Wo die Cho­le­ra lau­ert

Imp­fung lohnt nur bei Dau­er­auf­ent­halt in den Tro­pen

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MAGDALENA MEER­GRAF

Cho­le­ra tritt nur un­ter enorm schlech­ten Hy­gie­ne­be­din­gun­gen auf. Tou­ris­ten sind nur dann ge­fähr­det, wenn sie durch Ge­bie­te mit schlech­ter Trink­was­ser­ver­sor­gung rei­sen.

+++ Cho­le­ra ist ei­ne bak­te­ri­el­le In­fek­ti­ons­er­kran­kung des Dünn­darms +++ Aus­lö­ser ist das Bak 5–10 % chro­nisch, An­ste­ckung: mit Blut ver­un­rei­nig­te Sprit­ze, un­ge­schütz­ter Ge­schlechts­ver­kehr

Kei­ne in­ter­na­tio­na­le In­sti­tu­ti­on rät zur Cho­le­raimp­fung im Tou­ris­mus. Die Er­kran­kung kommt bei Rei­sen­den prak­tisch nicht vor“, so Her­wig Kol­la­ritsch vom In­sti­tut für Spe­zi­fi­sche Pro­phy­la­xe und Tro­pen­me­di­zin der Me­du­ni Wien. Die Imp­fung wer­de nur dann emp­foh­len, wenn je­mand „nicht kal­ku­lier­bar“un­ter­wegs ist. Wenn die Per­son al­so mit ganz mie­sen hy­gie­ni­schen Ver­hält­nis­sen kon­fron­tiert wer­den könn­te. Le­dig­lich im De­sas­ter Ma­nage­ment spie­le die Imp­fung da­her ei­ne wirk­lich we­sent­li­che Rol­le, et­wa für Ent­wick­lungs­hel­fer. Ge­bie­te, in de­nen Cho­le­ra ge­häuft vor­kommt, sind Latein­ame­ri­ka, Afri­ka und Süd­asi­en (ins­be­son­de­re In­di­en und Ban­gla­desch). 2014 sind laut Sta­tis­tik Aus­tria kei­ne Fäl­le von Cho­le­ra in Ös­ter­reich ge­mel­det wor­den.

DIE INFEKTIONSDOSIS ZÄHLT. Die Über­tra­gung des Bak­te­ri­ums Vi­brio cho­le­rae er­folgt durch kon­ta­mi­nier­tes Trink­was­ser oder Nah­rungs­mit­teln. Wenn der Er­re­ger in den Dünn­darm ge­langt, pro­du­ziert er dort ei­nen Gift­stoff, der die Darm­schleim­haut an­greift. Über den Stuhl wird er wie­der aus­ge­schie­den, bei schlech­ten sa­ni­tä­ren Be­din­gun­gen kommt es so rasch zu ei­ner Ver­brei­tung. Doch nicht je­der, der mit den Bak­te­ri­en in Kon­takt kommt, er­krankt auch tat­säch­lich dar­an. Die Infektionsdosis für ei­nen Aus­bruch der Er­kran­kung muss sehr hoch sein. Bei ei­nem ge­sun­den Men­schen sind da­zu meh­re­re Mil­li­ar­den Kei­me not­wen­dig. Für das Aus­lö­sen ei­ner bak­te­ri­el­len Ruhr ge­nü­gen bei­spiels­wei­se nur zehn Kei­me. „Die Cho­le­ra­er­re­ger sind ex­trem emp­find­lich ge­gen Ma­gen­säu­re. Das ist un­se­re bes­te Bar­rie­re ge­gen die Er­kran­kung. Nimmt man Pro­to­nen­pum­pen­hem­mer ein – das sind Me­di­ka­men­te zur Hem­mung der Ma­gen -säu­re pro­duk­ti­on–könn­te man da­her leich­ter Cho­le­ra be­kom­men “, ei­ne über­tra­gung di­rekt von Mensch zu Mensch ist zwar mög­lich, je­doch äu­ßerst sel­ten.

