Auf­zucht­sta­ti­on

Pio­nier­pro­jekt Hahn­auf­zucht

KURIER_FLEISCH - - Contents - AN­JA GE­RE­VI­NI

Auf Ös­ter­reichs Hüh­n­er­hö­fen ist nun nicht mehr nur Ge­ga­cker, son­dern auch lau­tes Krä­hen zu hö­ren. De­nin­30Bio-Be­trie­ben­wer­den seit Kur­zem auch Häh­ne auf­ge­zo­gen– und das ist in Eu­ro­pa ein­ma­lig .„ Bis­lang wur­den die männ­li­chen Tie­re nach­dem Schlüp­fen ge­tö­tet, da sie wirt­schaft­lich un­in­ter­es­sant wa­ren“, er­klärt Man­fred Söll­radl, Ge­schäfts­füh­rer der Brü­te­rei „Die Eier­ma­cher“. „Egal, um wel­ches Le­be­we­sen es sich han­delt: Neu­ge­bo­re­ne brau­che nim­mer ei­ne Un­ter­stüt­zung .“Das ward er Grund, war­um Man­fred Söll­radl ge­mein­sam mit der Bio-Mar­ke„J aN atürl ich“und der Tiers chutz­or­ga­ni­sat ion„ Vier Pfo­ten“ei­ne Lö­sung such­te.

LAN­GE VOR­BE­REI­TUNG. Ins­ge­samt dau­er­te es zehn Jah­re, bis Häh­ne auf den Bio-Hö­fen ein­zie­hen konn­ten. „Wir ha­ben ei­ne Hüh­ner­ras­se ge­sucht, die bei­de Sei­ten be­dient – al­so ei­ne gu­te Le­ge­leis­tung auf­weist und bei­der sich die Hahn mast ren­tiert “, er­klär­tSöll­radl .„ Nach vie­len Ver­su­chen sind wir auf San­dy ge­kom­men, ei­ne agi­le Ras­se, die bei­de Be­rei­che ab­de­cken kann.“Das hel­le Huhn weist zwar ein ge­rin­ge­res Wachs­tum auf, als an­de­re Ras­sen, aber die Le­ge­leis­tung stimmt. „Mit Mast­hüh­nern kön­nen die Häh­ne zwar nie­mals mit­hal­ten, aber wir wer­den Pro­duk­te kre­ieren, die si­cher ih­ren Ab­satz fin­den “, be­tont Man­fred Söll­radl. „Schließ­lich muss das Pro­jekt sich auch ren­tie­ren.“Es mag­si­ch­un­sin­nigan­hö­ren, Häh­ne­auf­zu­zie­hen, wenn sie doch ge­schlach­tet wer­den. Das Ar­gu­ment zählt für Man­fred Söll­radl nicht: „Von al­len Mast­hüh­nern ha­ben Häh­ne das längs­te Le­ben. Den Kreis­lauf der Nutz­tie­re kön­nen wir nicht un­ter­bre­chen – aber wir sind­ver­pflich­tet, ih­nen­bis­zu­rSchlach­tung ein er­füll­tes Le­ben zu bie­ten.“

KLEI­NES PARADIES. Und das ist bei denHäh­nen­ge­ge­ben. Ei­nenTag­nach dem Schlupf zie­hen sie auf dem Bi­oBau­ern­hof ein. Die ers­ten drei Wo­chen blei­ben sie – so wie al­le an­de­ren Hüh­ner auch – in ei­nem Lauf­stall mit Wär­me­lam­pen.„Da­sist­nö­tig, weil­sie sehr emp­find­lich ge­gen Käl­te sind“, sagt Söll­radl. Da­nach wird ih­nen der Win­ter­gar­ten ge­öff­net, ein Be­reich, der zwar schon im Frei­en liegt, aber noch über­dacht ist. So sind die jun­gen Häh­ne ge­gen Raub­vö­gel ge­schützt. Und schließ­lich öff­nen sich für sie die To­re zum Paradies: Die Bio-Bau­ern, die Mast­häh­ne auf­zie­hen, müs­sen ei­nen gro­ßen Gar­ten für die Tie­re vor­wei­sen. „Un­se­re Vor­ga­ben wa­ren, dass je­dem Hahn ne­ben den Stäl­len min­des­tens ein hal­ber Qua­drat­me­ter Grün­aus­lauf zur Ver­fü­gung ste­hen muss“, so Söll­radl. Zwei Drit­tel ih­res Le­bens ver­brin­gen die Tie­re al­so im Frei­en, wo sie ein art­ge­rech­tes Le­ben füh­ren kön­nen. -

„VOn al­len Mast­hüh­nern ha­ben die Häh­ne das längs­te Le­ben.“Man­fred Söll­radl, Initia­tor der Auf­zucht von Häh­nen

Noch vor Kur­zem wä­ren die­se ei­nen Tag al­ten Häh­ne ge­tö­tet wor­den

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