Imp­fung ge­gen Krebs

Durch Dna-im­mu­ni­sie­rung wol­len For­scher Krebs we­gimp­fen

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MO­NI­KA DLUGOKECKI

Ein prä­ven­ti­ver Impf­stoff ge­gen al­le Krebs­er­kran­kun­gen – da­von träu­men nicht nur Me­di­zi­ner. Zu­ge­ge­ben, das ist zwar ein Blick in die fer­ne Zu­kunft, aber es wird be­reits in­ten­siv an Impf­stof­fen ge­gen die­se heim­tü­cki­sche Krank­heit ge­forscht. Und es konn­ten schon ers­te Er­fol­ge er­zielt wer­den.

Ein Bei­spiel ist die Hpv-imp­fung als Schutz vor Ge­bär­mut­ter­hals­krebs. Da­bei han­delt es sich aber nicht um ei­ne Krebs­im­mun­the­ra­pie im ei­gent­li­chen Sinn. Die­se Impf­stof­fe wer­den prä­ven­tiv zur Im­mu­ni­sie­rung ge­gen hu­ma­ne pa­pil­lom­vi­ren ein­ge­setzt, die be­stimm­te Krebs­ar­ten – vor al­lem Ge­bär­mut­ter­hals­krebs – aus­lö­sen kön­nen. Auch Le­ber­krebs kann durch Vi­ren aus­ge­löst wer­den, da­ge­gen gibt es die He­pa­ti­tis B-imp­fung.

THE­RA­PEU­TI­SCHE IMP­FUNG. Dar­über hin­aus gibt es aber auch ei­nen wei­te­ren Lö­sungs­an­satz, der ge­ra­de welt­weit für rau­chen­de Köp­fe in den For­schungs­la­bors sorgt. Es wird am Schutz vor Krank­hei­ten, die nicht durch In­fek­tio­nen her­vor­ge­ru­fen wer­den, ge­forscht. So gibt es auch the­ra­peu­ti­sche An­sät­ze, die nach dem Prin­zip ei­ner Imp­fung funk­tio­nie­ren. Da­bei han­delt es sich um Be­hand­lun­gen, die in Zu­kunft bei be­reits er­krank­ten Men­schen zum Ein­satz kom­men und zu Hei­lungs­er­fol­gen füh­ren sol­len.

Durch die the­ra­peu­ti­sche Imp­fung soll das Im­mun­sys­tem zum Kampf ge­gen Krebs mo­bi­li­siert wer­den, in­dem die Er­ken­nungs­struk­tu­ren von Tu­mor­zel­len ge­nau und in­di­vi­du­ell iden­ti­fi­ziert wer­den. Man möch­te da­mit das Im­mun­sys­tem auf den Feind Krebs auf­merk­sam ma­chen. „Es gibt da­zu zwei un­ter­schied­li­che An­sät­ze. Ei­ner­seits ein klas­si­scher An­satz, bei dem ver­sucht wird, An­ti­kör­per ge­gen weit ver­brei­te­te Tu­mo­r­an­ti­ge­ne durch Imp­fung zu in­du­zie­ren. An­de­rer­seits ei­ne mehr per­so­na­li­sier­te Stra­te­gie. Da­bei sol­len Immun­zel­len zur Ab­wehr ge­gen spe­zi­fi­sche Mo­le­kü­le, die sich auf den Tu­mor­zel­len be­fin­den, al­so krebs­ty­pi­sche An­ti­ge­ne, sti­mu­liert wer­den, in der Hoff­nung, das Im­mun­sys­tem re­agiert ent­spre­chend dar­auf und tö­tet ver­streu­te Me­ta­sta­sen mit Hil­fe von Kil­ler­zel­len end­gül­tig ab“, so Micha­el Kun­di vom Zen­trum für Pu­b­lic Health der Me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien.

IN­DI­VI­DU­EL­LE IM­MUN­THE­RA­PIE. Das Schwie­ri­ge da­bei: Et­wa 95 Pro­zent der Mu­ta­tio­nen ei­nes Tu­mors fin­den sich bei kei­nem an­de­ren Krebs­pa­ti­en­ten. Es gibt al­so kein An­ti­gen, das in je­dem Tu­mor gleich ist. Das heißt, dass die­se The­ra­pie nur bei ei­nem ein­zi­gen Pa­ti­en­ten ein­ge­setzt wer­den kann, des­sen Mu­ta­ti­on für die Vak­zi­ne­her­stel­lung zu­vor ana­ly­siert wur­de. „Es han­delt sich so­mit um ei­ne per­so­na­li­sier­te Me­di­zin, die nicht auf al­le Pa­ti­en­ten mit ei­ner ganz be­stimm­ten Mu­ta­ti­on aus­ge­rich­tet ist, son­dern um ei­ne ganz in­di­vi­du­el­le Im­mun­the­ra­pie“, sagt Kun­di.