SYM­PTO­ME. Ei­ne Cho­le­ra be­ginnt mit wäss­ri­gem Durch­fall, der auch mit hef­ti­gem Er­bre­chen ein­her­ge­hen kann. Be­trof­fe­ne ver­lie­ren bis zu ei­nem hal­ben Li­ter Flüs­sig­keit und Mi­ne­ral­sal­ze in der St­un­de. Da­zu kom­men Wa­den­krämp­fe, Blut­druck­ab­fall und er­höh­ter Puls. Die wich­tigs­te Maß­nah­me ist der aus­rei­chen­de Aus­gleich des Elek­tro­lyt- und Flüs­sig­keits­haus­hal­tes. In schwe­ren Fäl­len müs­sen Infu­sio­nen ver­ab­reicht wer­den. Oh­ne ent­spre­chen­de Sub­sti­tu­ti­on kommt es erst zur Aus­trock­nung, die sich durch tro­cke­ne Haut und Schleim­häu­te, ein­ge­fal­le­ne Aug­äp­fel, fla­chen Puls, nied­ri­gen Blut­druck und Un­ter­tem­pe­ra­tur zeigt. Schließ­lich kann die Er­kran­kung auf­grund von Nie­ren­ver­sa­gen und Kreis­lauf­kol­laps töd­lich en­den. Die schwe­re Cho­le­ra führt un­be­han­delt in bis zu 50 Pro­zent der Fäl­le zum Tod. Bei recht­zei­ti­ger The­ra­pie ist die Pro­gno­se je­doch sehr gut.

WELTWEITES VOR­KOM­MEN. Ver­läss­li­che Zah­len zu Cho­le­ra­er­kran­kun­gen feh­len, weil die Mel­de­mo­ral der Län­der aus Angst vor ne­ga­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf Tou­ris­mus und Han­del nicht op­ti­mal ist. In­kon­sis­ten­zen in der Fall­de­fi­ni­ti­on und ein Man­gel an La­bor­ka­pa­zi­tä­ten tra­gen eben­falls ih­ren Teil bei. Die Da­ten des Who-be­richts kön­nen nur wie­der­ge­ben, was von den na­tio­na­len Über­wa­chungs­sys­te­men er­fasst wur­de. Im Jahr 2014 wur­den welt­weit rund 200.000 Cho­le­ra-fäl­le ge­mel­det, da­von mehr als 2000 To­des­fäl­le. Af­gha­nis­tan, die De­mo­kra­ti­schen Re­pu­blik Kon­go, Gha­na, Hai­ti und Ni­ge­ria mach­ten 84 Pro­zent aus. Im Eu­ro­päi­schen Raum wur­den 17 im­por­tier­te Fäl­le ge­mel­det. Die WHO selbst schätzt die tat­säch­li­chen Cho­le­ra­er­kran­kun­gen welt­weit auf bis zu 4 Mil­lio­nen Fäl­le pro Jahr.

SCHLUCK­IMP­FUNG. Seit 2003 ist ein ora­ler Tot­impf­stoff in Ös­ter­reich er­hält­lich. Mit der Ent­wick­lung von mo­der­nen Schluck­impf­stof­fen er­hof­fen sich Ex­per­ten ei­ne Ver­bes­se­rung der Si­tua­ti­on. Als vor­ran­gi­ges Pro­blem, das es zu lö­sen gilt, gel­ten je­doch wei­ter­hin die Ver­bes­se­rung der hy­gie­ni­schen In­fra­struk­tu­ren. „Ei­ni­ge emp­feh­len die Cho­le­raimp­fung auch zur all­ge­mei­nen Durch­fall­pro­phy­la­xe. Das ist falsch“, be­tont Kol­la­ritsch. An­halts­punk­te für die­se In­di­ka­ti­on wur­den über­prüft und die Zu­las­sung ver­wei­gert.

Viel wich­ti­ger sei es, be­stimm­te Hy­gie­ne­re­geln ein­zu­hal­ten: vor und nach dem Es­sen im­mer die Hän­de wa­schen, nie Lei­tungs­was­ser trin­ken, auf Eis­wür­fel ver­zich­ten, im­mer nur gut ge­koch­te Spei­sen es­sen und nur zu Obst grei­fen, das man selbst schält.

„Die Cho­le­ra­er­re­ger sind ex­trem emp­find­lich ge­gen Ma­gen­säu­re. Das ist un­se­re bes­te Bar­rie­re ge­gen die Er­kran­kung.“Her­wig Kol­la­ritsch vom In­sti­tut für Spe­zi­fi­sche Pro­phy­la­xe und Tro­pen­me­di­zin der Me­du­ni Wien

Trü­ge­ri­sche Si­cher­heit: Ist das Was­ser ver­un­rei­nigt, wird auch der ge­wa­sche­ne Sa­lat zum Krank­heits­über­trä­ger

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