Von Hip­pies, Ze­bras und Blon­di­nen

Er­hal­tung sel­te­ner Rin­der­ras­sen

KURIER_FLEISCH - - Contents - CORDULA PUCHWEIN

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s ist der Zug der Zeit, dass Neu­es Al­tes ver­drängt. Nicht im­mer ist es auch das Bes­se­re. Heimische Rin­der­ras­sen sind ein Bei­spiel da­für. Ras­sen wie Tux-Zil­ler­ta­ler, Pus­ter­ta­ler Sprin­zen und Enns­ta­ler Berg­sche­cken, die dem Men­schen über Jahr­hun­der­te gu­te Di­ens­te ge­leis­tet ha­ben, wur­den in nur we­ni­gen Jahr­zehn­ten des 20. Jahr­hun­derts von so­ge­nann­ten „öko­no­mi­sche­ren Ras­sen“dra­ma­tisch ver­drängt. Ei­ne Be­stands­auf­nah­me der ÖNGENE, der wis­sen­schaft­li­chen Platt­form zur Er­hal­tung ge­fähr­de­ter land­wirt­schaft­li­cher Nutz­tier­ras­sen in Ös­ter­reich, be­gann An­fang der 80 er mit der Be­stands­auf­nah­me al­ter und sel­te­ner ös­ter­rei­chi­scher Rin­der­ras­sen. „Das Er­geb­nis war er­schre­ckend. Bis auf das Ori­gi­nal Pinz­gau­er Rind und das Ti­ro­ler Grau­vieh wa­ren bei kei­ner der an­de­ren sel­te­nen ös­ter­rei­chi­schen Rin­der ras­sen Be­stands zah­len vor­han­den, die auf ge­si­cher­te Zucht po­pu­la­tio­nen schlie­ßen lie­ßen “, be­leuch­tet ein ein­schlä­gi­ger Be­richt von Franz Fi­scher­leit­ner und Ma­thi­as Kin­ber­ger vom In­sti­tut für Bio­lo­gi­sche Land­wirt­schaft und Bi­o­di­ver­si­tät der Nutz­tie­re an der HBLFA Raum­berg-Gum-pen­stein.

SCHNEL­LE RE­AK­TI­ON. Die Po­li­tik re­agier­te da­mals prompt und star­te­te 1983, al­so noch im sel­ben Jahr, das ers­te staat­lich ge­för­der­te Gen-Er­hal­tungs­pro­gramm für ge­fähr­de­te Rin­der­ras­sen. Kon­kret: Ei­ner­seits wur­den ras­se ty­pi­sche Tier ein so ge­nann­te „Nuk­le­us-Her­den“ver­ei­nigt. Das­war die Ba­sis für den Wie­der­auf­bau der Po­pu­la­tio­nen. An­de­rer­seits wur­de durch Ge­win­nung und Tief­ge­frier­kon­ser­vie­rung von Sper­ma und Em­bryo­nen die­ser Ras­sen suk­zes­si­ve ei­ne Gen bank auf­ge­baut. Die­ses Gen­er­hal­tungs­pro­gramm wur­de spä­ter in das ers­te ös­ter­rei­chi­schePro­gramm für ei­ne um welt­ge­rech­te Land­wirt­schaft (ÖPUL) in­te­griert. Un­ter an­de­rem wird seit­her auch das Leis­tungs­po­ten­zi­al der sel­te­nen Rin­der­ras­sen er­ho­ben, sprich al­le Tie­re un­ter­lie­gen ei­ner

