Imp­fen in der Schwan­ger­schaft

Wel­che Imp­fun­gen rat­sam sind, wel­che man ver­schiebt

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MAGDALENA MEER­GRAF

Gibt es ei­ne Imp­fung, die man wäh­rend der Schwan­ger­schaft bes­ser nicht be­kom­men soll­te?“, ist nur ei­ne der un­zäh­li­gen Fra­gen, die be­sorg­te Schwan­ge­re in den un­ter­schied­li­chen On­line-fo­ren stel­len. Aus den Ant­wor­ten wird man nicht im­mer schlau – nicht sel­ten sind sie schlicht­weg falsch. Wer auf Num­mer si­cher ge­hen möch­te, in­for­miert sich am bes­ten di­rekt bei den Ex­per­ten und Ex­per­tin­nen: „Die Vor­stel­lung, dass man wäh­rend der Schwan­ger­schaft nicht imp­fen kann, ist falsch. Le­dig­lich die Le­ben­dimpf­stof­fe soll man als wer­den­de Mut­ter nicht be­kom­men“, er­klärt Pe­ter Huss­lein, Lei­ter der Wie­ner Uni­ver­si­täts kli­nik für Frau­en­heil kun­de. In­der still­zeit hin­ge­gen kön­nen al­le Impf­stof­fe, so­wohl Tot-, To­xo­id- als auch Le­ben­dimpf­stoff an­ge­wen­det wer­den.

RE­GEL­MÄ­ßI­GE CHECKS. Prin­zi­pi­ell sol­len al­le Imp­fun­gen schon vor ei­ner Schwan­ger­schaft auf­ge­frischt oder nach­ge­holt wer­den, rät Her­bert Kiss, Prä­si­dent der Eu­ro­päi­schen Ge­sell­schaft für In­fek­ti­ons­krank­hei­ten in der Ge­burts­hil­fe und Gy­nä­ko­lo­gie: „Nach Emp­feh­lun­gen der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on soll je­der Arzt­kon­takt da­zu ge­nutzt wer­den, um zu prü­fen, ob die emp­foh­le­nen Imp­fun­gen durch­ge­führt wor­den sind oder ob wel­che nach­zu­ho­len sind. Wie im Ös­ter­rei­chi­schen Impf­plan be­schrie­ben, sind auch Ter­mi­ne in gy­nä­ko­lo­gi­schen Or­di­na­tio­nen ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit da­für.“In der Pra­xis fin­det die­se Emp­feh­lung sel­ten tat­säch­li­che An­wen­dung, meist erst dann, wenn die Pa­ti­en­tin be­reits schwan­ger ist.

SCHUTZ FÜR BA­BY. Für Schutz­imp­fun­gen wäh­rend der schwan­ger­schaft gilt :„ So we­nig wie mög­lich, aber so viel wie nö­tig“, so Her­bert Kiss. Ob man sich als wer­den­de Mut­ter imp­fen lässt oder nicht, steht je­der Per­son frei – auch für den Mut­ter-kind-pass be­steht kei­ne Impfpflicht. Das Ziel des Impf­pro­gramms, wel­ches im Ös­ter­rei­chi­schen Impf­plan emp­foh­len wird, wä­re es, ne­ben der Schwan­ge­ren auch das Neu­ge­bo­re­ne, das an­fangs noch nicht ge­impft wer­den kann, zu schüt­zen. Im letz­ten Schwan­ger schafts drit­tel be­sit­zen Schwan­ge­re ei­nen be­son­ders ho­hen An­ti­kör­per spie­gel. Neu­ge­bo­re­ne kön­nen so

auf der ei­nen Seite durch die Im­mun­glo­bu­li­ne der Mut­ter, die durch das Stil­len über­tra­gen wer­den, in den ers­ten sechs Le­bens­mo­na­ten ge­schützt wer­den.

AN­STE­CKUNG S GE­FAHR. Auf der an­de­ren Seite wür­den sie von an­de­ren (weil ge­impft) nicht an mehr ge­steckt wer­den kön­nen. „Da die Er­wach­se­nen nicht re­gel­mä­ßig ge­gen Per­tus­sis ge­impft bzw. auf­ge­frischt wer­den, kommt es im­mer wie­der vor, das sein neu­ge­bo­re­nes durch ein Familienmitglied mit Keuch­hus­ten in­fi­ziert wird“, gibt Kiss ein Bei­spiel.

