Gut ge­schützt im Job

Wel­che Be­rufs­grup­pen ver­stärk­ten Impf­schutz brau­chen

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – STE­FAN KLU­GER

Es gibt Be­rufs­grup­pen, die ein hö­he­res Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al ge­gen­über In­fek­tio­nen ha­ben als an­de­re. Für sie gel­ten er­wei­ter­te Impf­emp­feh­lun­gen – wo­bei die­se oft nicht nur dem ei­ge­nen Schutz die­nen, son­dern auch dem an­de­rer Men­schen.

Im­mer wie­der steht sie im Raum: die Impfpflicht. Al­ler­dings ist im ös­ter­rei­chi­schen Ar­beits­recht kei­ne vor­ge­schrie­ben. Denn Imp­fun­gen sind me­di­zi­ni­sche Maß­nah­men, die in die kör­per­li­che In­te­gri­tät ein­grei­fen. Da­für ist die Ein­wil­li­gung des Ver­letz­ten – so steht es im Ge­setz – er­for­der­lich. Je­der hat so­mit das Recht, sol­che Ein­grif­fe zu ver­wei­gern.

Laut ös­ter­rei­chi­schem Epi­de­mie­ge­setz aus dem Jah­re 1950 gä­be es zwar die Mög­lich­keit, Per­so­nen, die sich be­rufs­mä­ßig mit der Kran­ken­be­hand­lung oder Kran­ken­pfle­ge

be­fas­sen, Schutz­imp­fun­gen über die zu­stän­di­ge Be­hör­de (Be­zirks­haupt­mann­schaf­ten, Ma­gis­tra­te) an­zu­ord­nen, al­ler­dings stellt dies to­tes Recht dar. Statt­des­sen gibt es Impf­emp­feh­lun­gen, die jähr­lich vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ge­sund­heit ak­tua­li­siert wer­den.

BERUFSSPEZIFISCHE RI­SI­KEN. Von Kran­ken­pfle­ge­per­so­nal über Po­li­zei bis hin zu For­st­ar­bei­tern gibt es zahl­rei­che Be­rufs­grup­pen mit spe­zi­el­lem Ge­fähr­dungs­ri­si­ko. Für sie be­ste­hen er­wei­ter­te Emp­feh­lun­gen: „Per­so­nen mit ei­nem deut­lich stär­ke­ren, di­rek­ten Kon­takt mit Men­schen, als das all­ge­mein der Fall ist, be­sit­zen ein hö­he­res Ri­si­ko, sich über Ein­at­men von er­re­ger­häl­ti­gen Ae­ro­so­len oder Kon­takt mit Kör­per­se­kre­ten durch Pfle­ge oder Ver­let­zun­gen zu in­fi­zie­ren“, sagt Son­ja Hohl-ku­cher, Fach­ärz­tin für Ar­beits- und Be­triebs­me­di­zin bei der Voe­st­al­pi­ne.

So wer­de Ar­beit­neh­mern in So­zi­al­be­ru­fen (Kin­der­gärt­ner, Leh­rer, So­zi­al­ar­bei­ter), me­di­zi­ni­schem Be­treu­ungs­per­so­nal, Per­so­nen in Ein­satz­diens­ten (Ret­tung, Po­li­zei, Feu­er­wehr) und Ar­beit­neh­mern in

Ab­fall-, Ab­was­ser-, Ent­sor­gungs­und Rei­ni­gungs­diens­ten emp­foh­len, sich ge­gen He­pa­ti­tis A und B zu imp­fen. Tier­pfle­ger, Jä­ger und Förs­ter wie­der­um soll­ten un­be­dingt ge­gen Toll­wut ge­schützt sein, da die Er­kran­kung nach Aus­bruch stets töd­lich ver­läuft. Wei­ters müss­ten al­le Be­rufs­grup­pen, die über­wie­gend im Frei­en tä­tig sind (Förs­ter, Land­wir­te, Gärt­ner, Bau­ar­bei­ter, etc.), ei­nen wirk­sa­men Impf­schutz ge­gen die Fs­me­er­kran­kung auf­wei­sen. In­ter­es­san­ter­wei­se ist seit den Fünf­zi­ger­jah­ren des 20. Jahr­hun­derts be­kannt, dass Schwei­ßer ei­ne deut­lich er­höh­te Er­kran­kungs-, und Mor­ta­li­täts­ra­te an Lun­gen­ent­zün­dun­gen und Pneu­mo­kok­ken-er­kran­kun­gen ha­ben, wes­halb ih­nen ei­ne ent­spre­chen­de Imp­fung emp­foh­len wird.

