War­um Auf­fri­schung wich­tig ist

La­xer Impf­schutz im Al­ter ge­fähr­det die Ge­sund­heit

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MAGDALENA MEER­GRAF

„Die Grup­pe an tat­säch­li­chen Impf­geg­nern ist nocht so groß, wie oft be­haup­tet wird – es sind rund vier Pro­zent. Dort ist Imp­fen kei­ne Wis­sens-, son­dern Glau­bens­fra­ge“ Pa­me­la Ren­di-wa­gner, Lei­te­rin der Sek­ti­on Öf­fent­li­che Ge­sund­heit und Me­di­zi­ni­sche An­ge­le­gen­hei­ten im Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um

Ei­ni­ge Imp­fun­gen schüt­zen le­bens­lang (Ma­sern), an­de­re nur ei­ni­ge Jah­re (Te­ta­nus). „Da­her sind re­gel­mä­ßi­ge Auf­fri­schun­gen er­for­der­lich, um ei­nen lang­fris­ti­gen Schutz zu ha­ben“, so Pa­me­la Ren­di-wa­gner, Lei­te­rin der Sek­ti­on Öf­fent­li­che Ge­sund­heit und Me­di­zi­ni­sche An­ge­le­gen­hei­ten im Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um. Ba­bys sind erst nach der ers­ten Impf­se­rie mit ca. sechs Mo­na­ten, bzw. bei Ma­sern erst ab dem ers­ten Le­bens­jahr ver­läss­lich selbst ge­schützt und soll­ten da­her in die­sen ers­ten Le­bens­mo­na­ten durch die Imp­fung ih­rer en­gen Kon­takt­per­so­nen – wie El­tern oder Ge­schwis­ter – vor In­fek­tio­nen „mit­ge­schützt“wer­den. Sind die Dur­ch­imp­fungs­ra­ten bei den Klein­kin­dern noch sehr gut, neh­men sie mit dem Al­ter ste­tig ab.

Wie­so ver­zich­ten vie­le Er­wach­se­ne auf Auf­fri­schungs­imp­fun­gen?

Pa­me­la Ren­di-wa­gner: Es feh­len heu­te oft die Ri­si­ko­wahr­neh­mung und der Re­spekt vor den Er­kran­kun­gen. Da­her fo­kus­siert man die Auf­merk­sam­keit weg vom Ri­si­ko der Er­kran­kung hin zu Ne­ben­wir­kun­gen der Imp­fung und gibt dem ei­nen pa­ra­dox ho­hen Stel­len­wert.

Wie wird der mo­men­ta­nen Impf­mü­dig­keit be­geg­net?

Die Grup­pe an tat­säch­li­chen Impf­geg­nern ist nicht so groß, wie oft be­haup­tet wird – es sind rund vier Pro­zent. Dort ist Imp­fen kei­ne Wis­sens-, son­dern ei­ne Glau­bens­fra­ge, man kommt mit wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­sen gar nicht an. Un­se­re Stra­te­gie ist da­her, uns mit­tels ge­ziel­ter Auf klä­rung dem Vier­tel der so­ge­nann­ten Impfskep­ti­ker zu wid­men. Man muss den wis­sen­schaft­li­chen Nut­zen in ei­ne Spra­che über­set­zen, so­dass die Leu­te ei­ne selbst in­for­mier­te Ent­schei­dung mit ih­rem Arzt tref­fen kön­nen. Wir kön­nen nicht nur wis­sen­schaft­lich ar­gu­men­tie­ren, man muss auch den ge­sell­schaft­lich ethi­schen Aspekt ein­brin­gen. Imp­fen ist nicht nur Ei­gen­schutz, son­dern auch ein so­li­da­ri­scher Akt.

Soll in der Dis­kus­si­on eher der In­di­vi­du­al­schutz oder Her­den­schutz im Vor­der­grund ste­hen?

Es gibt Men­schen, die sich nicht imp­fen las­sen kön­nen oder bei de­nen es nicht wirkt. Die kann man mit­schüt­zen, in­dem man sich selbst impft. Wenn über ei­nen ge­wis­sen Zei­t­raum je nach Er­kran­kung ei­ne be­stimm­te Zahl an Men­schen ge­impft sind, kann man da­von aus­ge­hen, dass sich das Vi­rus nicht mehr ver­brei­tet. Das Tol­le an Her­den­im­mu­ni­tät ist, sie funk­tio­niert wirk­lich. Aber im Arzt-pa­ti­en­ten­ge­spräch blei­ben den­noch der In­di­vi­du­al­schutz und die Ri­si­ko­nut­zen-ab­wä­gung im Mit­tel­punkt und nicht der volks­ge­sund­heit­li­che Aspekt. Es ist da­her die Auf­ga­be des Mi­nis­te­ri­ums, auch die­ses The­ma zu dis­ku­tie­ren.