Milch-oder Fleisch­leis­tungs­kon­trol­le .„ Mit die­ser Maß­nah­me kann über die rei­ne Gen­er­hal­tungs zucht hin­aus auch die be­son­de­re Eig­nung sel­te­ner Ras­sen für die Pro­duk­ti­on im Berg­ge­biet oder in an­de­ren, we­ni­ger er­trag­rei­chen Re­gio­nen Ös­ter­reichs nach­ge­wie­sen wer­den “, heißt es im Be­richt. Ei­ne sinn­vol­le Maß­nah­me, denn da­durch er­öff­nen sich neue Ver­mark­tungs­we­ge für re­gio­nal ge­präg­te, tra­di­tio­nel­le und in­no­va­ti­ve Pro­duk­te. Ge­lingt die da­mit ver­bun­de­ne, ge­ziel­te Ver­mark­tung, ha­ben die­se Rin­der ab­seits ih­res Sel­ten­heits­wert es auch ei­ne ge­si­cher­te Zu­kunft. So wie­die Enns­ta­ler Berg­sc he­cken, das sind ech­te Stei­rer. Die Hei­mat des leich­ten, re­la­tiv zier­li­chen Rin­des mit fuchs­ro­ter Far­be und wei­ßer Zeich­nung ist das obe­re Enn­s­tal. Die Ras­se zählt zum Zwei­nut­zungs typ, wird al­so für Milch-und Fleisch pro du kt ionge- züch­tet. In den 80ern fast aus­ge­stor­ben, er­lebt das Rind nun ei­ne Re­nais­sance. Ak­tu­ell gibt es et­wa 600 Tie­re in Ös­ter­reich. Ei­gen­wil­lig, zu­min­dest op­tisch, sind die Pus­ter­ta­ler Sprin­zen, die„ Ze­bras un­ter den Rin­dern “. Weiß mit braun oder schwarz ge­spren­kel­ten Flan­ken se­hen sie aus, als sei­en sie mit Far­be be­spritzt. Da­her rührt auch die Be­zeich­nung„ Sprin­zen “. Die Ras­se ist bes­tens zur Mut­ter­k­uh­hal­tung ge­eig­net. Dank har­ter Klau­en und Ro­bust­heit eig­nen sie sich auch gut zur Be­wirt­schaf­tung ex­tre­mer Berg­ge­bie­te.

ERHOLT. Die Vor­stel­lung, dass dunk­le Rin­der we­ni­ger leis­tungs­fä­hig sind, wä­re dem Tux Zil­ler ta­le rum 1850 fast zum Ver­häng­nis ge­wor­den.1970 gab es kaum noch Tie­re die­ser klei­nen Ras­se, die sich durch gu­te Fleisch qua­li­tät aus­zeich­net. Seit den 1980er-Jah­ren küm­mert man sich ver­stärkt um de­ren Er­halt – mit Er­folg. Heu­te gibt es wie­der 2700 Tie­re in Ös­ter­reich. Durch Neu­grün­dung des Blond­vieh­zucht ver­eins an­no 1994 hat sich der Be­stand des Kärnt­ner Blond­viehs – ei­ne Ras­se, die sich durch na­he­zu wei­ße bis dun­kel­blon­de Haar far­be und ho­he Fleisch­gü­te aus­zeich­net – erholt. Mitt­ler­wei­le gra­sen wie­der 3100 „Blon­di­nen “auf hei­mi­schen Wie­sen, nicht nur in Kärn­ten, auch in der Stei­er­mark, Ti­rol und im Bur­gen­land. Das Mur­bod­ner Rind ge­hört zu den hel­len Hö­hen vieh ras­sen mit sem­mel­gel­ber bis fuchs­ro­ter Far­be. Durch den Aus­bruch von Tu­ber­ku­lo­se und Bru­cel­lo­se wä­re das so­li­de, fleisch­be­ton­te Zwei­nut­zungs­rind um 1950/’60 fast aus­ge­stor­ben. Durch das En­ga­ge­ment der Gelb vieh ge­nos­sen­schaft hat sich die Ras­se aber erholt und ist un­ter Bau­ern heu­te be­son­ders be­liebt.

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ty­pi­sche Ras­se des Das Tux-Zil­ler­ta­ler ist ei­ne

1945 ab es nur noch Ti­ro­ler Un­ter­lan­des. Nach

2700 Rin­der 70 Kü­he, heu­te sind es wie­der

ZweiPus­ter­ta­ler Sprin­zen: ei­ne

wei­den nut­zungs­ras­se. Ak­tu­ell

Al­men 1100 Tie­re auf Ös­ter­reichs

Mitt­ler­wei­le stark in Ös­ter­reich

Rind, ver­brei­tet ist das Mur­bod­ner ei­ne hel­le Hö­hen­viehras­se

ist ei­ne Das Tux-Zil­ler­ta­ler Rind fleisch­be­ton­te Zwei­nut­zungs­ras­se. Es wä­re fast aus­ge­stor­ben

le­ben 600 Enns­ta­ler Berg­sche­cken in Ös­ter­reich, ein Zwei­nut­zungs­typ, ide­al für Milch und Fleisch

sind Schot­ti­sche Hoch­land­rin­der Ein­wan­der, die un­se­re sel­te­nen,

er­gän­zen ös­ter­rei­chi­schen Ras­sen

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