Die The­ra­pie wird in Form von Infu­sio­nen durch­ge­führt, ent­we­der al­lein oder in Kom­bi­na­ti­on mit ei­ner Che­mo­the­ra­pie. Ers­te Stu­di­en ha­ben er­ge­ben, dass ei­ne deut­lich grö­ße­re Ver­rin­ge­rung von Me­ta­sta­sen ge­ge­ben ist, wenn die Che­mo­the­ra­pie mit der An­ti­kör­per­the­ra­pie kom­bi­niert wird. Trotz­dem ist es so, dass Krebs­zel­len schwer in den Griff zu be­kom­men sind. Zum ei­nen weil sie das Im­mun­sys­tem aus­trick­sen, und zum an­de­ren, weil sie ge­ne­tisch in­sta­bil sind und schnell mu­tie­ren, wo­durch sie re­sis­tent ge­gen­über Im­mun­the­ra­pi­en wer­den.

HIV VI­RUS SEHR KOM­PLEX. Ei­ne Ei­gen­schaft, die auch das Hiv-vi­rus auf­weist. Auch wenn es ei­ni­ge viel­ver­spre­chen­de An­sät­ze gibt, exis­tiert bis heu­te noch kei­ne Imp­fung. „Es wur­den sehr vie­le ver­schie­de­ne For­men der Imp­fung, vor al­lem in Afri­ka und Asi­en er­probt, al­ler­dings noch oh­ne durch­schla­gen­den Er­folg. Ei­nen pas­sen­den Impf­stoff zu fin­den, scheint weit kom­pli­zier­ter zu sein, als man an­fangs ge­dacht hat“, so Kun­di. So sind be­reits Dut­zen­de Impf­stoff­kan­di­da­ten ge­gen AIDS dar­an ge­schei­tert, dass der Er­re­ger HIV äu­ßerst wand­lungs­fä­hig ist und aus­ge­rech­net je­ne Zel­len zer­stört, die für ei­ne Ab­wehr er­for­der­lich sind. For­scher hal­ten es je­doch für mög­lich, durch ei­ne Imp­fung das An­ste­ckungs­ri­si­ko zu sen­ken oder im Fal­le ei­ner Infektion, den Aus­bruch der Krank­heit zu ver­zö­gern.

Ganz an­ders sieht es beim Kampf ge­gen den Ebo­la­vi­rus aus. „Hier gab es min­des­tens drei An­sät­ze, die gu­te Er­geb­nis­se er­zielt ha­ben“, so Kun­di. Al­ler­dings sei mit der Abeb­bung der Ebo­la­seu­che auch die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung für die Er­for­schung und Ver­bes­se­rung ei­nes Impf­stof­fes ab­ge­flaut.

HOFF­NUNG BEI ALZ­HEI­MER. In punk­to Alz­hei­mer wer­den die größ­ten Hoff­nun­gen in Imp­fun­gen für Er­krank­te im Früh­sta­di­um ge­setzt: Bei der Krank­heit la­gern sich ver­än­der­te Ei­wei­ße im Ge­hirn ab. Zugleich kommt es zur krank­haf­ten Ve­rän­de­rung so­ge­nann­ter „Tau-pro­te­ine“. Impf­stof­fe sol­len Ab­wehr­re­ak­tio­nen des Kör­pers in Gang set­zen, die die Abla­ge­run­gen ent­fer­nen bzw. die krank ma­chen­den Pro­te­ine re­du­zie­ren und da­mit die wei­te­re Ver­schlech­te­rung der Ge­dächt­nis­leis­tung stop­pen. Um aber ei­ne Wir­kun­ger­zie­len zu kön­nen, müs­sen sol-che in Stu­di­en ge­tes­te­ten Impf­stof­fe of­fen­bar zu ei­nem frü­he­ren Zeit­punkt ein­ge­setzt wer­den, als dies bis­her der Fall war. Der­zeit läuft ei­ne kli­ni­sche Pha­se-ii-stu­die, die Wirk­sam­keit und Si­cher­heit des Impf­stof­fes un­ter­sucht. Die Me­du­ni Wien gilt in der kli­ni­schen Er­for­schung die­ser Im­mun­the­ra­pie als welt­weit füh­rend.

„Es wur­den sehr vie­le ver­schie­de­ne For­men der Hiv-imp­fung er­probt, al­ler­dings noch oh­ne durch­schla­gen­den Er­folg. Ei­nen pas­sen­den Impf­stoff zu fin­den, scheint weit kom­pli­zier­ter zu sein, als man an­fangs ge­dacht hat..“Micha­el Kun­di vom Zen­trum für Pu­b­lic Health der Me­du­ni Wien „Et­wa 95 Pro­zent der Mu­ta­tio­nen ei­nes Tu­mors fin­den sich bei kei­nem an­de­ren Krebs­pa­ti­en­ten. Es han­delt sich so­mit um ei­ne ganz in­di­vi­du­el­le Im­mun­the­ra­pie.“Micha­el Kun­di vom Zen­trum für Pu­b­lic Health der Me­du­ni Wien

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.