Wie gut ste­hen die Chan­cen ei­ner Rea­li­sie­rung des elek­tro­ni­schen Impf­pas­ses?

Die elek­tro­ni­sche Er­fas­sung von Impf­da­ten ist ein gro­ßes Zu­kunfts­pro­jekt, das durch­aus ei­ne gu­te Chan­ce auf Rea­li­sie­rung hat. Wir als Mi­nis­te­ri­um ha­ben den gro­ßen Wunsch, das in den nächs­ten Jah­ren vor­an­zu­trei­ben. Ei­ner­seits pro­fi­tie­ren wir als Be­hör­de, weil end­lich

ei­ne stan­dar­di­sier­te sys­te­ma­ti­sche Er­fas­sung der Dur­ch­imp­fungs­ra­ten mög­lich ist, und wir da­durch Ak­tio­nen und Stra­te­gi­en bes­ser pla­nen kön­nen. Aber vor al­lem pro­fi­tie­ren auch die Bür­ger und Bür­ge­rin­nen, weil sie erst­mals ei­ne elek­tro­ni­sche Er­fas­sung ha­ben, die auch ei­ne Er­in­ne­rungs­funk­ti­on ha­ben kann. Wie das im De­tail aus­se­hen wird, steht je­doch noch nicht fest. Es lau­fen aber be­reits Ge­sprä­che über Ko­or­di­nie­rung und Fi­nan­zie­rung und wir hof­fen, dass die Im­ple­men­tie­rung bald be­gin­nen kann.

Wä­re ei­ne Impfpflicht wie die ge­gen Po­cken heu­te denk­bar?

Das ist für uns aus zwei Grün­den kein The­ma: ei­ner­seits auf­grund der Grund­rech­te. Das Zeit­al­ter des Zwan­ges und der Kri­mi­na­li­sie­rung der Impf­geg­ner ist vor­bei. Und an­de­rer­seits ha­ben wir un­se­re Leh­ren ge­zo­gen. Ei­nen Impf­zwang und die Impf­aus­schluss­zeug­nis­se be­hörd­lich zu ad­mi­nis­trie­ren, ist we­sent­lich teu­rer als das Impf­pro­gramm selbst. Und im End­ef­fekt oh­ne ent­spre­chen­den Vor­teil für die öf­fent­li­che Ge­sund­heit. Auch im Ge­sund­heits­be­reich fehlt es an Dis­zi­plin bei den Impf­auf­fri­schun­gen. Könn­ten hier bald Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen Be­rufs­ein­stieg gel­tend ge­macht wer­den?

Ja. Letz­tes Jahr wa­ren sie­ben Pro­zent al­ler Ma­sern­fäl­le im Be­reich des Ge­sund­heits­we­sens vom Ge­sund­heits­per­so­nal ver­ur­sacht. Wir ha­ben das durch­aus kri­tisch ge­se­hen und wol­len jetzt ei­nen Bun­des­qua­li­täts­stan­dard er­ar­bei­ten. Der hät­te ei­nen ver­bind­li­che­ren Cha­rak­ter als die der­zei­ti­ge Fa­ch­emp­feh­lung. Die Rechts­la­ge sieht vor, dass ein Mensch nicht mehr Scha­den durch ei­nen Kran­ken­haus­auf­ent­halt oder durch ih­re Be­hand­lung neh­men soll, als das nor­ma­le Ri­si­ko der Be­hand­lung birgt. Al­le Ju­ris­ten sind sich ei­nig, dass ei­ne Masernerkrankung über die­ses nor­ma­le Maß hin­aus­geht. Dem­nach reicht die Ge­set­zes­la­ge der­zeit schon für das Ver­lan­gen von Vor­aus­set­zun­gen aus, um mit be­stimm­ten Grup­pen von Pa­ti­en­ten ar­bei­ten zu dür­fen.

Ist ei­ne be­stimm­te Zahl an Men­schen ge­impft, kann sich ein Vi­rus schlech­ter aus­brei­ten

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