Schutz vor Pneu­mo­kok­ken

Ei­ne Imp­fung schützt al­le mit schwa­chem Im­mun­sys­tem

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – YASMIN VIHAUS

Lun­gen­ent­zün­dung. Pneu­mo­kok­ken-bak­te­ri­en ver­ur­sa­chen 30 Pro­zent al­ler Fäl­le. Be­son­ders ge­fähr­det sind Klein­kin­der, äl­te­re Men­schen und Per­so­nen mit spe­zi­el­len chro­ni­schen Grun­d­er­kran­kun­gen.

Pneu­mo­kok­ken kön­nen bei ge­schwäch­tem Im­mun­sys­tem vie­le mit­un­ter ge­fähr­li­che Er­kran­kun­gen aus­lö­sen. Die Bak­te­ri­en der Gat­tung Strep­to­coc­cus pneu­mo­niae be­sie­deln die Na­sen- und Ra­chen­schleim­haut und lö­sen von dort aus­ge­hend en­do­ge­ne In­fek­tio­nen aus. Ins­ge­samt wer­den über 90 Ty­pen un­ter­schie­den, al­ler­dings sind nur et­wa 23 da­von für mehr als 90 Pro­zent der er­kran­kun­gen ver­ant­wort­lich. Aus­lö­ser für den Aus­bruch ei­ner Krank­heit ist in den meis­ten Fäl­len ein ge­schwäch­tes Im­mun­sys­tem. Die An­ste­ckung er­folgt durch Tröpf­chen infektion, al­so bei spiel­wei­se durch Nie­sen, Hus­ten oder Spre­chen. Pro­ble­ma­tisch bei ei­ner Er­kran­kung ist, dass sich das Bak­te­ri­um zwar mit­tels An­ti­bio­ti­ka be­kämp­fen lässt, al­ler­dings in man­chen Fäl­len zu spät mit der Be­hand­lung be­gon­nen wird. Zu­dem ent­wi­ckelns ich im­mer mehr an­ti­bio­ti­ka re­sis­ten­te Pneu­mo­kok­ken.

In Ös­ter­reich wer­den je­des Jahr et­wa 30.000 Pa­ti­en­ten und Pa­ti­en­tin­nen we­gen ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung in Kran­ken­häu­sern be­han­delt – min­des­tens 30 Pro­zent da­von wer­den durch Pneu­mo­kok­ken ver­ur­sacht. Grund­sätz­lich trägt et­wa die Hälf­te der Be­völ­ke­rung Pneu­mo­kok­ken-kei­me in sich, al­ler­dings ru­fen die Bak­te­ri­en bei ge­sun­den Men­schen kei­ne Er­kran­kung her­vor. Ge­fahr be­steht haupt­säch­lich bei all je­nen Per­so­nen, de­ren Ab­wehr­kräf­te ge­schwächt sind. Dar­un­ter fal­len Kin­der, bei de­nen das Im­mun­sys­tem noch nicht aus­ge­reift ist und äl­te­re Men­schen, de­ren Im­mun­sys­tem be­reits er­schöpft ist. Bei Klein­kin­dern tritt durch Pneu­mo­kok­ken häu­fig ei­ne Mit­tel­ohr­ent­zün­dung auf–bei nicht aus­rei­chen­der Be­hand­lung kön­nen sich die Bak­te­ri­en al­ler­dings auch in be­nach­bar­te Ge­bie­te aus­brei­ten und zue in erGe hirn­haut­ent­zün­dung füh­ren, die un­ter Um­stän­den le­bens­be­droh­lich sein kann. Ers­te An­zei­chen für ei­ne Er­kran­kung kön­nen ho­hes Fie­ber, Er­bre­chen, Oh­ren­schmer­zen, Atem­not und Hus­ten sein. Die Dia­gno­se wird mit­tels Ab­strich aus dem Na­sen-ra­chen­raum oder durch ei­nen Blut­test er­stellt. Wich­tig ist, dass Be­trof­fe­ne mög­lichst früh be­han­delt wer­den, da sonst das Ri­si­ko be­steht, dass die Infektion durch den oft ra­schen und ag­gres­si­ven Ver­lauf töd­lich en­det.

