Aus dem Au­ge, aus dem Sinn

War­um man­che Impf­stof­fe ein Le­ben lang schüt­zen

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – WER­NER STURMBERGER

„Das Im­mun­sys­tem muss re­gel­mä­ßig an die An­ti­ge­ne ,er­in­nert’ wer­den, um bei Kon­takt ei­ne ef­fek­ti­ve Im­mun­ab­wehr bil­den zu kön­nen.“ Ma­ria Paul­ke-ko­ri­nek, Lei­te­rin der Ab­tei­lung für Impf­we­sen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ge­sund­heit

Wich­ti­ge Imp­fun­gen: u.a. Diph­the­rie, Te­ta­nus, Kin­der­läh­mung, Keuch­hus­ten +++ Auf­fri­schungs­emp­feh­lung al­le 10 Jah­re; ab 60: al­le 5 Jah­re Diph­the­rie Te­ta­nus, Keuch­hus­ten, Po­lio al­le 10 J.

Bei ei­ner Er­kran­kung ent­wi­ckelt die Im­mun­ab­wehr An­ti­kör­per ge­gen den Krank­heits­er­re­ger und spei­chert die­se in Ge­dächt­nis­zel­len. Bei man­chen Krank­hei­ten blei­ben die­se An­ti­kör­per ein Le­ben lang ef­fek­tiv – et­wa bei Mumps, Ma­sern, Rö­teln (MMR) und Wind­po­cken. Bei der Mmr-imp­fung macht man sich die­sen Um­stand zu­nut­ze. Der Le­ben­dimpf­stoff ent­hält le­ben­de Krank­heits­er­re­ger, die ab­ge­schwächt wer­den. Da­durch ver­lie­ren sie ih­re krank­ma­chen­den Ei­gen­schaf­ten, lö­sen je­doch noch im­mer ei­ne ent­spre­chen­de Ab­wehr­re­ak­ti­on im Kör­per aus. Da die­se prak­tisch iden­tisch mit je­ner der Ab­wehr des na­tür­li­chen In­fekts ist, bie­ten Le­ben­dimp­fun­gen im Re­gel­fall ei­nen lang­an­hal­ten­den und be­son­ders hoch­wer­ti­gen Schutz.

PORÖSES SCHUTZSCHILD. Nicht bei al­len Er­kran­kun­gen schützt ein Krank­heits­aus­brauch auch gleich­zei­tig und lang an­hal­tend vor wei­te­ren. Ein grip­pa­ler In­fekt wür­de sonst auch der Ver­gan­gen­heit an­ge­hö­ren und uns nicht mit ziem­li­cher Si­cher­heit zu­min­dest ein­mal im Jahr heim­su­chen. Bei Keuch­hus­ten zum Bei­spiel ist es aber so, dass ei­ne Er­kran­kung ge­nau wie die Imp­fung über ei­ni­ge Jah­re hin­aus ei­nen Schutz ge­gen ei­nen Aus­bruch bie­tet.

Bei al­len gän­gi­gen Auf­fri­schungs­imp­fun­gen han­delt es si­chu mei­nen Tot­impf­stoff. Das be­deu­tet, die Krank­heits­er­re­ger wer­den ab­ge­tö­tet bzw. nur Tei­le die­ser ver­ab­reicht. Die Im­mun­ant­wort ist aber meis­tens we­ni­ger stark, wes­halb die Imp­fung re­gel­mä­ßig auf­ge­frischt wer­den muss. „Das Im­mun­sys­tem muss re­gel­mä­ßig an die An­ti­ge­ne ‚er­in­nert‘ wer­den, um bei Kon­takt mög­lichst schnell ei­ne ef­fek­ti­ve Im­mun­ab­wehr bil­den zu kön­nen“, er­klärt Ma­ria Paul­ke-ko­ri­nek, Lei­te­rin der Ab­tei­lung für Impfw es en­des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Ge­sund­heit. Da die Er­re­ger nicht ver­meh­rungs­fä­hig sind, stel­len sie, an­ders als Le­ben­dimpf­stof­fe, auch für im­mun­ge­schwäch­te Per­so­nen im Nor­mal­fall kei­ne Ge­fahr dar.

Der Ös­ter­rei­chi­sche Impf­plan sieht im We­sent­li­chen zwei re­gel­mä­ßi­ge Auf­fri­schungs imp­fun­gen für ge­sun­de Er­wach­se­ne vor: Das ist ei­ner­seits die Kom­bi­nat ions imp­fung ge­gen Te­ta­nus, Diph­the­rie, Keuch­hus­ten und Po­lio( al­le zehn Jah­re bei Er­wach­se­nen un­ter und al­le fünf Jah­re bei je­nen über sech­zig Jah­re) und je­ne ge­gen Früh­som­mer-me­nin­go­en­ze­pha­li­tis (al­le fünf Jah­re un­ter und al­le drei jah­re bei je­nen über sech­zig Jah­re).

WANN ICH MICH IMP­FEN SOLL. „Prin­zi­pi­ell soll­te je­der Be­such beim Arzt da­zu ge­nutzt wer­den, den Impf­pass zu kon­trol­lie­ren. Wir wis­sen aber, dass das in der Pra­xis lei­der nicht im­mer der Fall ist. In sol­chen Fäl­len scha­det es nicht, selbst ei­nen Blick in den Impf­pass zu wer­fen“, rät Ma­ria Paul­ke-ko­ri­nek. Soll­te die­ser un­ver­ständ­lich oder nicht auf dem ak­tu­ells­ten Stand sein, sei auch in die­sem Fall der Haus­arzt wie­der die ers­te An­sprech­per­son.

ELEK­TRO­NI­SCHE ER­IN­NE­RUNG. Soll­te der Im­mu­ni­sie­rungs­sta­tus nicht zwei­fels­frei ge­klärt wer­den kön­nen, rät sie zur Auf­fri­schungs­imp­fung. Selbst wenn aus­rei­chend An­ti­kör­per im Kör­per vor­han­den wä­ren, wür­de ei­ne un­nö­ti­ge Imp­fung kei­ner­lei Scha­den ver­ur­sa­chen. Wer sich imp­fen lässt, schützt nicht nur sich selbst, son­dern auch an­de­re, da man in den meis­ten Fäl­len nicht als Über­trä­ger die­ser Krank­hei­ten die­nen kann – be­tont die Ex­per­tin. „Im Mo­ment ar­bei­ten wir ge­mein­sam mit an­de­ren Part­nern dar­an, ei­ne elek­tro­ni­sche Impf­do­ku­men­ta­ti­on um­zu­set­zen. Die­se soll­te dann die Mög­lich­keit bie­ten, au­to­ma­ti­siert Er­in­ne­run­gen für an­ste­hen­de Auf­fri­schungs­imp­fun­gen zu er­hal­ten. Wie die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on zeigt, gibt es ganz klar ei­nen Be­darf für so ein Ser vice“, so Ma­ria Paul­ke-ko­ri­nek.

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