ben dem lau­fen macht die 37-jäh­ri­ge zwei mal die Wo­che kraft­trai­ning. „mei­ne Wo­che ist al­so gut ver­plant. “Der Sport ha­be ihr ein neu­es kör­per­ge­fühl und Selbst­be­wusst­sein ge­ge­ben. „ich füh­le mich wohl und bin viel aus­ge­gli­che­ner.“

im herbst will sie die zwei St­un­den beim halb­ma­ra­thon kna­cken. Bis da­hin wird sie noch oft die lauf­schu­he um vier Uhr mor­gens schnü­ren – mit freu­de, weil „da ist es am schöns­ten, denn da ge­hört die Stadt fast mir al­lein“.

Wie es ist, wenn man vom Lauf­fie­ber ge­packt wird, da­von kann

die 37-jäh­ri­ge Mut­ter An­ge­li­ka Alt­mann-Hau­mer

viel er­zäh­len. Un­ten: vor dem

Lauf­trai­ning

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