VER­GES­SE­NE KRANK­HEI­TEN. Ein Pro­blem in der Impf­me­di­zin stel­le die man­geln­de Dur­ch­imp­fungs­ra­te – vor al­lem nach vor­über­ge­hen­dem Ver­schwin­den von Er­kran­kun­gen – dar. So wur­den 2011 in der EU zwan­zig Fäl­le von Diph­the­rie-er­kran­kun­gen ge­mel­det, die höchst­wahr­schein­lich nicht auf­ge­tre­ten wä­ren, hät­te es die all­ge­mein emp­foh­le­nen Diph­the­rie-te­ta­nu­s­auf­fri­schun­gen ge­ge­ben. Diph­the­rie tritt der­weil wei­ter­hin in Russ­land, der Ukrai­ne und an­de­ren Re­gio­nen der Welt auf. „Auch der Impf­schutz ge­gen Kin­der­läh­mung und ge­gen Ma­sern ist man­gel­haft“, warnt Hohl-ku­cher. Po­si­tiv zu ver­mer­ken sei, dass die Zahl der Fs­me-er­kran­kun­gen dank des gut ver­an­ker­ten und in wei­ten Tei­len der Be­völ­ke­rung ak­zep­tier­ten Impf­pro­gramms stark zu­rück­ge­gan­gen ist.

DIE MO­TI­VA­TI­ON ZU IMP­FEN. Die Trieb­fe­der soll­te stets der Schutz vor Krank­hei­ten sein. Und das kön­ne durch Imp­fun­gen mit re­la­tiv ge­rin­gem Auf­wand er­reicht wer­den. „Kei­ne Mut­ter und kein Va­ter soll­te sich Vor­wür­fe ma­chen, war­um ihr Kind durch ei­ne In­fek­ti­ons­krank­heit dau­er­haf­ten Scha­den er­lei­den muss, ob­wohl die Er­kran­kung durch ei­ne Imp­fung ver­hin­dert wer­den hät­te kön­nen“, sagt Son­ja Hohl-ku­cher.

EMP­FEH­LUNG. Die Bio­ethik­kom­mis­si­on im Bun­des­kanz­ler­amt gab im ver­gan­ge­nen Ju­ni ei­ne Emp­feh­lung zu den ethi­schen Aspek­ten des Imp­fens ab. Un­ter dem Mot­to „Information, Mo­ti­va­ti­on und Trans­pa­renz“geht es nicht nur um die Rech­te und die Selbst­be­stim­mung je­des Ein­zel­nen, son­dern letzt­lich um al­le, um das Wohl der Ge­mein­schaft: „Wir ha­ben in die­ser Emp­feh­lung die Si­tua­ti­on der Be­rufs­tä­ti­gen im Ge­sund­heits­be­reich her­aus­ge­grif­fen und se­hen die­se als Ga­ran­ten be­son­ders dem Nicht­scha­den­s­prin­zip ver­pflich­tet“, er­klärt Chris­tia­ne Dr­uml, Ju­ris­tin und Vor­sit­zen­de der Bio­ethik­kom­mis­si­on. Das be­deu­tet, Be­schäf­tig­te in Ge­sund­heits­be­ru­fen soll­ten ge­gen po­ten­zi­ell schwe­re oder so­gar töd­li­che Er­kran­kun­gen wie Ma­sern oder Keuch­hus­ten ge­impft sein, um die­se nicht zu über­tra­gen.

„Der Impf­schutz ge­gen Kin­der­läh­mung und ge­gen Ma­sern ist man­gel­haft.“ Son­ja Hohl-ku­cher, Fach­ärz­tin für Ar­beits- und Be­triebs­me­di­zin bei der voe­st­al­pi­ne

Vom Kin­der­gar­ten­per­so­nal

bis zum For­st­ar­bei­ter: An­ge­hö­ri­ge be­stimm­ter Be­rufs­spar­ten müs­sen sich vor

dem er­höh­ten In­fek­ti­ons­ri­si­ko

schüt­zen

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