So funk­tio­niert ei­ne Imp­fung

Was Imp­fen im Kör­per aus­löst. Wie Im­mu­ni­sie­rung pas­siert

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MO­NI­KA DLUGOKECKI

Ein klei­ner Stich, und schon ist man ge­gen ei­ne Rei­he von Krank­hei­ten und Vi­ren ge­schützt. Doch so ein­fach, wie wir uns das vor­stel­len, ist es nicht. Denn so­bald wir uns dar­über freu­en, den Na­del-piks end­lich hin­ter uns zu ha­ben, be­ginnt das Im­mun­sys­tem erst, auf Hoch­tou­ren zu ar­bei­ten.

Wir kom­men je­den Tag mit un­zäh­li­gen Fremd­kör­pern in Be­rüh­rung, von all­dem be­kom­men wir na­tür­lich nichts mit. „Man­che da­von sind leich­ter in den Griff zu be­kom­men, an­de­re wie­der­um sind so ag­gres­siv, dass sie krank ma­chen und mit­un­ter lang­fris­ti­ge Schä­den hin­ter­las­sen. Und hier kom­men Imp­fun­gen ins Spiel, sie be­rei­ten un­ser Im­mun­sys­tem dar­auf vor, im Ernst­fall, al­so im Zu­ge ei­ner vi­ra­len oder bak­te­ri­el­len Infektion, durch ei­ne ra­sche, ge­ziel­te Im­mun­ab­wehr ei­ne Er­kran­kung zu ver­hin­dern“, sagt Pa­me­la Ren­di-wa­gner, Sek­ti­ons­lei­te­rin für Öf­fent­li­che Ge­sund­heit und Me­di­zi­ni­sche An­ge­le­gen­hei­ten im Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit.

Aber al­les der Rei­he nach: Un­ser Im­mun­sys­tem ist ein aus­ge­klü­gel­tes Netz­werk, des­sen Haupt­funk­ti­on dar­in be­steht, stän­dig zwi­schen „ei­gen“und „fremd“zu un­ter­schei­den und den Kör­per so ge­gen un­er­wünsch­te Ein­dring­lin­ge wie Vi­ren oder Bak­te­ri­en, so­ge­nann­te An­ti­ge­ne, zu ver­tei­di­gen. Da­bei wer­den An­ti­kör­per ge­bil­det, die je­weils ge­gen ei­nen be­stimm­ten Er­re­ger ge­rich­tet sind. Sie hef­ten sich an die­se Krank­heits­er­re­ger, die dann an­schlie­ßend von Ab­wehr­zel­len er­kannt und ge­fres­sen wer­den. „Nach­dem sie die Krank­heits­er­re­ger er­folg­reich be­kämpft ha­ben, blei­ben ei­ni­ge An­ti­kör­per im Blut, so­ge­nann­te Ge­dächt­nis­zel­len wer­den ge­bil­det“, er­klärt Impf- ex­per­te Franz Am­bros ch vom impf­zentr um nord in wien. Ge­lan­gen die Er­re­ger wie­der in den Kör­per, er­in­nert sich das Im­mun­sys­tem an sie und pro­du­ziert viel schnel­ler An­ti­kör­per – so wer­den die bö­sen An­ti­ge­ne eli­mi­niert, noch be­vor die Krank­heit aus­bre­chen kann. „Und ge­nau die­se Fä­hig­keit un­se­res Im­mun­sys­tems wird bei den Schutz­imp­fun­gen ge­nutzt. Es ist al­so ein na­tür­li­cher Vor­gang, um un­se­ren Kör­per schon vor­ab da­bei zu un­ter­stüt­zen, sich selbst zu schüt­zen“, sagt Ren­di-wa­gner.

