Ein si­che­rer Start ins Le­ben

Die staat­li­chen Impf­emp­feh­lun­gen für das ers­te Le­bens­jahr

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – STE­FAN KLU­GER

Imp­fun­gen sind ein Mei­len­stein der For­schung. Von all den me­di­zi­ni­schen Er­run­gen­schaf­ten zum Woh­le ei­ner ver­bes­ser­ten Kin­der­ge­sund­heit ge­hö­ren Imp­fun­gen oh­ne Zwei­fel zu den be­deu­tends­ten.

„Aus kin­der­ärzt­li­cher Sicht ge­hö­ren Imp­fun­gen zum Wohl des Kin­des je­den­falls da­zu – ge­nau­so wie Stil­len und ei­ne lie­be­vol­le Um­sor­gung“, er­klärt An­ge­li­ka Ber­ger, Pro­fes­so­rin an der Me­du­ni Wien und Lei­te­rin der Kli­ni­schen Ab­tei­lung für Neo­na­ta­lo­gie, Päd­ia­tri­sche In­ten­siv­me­di­zin und Neu­ro­päd­ia­trie. Imp­fun­gen sind in Ös­ter­reich nicht ver­pflich­tend und da­her nicht im Rah­men der Mut­ter-kind- pass un­ter­su­chun­gen vor­ge­se­hen. El­tern ent­schei­den, ob und wann ihr Kind ge­impft wer­den soll. BASISSCHUTZ 6-FACH-IMP­FUNG. Die ers­te Teilimp­fung der 6-fach­imp­fung wird im drit­ten Le­bens­mo­nat ver­ab­reicht. Denn Diph­the­rie, Keuch­hus­ten (Per­tus­sis), HIB (Ha­emo­phi­lus-in­flu­en­zae-b-infektion), He­pa­ti­tis B und nicht zu­letzt die Kin­der­läh­mung (Po­lio­mye­li­tis) stel­len für Neu­ge­bo­re­ne ei­ne po­ten­zi­ell gro­ße Ge­fahr dar. Je­de noch so klei­ne Ver­let­zung, bei­spiels­wei­se ei­ne schnitt­wun­de, kön­ne et­wa oh­ne Te­ta­nus-imp­fung im schlimms­ten Fall töd­lich en­den. El­tern fra­gen oft­mals, wie­so sie ih­re Kin­der schon so früh ge­gen so vie­le Er­kran­kun­gen imp­fen las­sen sol­len. Das hat fol­gen­de Grün­de, so die Ex­per­tin: Im Al­ter von fünf bis sechs Mo­na­ten ver­lie­ren Ba­bys die Lei­him­mu­ni­tät, den so­ge­nann­ten Nest­schutz, voll­stän­dig. Bei­dem Kom­bi­nat ions impf­stoff ist die Be­las­tung deut­lich ge­rin­ger als bei meh­re­ren ent­spre­chen­den Ein­zelimp­fun­gen. Denn der ist im­mer prä­zi­ser und die Men­ge an ent­hal­te­nen An­ti­ge­nen im­mer ge­rin­ger ge­wor­den. Auch be­deu­tet die 6-fach­imp­fung ei­ne ge­rin­ge­re An­zahl an Sti­chen und so­mit we­ni­ger Stress für die Klei­nen. Dem­ent­spre­chend hoch ist hier auch in ganz Ös­ter­reich die Durch imp­fungs ra­te, wäh­rend sie bei den Auf­fri­schun­gen wie­der ab­nimmt.

Ge­gen Ro­ta­vi­rus-brech­durch­fall hilft ei­ne Schluck­imp­fung, die ab der voll­ende­ten sechs­ten Le­bens­wo­che ver­ab­reicht wer­den soll. Da­ne­ben wird in den ers­ten vier Le­bens­mo­na­ten noch der Schutz vor Pneu­mo­kok­ken emp­foh­len: Das sind Bak­te­ri­en, die schwe­re In­fek­tio­nen ver­ur­sa­chen und Säug­lin­ge, Klein­kin­der und äl­te­re Men­schen be­son­ders ge­fähr­den kön­nen. Bei­de Imp­fun­gen sind eben­falls Teil des vom Staat ge­tra­ge­nen Impf­pro­gramms.