WANN EI­NE IMP­FUNG SINN­VOLL IST.

Die Imp­fung ist für Kin­der bis zum voll­ende­ten 2. Le­bens­jahr im kos­ten­frei­en Kin­derimpf­pro­gramm ent­hal­ten. Die Imp­fun­gen er­fol­gen im drit­ten, im fünf­ten und im zwölf­ten Le­bens­mo­nat mit ei­nem Kon­ju­gat-impf­stoff. Um schwe­re in­va­si­ve Er­kran­kun­gen zu ver­mei­den, wird ein mög­lichst frü­her Be­ginn der Imp­fung emp­foh­len. Die ge­fürch­te­te Pneu­mo­kok­ken-me­nin­gi­tis et­wa tritt am häu­figs­ten zwi­schen dem sechs­ten und zwölf­ten Le­bens­mo­nat auf. Nach der Grun­dim­mu­ni­sie­rung im Klein­kind­al­ter ist bei Per­so­nen oh­ne er­höh­tes Ri­si­ko kei­ne wei­te­re Auf­fri­schungs­imp­fung of­fi­zi­ell emp­foh­len. Denn die ge­naue Dau­er des Impf­schut­zes im Er­wach­se­nen­al­ter ist der­zeit­nicht­be­kannt.da­ei­nep­neu­mo­kok­ken-infektion aber auch für äl­te­re Men­schen ei­ne Ge­fahr dar­stellt, emp­fiehlt das Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um im 2015 her­aus­ge­ge­ben Impf­plan ei­ne Schutz­imp­fung ab 50 Jah­ren. In die­sem Al­ter wird das Im­mun­sys­tem zu­neh­mend schwä­cher und die Ge­fahr ei­ner Er­kran­kung er­höht sich. Äl­te­re Men­schen sind vor al­lem ge­fähr­det, durch Pneu­mo­kok­ken an ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung zu er­kran­ken, de­ren Ver­lauf je nach Be­hand­lung schwer­wie­gend sein kann.

VER­SCHIE­DE­NE IMPF­STOF­FE. Für Er­wach­se­ne und Kin­der ste­hen je­weils un­ter­schied­li­che impf­stof­fe zur ver­fü­gung. Der so­ge­nann­te Po­ly­sac­cha­ra­rid-impf­stoff (PPV 23) für Er­wach­se­ne deckt et­wa 90 Pro­zent al­ler durch Pneu­mo­kok­ken her­vor­ge­ru­fe­nen Er­kran­kun­gen ab. Für Kin­der bie­tet die­se Art der Imp­fung al­ler­dings nur un­zu­rei­chen­den Schutz, da das Im­mun­sys­tem von Kin­dern un­ter zwei Jah­ren auf die Kap­sel po­ly­sac ch ari de in der Imp­fung nicht aus­rei­chend re­agiert. Ab­hil­fe schaff­te in­Kon­ju­gat impf­stoff, der ver­schie­de­ne Ty­pen von Kap­sel po­ly­sac ch ari­den­ent hält, die mit ei­nem be­stimm­ten Stoff ver­bun­den wer­den, um die Re­ak­ti­on des Im­mun­sys­tems bei Klein­kin­dern zu ver­bes­sern. Mit die­sen Impf­stof­fen wer­den et­wa 50 bis 70 Pro­zent der bei Kin­dern vor­kom­men­den Pneu­mo­kok­ken-in­fek­tio­nen ab­ge­deckt.

Pneu­mo­kok­ken-me­nin­gi­tis tritt am häu­figs­ten zwi­schen dem sechs­ten und zwölf­ten Le­bens­mo­nat auf.

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