LEBEND- UND TOT­IMPF­STOF­FE. Un­ter­schie­den wird da­bei zwi­schen zwei Ar­ten von Impf­stof­fen. Bei ei­ner Im­mu­ni­sie­rung mit Le­ben­dimpf­stof­fen wer­den dem Kör­per Er­re­ger in ab­ge­schwäch­ter Form zu­ge­führt. Es wer­den da­von nur ge­rin­ge Men­gen ver­ab­reicht, da die Impf­kei­me sich beim Ge­impf­ten ver­meh­ren und so für die An­ti­kör­per­bil­dung sor­gen. Da­durch wird der Mensch nicht krank, aber das Im­mun­sys­tem re­agiert den­noch auf die Fremd­kör­per. „Die­se Re­ak­ti­on dau­ert rund zwei Wo­chen, denn für je­des An­ti­gen muss vom Im­mun­sys­tem ein ei­ge­nes Pro­gramm kon­stru­iert wer­den“, er­klärt Am­brosch. So

„Imp­fun­gen be­rei­ten un­ser Im­mun­sys­tem dar­auf vor, im Ernst­fall durch ei­ne ra­sche, ge­ziel­te Im­mun­ab­wehr ei­ne Er­kran­kung zu ver­hin­dern.“Pa­me­la Ren­di-wa­gner, Sek­ti­ons­lei­te­rin für Öf­fent­li­che Ge­sund­heit und Me­di­zi­ni­sche An­ge­le­gen­hei­ten im BM für Ge­sund­heit

kann der Kör­per bei ei­ner Neu­in­fek­ti­on so­fort re­agie­ren. „Wich­tig ist da­bei, dass die Le­ben­dimpf­stof­fe knapp un­ter die Haut in­ji­ziert wer­den, wo sie sich gut ver­meh­ren kön­nen“, so Am­brosch.

Ganz an­ders sieht es bei den so­ge­nann­ten Tot­impf­stof­fen (z. B. FS­ME, Te­ta­nus oder He­pa­ti­tis) aus: Sie be­ste­hen ent­we­der aus ab­ge­tö­te­ten gan­zen Kei­me oder aber nur Tei­len des Er­re­gers, die die An­ti­kör­per­bil­dung aus­lö­sen. Der Impf­stoff wird di­rekt in den Mus­kel in­ji­ziert, da sich die­se An­ti­ge­ne nicht ver­meh­ren kön­nen.

AUF­FRI­SCHUNG. Bei man­chen Krank­heits­er­re­gern (wie bei der Ma­sern­imp­fung) braucht es mit­un­ter meh­re­re Teilimp­fun­gen, bis ein aus­rei­chen­der Schutz er­reicht ist. Denn es kann schon sein, dass sich die Impf­kei­me auf­grund ei­ner auf­tre­ten­den, leich­ten Er­käl­tung in den Ta­gen nach der Imp­fung nicht ver­meh­ren kön­nen. Be­son­ders wich­tig sei der Un­ter­schied zu ei­ner Auf­fri­schung, bei der im Kör­per im­mer wie­der von neu­em An­ti­kör­per ge­bil­det wer­den. Pa­me­la Ren­di-wa­gner: „Der­zeit wird in­ten­siv an Mög­lich­kei­ten ei­nes elek­tro­ni­schen Impf­pas­ses ge­ar­bei­tet, der die Leu­te auch dar­an er­in­nert, ih­re Imp­fun­gen recht­zei­tig auf­zu­fri­schen und so­mit lang­fris­tig ge­schützt zu sein.“

„Nach­dem sie die Krank­heits­er­re­ger er­folg­reich be­kämpft ha­ben, blei­ben ei­ni­ge An­ti­kör­per im Blut, so­ge­nann­te Ge­dächt­nis­zel­len wer­den ge­bil­det.“

Franz Am­brosch vom Impf­zen­trum Nord in Wien

Die Impf­stoff­her­stel­lung hat in den letz­ten Jah­ren re­vo­lu­tio­nä­re Fort­schrit­te ge­macht

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