MA­SERN-MUMPS-RÖ­TELN. Nach dem ers­ten Le­bens­jahr folgt die Ma­sern­mumps-rö­teln-imp­fung, die eben­falls gra­tis an­ge­bo­ten wird. Im Ge­gen­satz zur 6-fach-imp­fung gibt es hier je­des Jahr Pro­ble­me, was die Durch imp­fungs­rate­be trifft: Ma­sern- aus­brü­che sind die Fol­ge .„ Bei uns und in an­de­ren In­dus­trie­staa­ten ver­läuft je­der tau­sends­te Ma­sern­fall töd­lich“, so Ber­ger. Na­tür­lich sei es ei­ne sel­te­ne Kom­pli­ka­ti­on, aber des­halb nicht min­der ge­fähr­lich. Wür­den al­le Kin­der zwei Mal ge­impft wer­den, könn­te sich das Ma­sern­vi­rus in der Ge­sell­schaft nicht hal­ten. „Es fän­de ein­fach nicht ge­nug

po­ten­zi­ell emp­fäng­li­che Men­schen vor, um sich aus­zu­brei­ten“, so Ber­ger.

KOSTENPFLICHTIGE IMP­FUN­GEN. Ei­ne imp­fung, die nicht im kos­ten­frei­en Impf­pro­gramm ent­hal­ten ist, aber für den In­di­vi­du­al­schutz emp­foh­len wird, ist die ge­gen Früh­som­mer­me­nin­go­en­ze­pha­li­tis (FS­ME) – im Volks­mund auch Ze­cken­imp­fung ge­nannt. Für Kin­der gibt es ei­nen spe­zi­ell ge­eig­ne­ten Impf­stoff, er wird aber erst ab dem voll­ende­ten ers­ten Le­bens­jahr emp­foh­len.

Ge­gen die Wind­po­cken – in Ös­ter­reich Feucht­blat­tern ge­nannt – ist eben­falls ei­ne Schutz­imp­fung ver­füg­bar, al­ler­dings ist auch die­se kos­ten­pflich­tig. Die durch Tröpf­chen infektion über­tra­ge­ne Krank­heit wird durch das Va­ri­zel­la­zos­ter-vi­rus aus­ge­löst und trägt sei­nen Na­men auf­grund der ho­hen An st eckungs fä­hig­keit. Emp­foh­len wird ei­ne zwei­ma­li­ge Imp­fung ab dem zwei­ten Le­bens­jahr, noch vor dem Ein­tritt in den Kin­der­gar­ten.

IMPFREAKTIONEN. Impfreaktionen, wie zum Bei­spiel Rö­tun­gen oder Schwel­lun­gen an der Ein­stich­stel­le, Schmer­zen und Fie­ber kön­nen bei über 10 pro­zent der kin­der auf­tre­ten. Bei man­chen Imp­fun­gen mit ab­ge­schwäch­ten Krank­heits­er­re gern wie bei Ma­sern-mumps-rö­teln kann auch ei­ne leich­te Form der tat­säch­li­chen Krank­heit auf­tre­ten – al­so zum Bei­spiel ein leich­ter Haut­aus­schlag. All das sind je­doch le­dig­lich Hin­wei­se dar­auf, dass das Im­mun­sys­tem auf die Imp­fung an­spricht. My­then wie Imp­fun­gen wür­den Au­tis­mus Typ -1-dia­be­tes, Ge­sichts läh­mun­gen oder Asth­ma ver­ur­sa­chen, sei­en längst durch evi­denz ba­sier­te Stu­di­en wi­der­legt.

„Aus kin­der­ärzt­li­cher Sicht ge­hö­ren Imp­fun­gen zum Wohl des Kin­des je­den­falls da­zu – ge­nau­so wie Stil­len und ei­ne lie­be­vol­le Um­sor­gung.“An­ge­li­ka Ber­ger, Lei­te­rin der Kli­ni­schen Ab­tei­lung für Neo­na­to­lo­gie, Päd­ia­tri­sche In­ten­siv­me­di­zin und Neu­ro­päd­ia­trie an der Me­du­ni Wien

In Ös­ter­reich wer­den die Imp­fun­gen ge­gen Diph­the­rie, Te­ta­nus, Keuch­hus­ten, Ha­emo­phi­lus, Po­lio­mye­li­tis, He­pa­ti­tis B, Ma­sern, Mumps und Rö­teln kos­ten­los an­ge­bo­ten

FO­TOS: FO­TO­LIA/TOBILANDER, ME­DU­NI WIEN/ F. MATERN

Früh­chen sind für Krank­hei­ten be­son­ders an­fäl­lig

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