Die größ­te Ge­fahr für ei­ne Schwan­ge­re liegt in der An­ste­ckung von Rö­teln oder Ma­sern .„ Die­se Er­kran­kun­gen kön­nen zu Schä­di­gun­gen­beim un­ge­bo­re­nen kind bzw. zur pe­ri­par­ta­len Infektion mit ent­spre­chen­der Mor­bi­di­tät und Fol­ge­schä­den für das Kind füh­ren“, warnt der Gy­nä­ko­lo­ge.

VARIZELLEN. Auch Wind­po­cken, in Ös­ter­reich Feucht­blat­tern ge­nannt, gel­ten als ei­ne un­ter­schätz­te Ge­fahr, sind sich Her­bert Kiss und Pe­ter Huss­lein ei­nig: Die be­son­ders an­ste­cken­de Er­kran­kung kommt zwar nur mehr sel­ten vor, aber wenn, dann kann sie im schlimms­ten Fall zum so­ge­nann­ten kon­ge­ni­ta­len Va­ri­zel­len­syn­drom füh­ren. Da­bei kommt es zu ir­re­ver­si­blen Schä­di­gun­gen des un­ge­bo­re­nen Kin­des :„ Die Er­kran­kung kann Fehl­bil­dun­gen und Hirn­haut­ent­zün­dun­gen mit sich­zi ehen “, warn­tHuss­le in. Ab­ge­se­hen da­von ent­wi­ckeln Schwan­ge­re im Rah­men ei­ner Infektion häu­fi­ger Kom­pli­ka­tio­nen. Im Ös­ter­rei­chi­schen Impf­plan ist da sV ari­zel­len-zo st er im­mun­glo­bu linz wa­remp foh­len, „bis­her ist es aber nicht ge­lun­gen, die Va­ri zel­len imp­fung als kos­ten­freie Imp­fung auf­zu­neh­men. hier sind die Ver­ant­wort­li­chen des G es und heits­sys­tems­ge fragt “, ap­pel­liert K iss.

KEUCH­HUS­TEN. Tot­impf­stof­fe und To­xo­idimpf­stof­fe kön­nen wäh­rend der Schwan­ger­schaft an­ge­wen­det wer­den, so­fern sie gut ver­träg­lich sind. Bei­spiels­wei­se gilt heu­te die Emp­feh­lung, ge­gen Per­tus­sis (Keuch­hus­ten) ab der 27. Schwan­ger­schafts­wo­che zu imp­fen, falls noch kein Schutz be­steht.

INFLUENZA. Weit­ge­hend ei­nig sind sich die Ex­per­ten der Me­du­ni Wien auch dar­über, dass Schwan­ge­re ein hö­he­res Ri­si­ko ha­ben, an ei­ner schwe­ren Influenza zu er­kran­ken. „Schwan­ge­re Frau­en kön­nen durch­aus in ei­nen be­droh­li­chen Zu­stand kom­men “, so­huss­le in. ei­ne imp­fung sei welt­weit emp­foh­len. „Da­zu gibt es Emp­feh­lun­gen und aus­rei­chend evi­denz­ba­sier­te Da­ten. Schwan­ge­re er­kran­ken häu­fi­ger an Grip­pe, ent­wi­ckeln da­bei häu­fi­ger ei­ne Lun­gen­ent­zün­dung und wer­den häu­fi­ger im Rah­men ei­ne Inf lu­en­za hos­pi­ta­li­siert“, be­stä­tigt Kiss. Bis­her sind nur et­wa 10 Pro­zent der Pa­ti­en­tin­nen ge­impft.

„Die Vor­stel­lung, dass man wäh­rend der Schwan­ger­schaft nicht imp­fen kann, ist falsch.“Pe­ter Huss­lein, Lei­ter der Wie­ner Uni­ver­si­täts­kli­nik für Frau­en­heil­kun­de

FO­TOS:JOEYBOYLAN/ISTOCKPHOTO.COM,FALONKOONTZ/FO­TO­LIA,APA/HERBERTNEUBAUER

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